Industriesuppe
Veröffentlicht: August 20, 2013 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: düsseldorf, heerdt, suppenwerk 7 KommentareAm Rande der Landeshauptstadt, da wo das Schillernde schon längst ausgelaufen ist in Industriebrachen und versetzt wird mit dem ein oder anderen niederrheinischen Acker, im Niemandsland zwischen Neusser Rheinhafen, stinkenden Ölmühlen und Oberkasseler Schickeria, blüht seit über zehn Jahren im Heerdter Gewerbegebiet eine kulinarische Wildblume: Das Suppenwerk. Nach einer Phase der Wucherung und des Absterbens einiger Schösslinge (Filiale in Bilk, Fabrik im Bergischen) besinnt sich Alexander Teymurian wieder auf das Eigentliche: Frische und Fond zu vereinen in der perfekten Suppenschüssel. Gelingt ihm ganz gut, die Gyuniku Udon machen auch die Japaner in der Düsseldorfer Innenstadt nicht besser. Dazu ein schmelziges Horenso Gomaae, Spinat in Sesamsoja, und die Handschrift des Chefs wird deutlich, der Gast genießt zufrieden.
An den zweieinhalb Tischen können kaum zwei Hände voll Menschen Platz nehmen, zur Mittagszeit ist der Laden wohl immer noch samt Vorplatz zum Bersten gefüllt. Auch an Abenden passiert’s, dass man unverrichteter Nahrungsaufnahme wieder von dannen zieht, Reservieren hilft. Verwunderlich ist das kaum, denn auch das marrokanische Harrira ist herrlich, kraftvoll würzig, ohne den sonst so verbreiteten Süßetünch. Selbst Simpelsachen wie der Tomatensalat werden zu Geschmacksgranaten, nicht zuletzt wegen des fruchtigscharfen Olivenöls aus Nizzas letzter Ölmühle. Dies kann man hier genauso kaufen, wie Hollands Gewürze, französischen Tee oder Martellipasta. Gute Produkte allenthalben.
Insgesamt stehen zehn Suppen und Eintöpfe auf der Weltkarte, Klassiker internationaler Regionenküche zumeist. Das Finishing der vorbereiteten Komponenten findet in der offenen Thekenküche statt, die Gästenasen schwelgen also in allerlei Aromen. Dazu ein Nudelgericht und der Tapasteller – hungrig und unglücklich muss hier niemand zurück ins Industriegrau.

Danke für diesen Tipp. Die abgebildete Speise sieht appetitanregend aus aber auch so, als sei sie schwierig zu essen.
Das liegt sicher nur am abgebildeten Werkzeug, mit Löffel und Gabel wird’s schon klappen.
…und mit Schlabberlätzchen.
Du schaffst es, dass ich mal gerne ins Heerdter Gewerbegebiet gelangen möchte. Meine Güte!
So wie ich sowohl Suppen als auch Martelli-Pasta liebe (nach einem Artikel in „The Atlantic Monthly“ bin ich sogar nach Lari gepilgert), muss ich da hin!
Auf nach Heerdt! Sieht sehr gut aus, und wenn du’s empfiehlst, kann’s nicht verkehrt sein.
Ich wüßte ein anderes schnuckeliges Industriegebiet, wo die dringend eine Filiale eröffnen sollten. (Bißchen vom Schuß, allerdings.)