Sentenz übers Älterwerden
Veröffentlicht: Januar 27, 2016 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Niederrhein 3 KommentareWie habe ich sie gehasst, die Langweiler, die ihr provinzielles Dasein schon in der Jugend mit Hüsch-Zitaten verbrämten. Weil sie wirklich nichts wissen und auch nicht erklären. Können. Damals nicht, heute nicht. Denen der alte Mann aus Moers samt Philicorda-Orgel Potemkinsches Dorf war für die eigene Inhaltsleere. Nun aber ziehen die Jahre über die niederrheinische Tiefebene und ins Gesicht und ich erkenne die Gemeinsamkeiten. In den Denkmustern vor Allem. Nicht nur der Fuß, nicht Süchteln.
„Der Niederrheiner braucht ja eigentlich nur sich, mehr muss dat gar nich sein, weil der so viel mit sich selbst zu tun hat, von morgens bis abends. Da kommt der auf dem flachen Land gar nich zur Ruhe, weil der ewig am bosseln un am prakesieren un am rennen is, aus de Küch innet Krankenhaus, dann auf en Kirchhof und dann wieder zurück inne Küch.“
Die Herkunft, nicht der Dialekt. Der immer anders klang als meine Vatersprache. Die Ruhe vielmehr und die Lust am Kleinen. Der Genuss. Die Musik.
Do hoste was gesprochn Kerle.
Also wir Männer hier im Nordhessischen sinnieren selbstverständlich über Becken
und wie wir aus denen heraus kommen. Das wird ja nicht leichter im Alter.
Nicht nur im Kasseler Becken nicht. Nicht ? Oder.
Aha, noch einer. Je länger ich auf dieser Rheinseite wohne, desto mehr Ähnlichkeiten stelle ich mit den Eingeborenen fest. Inzwischen bin ich auch immerzu am prakesieren.
Klingt gar nicht schlecht. Weder nach Augsburgern noch nach Berlinern. Aber gar nicht schlecht.