Ein Rindvieh im Jahr des Tigers
Veröffentlicht: September 20, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom | Tags: Bulle, kalb, Kuh, Ochse, Rind, Stier Ein KommentarWir befinden uns im Jahr des Tigers, chinesisch gezählt. Kulinarisch hingegen war das letzte deutlich spannender (wenn Ihr, werte Leser, jedoch der schmackhaften Zubereitung von Wildkatzen kundig seid, freu ich mich auf lesenswerte wie diskutable Kommentare) – denn die Menschen im Reich der Mitte widmeten es ungefähr dem Ochsen. Oder dem Rind? Dem Bullen gar? Ist das am Ende alles dasselbe?
Was unsere asiatischen Freunde genau meinen, hat der taz-Korrespondent Christian Y. Schmidt in seiner Kolumne hinreichend erläutert. Wie gefährlich jedoch auffällig ausgestelltes kulinarisches Halbwissen ist, wurde letzthin bei einer um einen feisten Ochsenbraten versammelten Tischrunde deutlich. Dies hier seien ja nun Teile eines um seine Männlichkeit gebrachten Rindes, sprach mich süffisant Freund W. an. Wo aber genau liege der Unterschied zwischen einem Stier und einem Bullen? Das „Werter Gastrosoph“ hätte er sich selbstredend sparen können. Ich nahm einen großen Bissen, um Zeit zu gewinnen. Essen kann auch Taktik sein.
Stierfleisch kenne ich nicht. Noch auf keiner Karte, in keinem Kochbuch gelesen. Jungbullen sind mir des öfteren schon durch den Gaumen gegangen. Doch ich schwieg. Und las zu Hause bei Frank Massholder nach. Beides männliche Rinder also. Klein sind sie Kalb. Dann Bulle/Stier (kastriert Ochse) oder Färse. Wenn letztere einmal kalbt (s.o.), ist sie Kuh. Systematisch gehören Rinder (bovini) zur Unterfamilie bovinae, welche wiederum den bovidae (Hornträgern) zugeordnet werden. Capisce?
Natürlich habe ich jetzt einen Ohrwurm: Lassie Singers – Hamburg
Doofe Kuh!
Pilze, Zwiebelkuchen – und eine letzte Sommersehnsucht
Veröffentlicht: September 17, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Kulinarik | Tags: AI Phoenix, Dülken, Grillagetorte, Herbst, La Tavola, Steinpilze, Weingut Brüder Dr. Becker, Zwiebelkuchen Hinterlasse einen KommentarLandleben im Herbst. Daran führt nun kein Weg mehr vorbei. So stelle ich mich dem Verlust der warmen Jahreszeit, nicht umsonst ist nun eine Phase des Übergangs, des Abschiednehmens. Drei Strategien des Umgangs damit:
Hingabe. Samt emotionaler Verstärkung. Aber weit entfernt von Lamoryanz. Ich höre:
Ai Phoenix – A countrylife in the autumn
Sublimierung. Kulinarische Überhöhung. Mittels kalorienbetonter oder aromatenschwangerer Leibspeisen Ablenkung kreieren. Ich radel nach Dülken, zu Sergio ins La Tavola, esse Steinpilze. Und backe Zwiebelkuchen. Mit Apfel.
Reminiszenz. Was im Wortsinne Erinnerung bedeutet. Und inzwischen doch mehr meint: Ein Loblied. Ich singe es auf den Nachmittag im Julei, da wir im Schatten saßen, mit süßem Wein und Eiskuchen. Darum: Rettet die Grillagetorte! (Verbunden mit der Hoffnung, dass Heinz Lamers diese wichtige Initiative wieder mit Leben füllt.)
Rezept: Zwiebelkuchen mit Apfel…
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ausgestrahlt
Veröffentlicht: September 14, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom Hinterlasse einen KommentarFleischerei Absurdistan
Veröffentlicht: September 8, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom | Tags: Fleischerei, Fleischfachverkäuferin, Steppenvieh 2 KommentareKein Schwein in der Theke. Dafür allerlei Steppenvieh. Wer braucht denn solcherlei?
Roter roter Wein; kulinarischer Sprachterror
Veröffentlicht: August 23, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Musik, Wein | Tags: Frühburgunder, Red wine, Rudolf Fauth, Spätburgunder, Tony Tribe, UB40, Udenheim Hinterlasse einen KommentarEin Song, ursprünglich vom unsäglichen Neil Diamond geschrieben und zur Gitarre gesungen, der unendlich oft interpretiert wurde, um dann schließlich in den 80ern durch die UB40-Performance auf dem Free-Mandela-Festival in London für immer in mein popkulturelles Langzeitgedächtnis gebrannt zu werden: Red red wine. Knarziger, handfester, sperriger und dennoch mit mehr Tiefgang ist dagegen die Version des Jamaikaners Tony Tribe aus dem Jahre 1969. Quasi der Frühburgunder unter den Coverversionen.
Komme darauf, weil ich gestern einen 2007 Frühburgunder Spätlese trocken vom Udenheimer Winzer Rudolf Fauth getrunken habe, drei Sterne und Barrique ohne Ende, angenehm inspirierender Duft direkt nach dem Entkorken – dann jedoch akute Brustschwäche im Mund. Schade, hatte mir viel erhofft von diesem weithin unbekannten Rheinhessen, doch eventuell war ich einfach nur zu früh. Habe eine weitere Flasche in den Keller gelegt und werde in 2-3 Jahren nochmals nachschmecken.
Dennoch war ich beschwingt, der Musik sei Dank. Möchte diese Stimmung nutzen, um eine kleine Serie zu beginnen. Meine werten Leser teilhaben lassen an Fundstücken sprachbarbarischer Art. Gerade im kulinarischen Bereich tummeln sich allerhand Menschen mit dem Drang, ihre pseudotiefschürfenden Erkenntnisse und küchenphilosophischen Glücksbotschaften auf unsäglich unterirdische Art und Weise zu verschriftlichen. Weinbeschreibungen bilden da nur die Spitze des Wortterrors. Erstes Beispiel gefällig?
„Dezente Töne von Unterholz. Am Gaumen fast fleischig. Ein Wein, den man essen möchte.“
Armer Spätburgunder aus Baden, dem hier derart ungehobelt der poetische Garaus gemacht wurde. Das tönende Gehölz, tollwütiger Fuchs trifft auf rohen Gaumen. Der dichte Dichter mit Schluckbeschwerden.
Fortsetzung folgt.
Musik-Theater mit Mini-Rosamunde
Veröffentlicht: August 19, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Musik, Wein | Tags: Anthony Robert Hammond, Botanica, Dortmund, Krefeld, m walking on the water, Mini-Rosamunde, Oestrich-Winkel, Wallfisch Hinterlasse einen KommentarEs gibt nichts schlimmeres als Musical – die Fortsetzung von Operette mit noch fieseren Mitteln. Doch Musik im Theater muss nicht automatisch Folter sein. Dies will das Schauspiel Dortmund am 26. September beweisen (und wird es auch) – wenn es nämlich seinen neuen musikalischen Leiter auf die Bühne stellt. Der Paul darf seine Band aus Manhattan mitbringen und sich seine Freunde Mike und Markus-Maria aus Krefeld einladen. Um an einem Abend dieses ganze seltsame Kulturhauptstadt-Ding in den Schatten zu stellen, avangardistisch an die Wand zu spielen. Meine Damen und Herren, es treten auf Paul Wallfisch und Botanica sowie M. walking on the water.
Botanica vs. the truth fish war meine Lieblingsplatte im Jahr 2005. Auch live funktioniert die Band als energiegeladener Zwitter zwischen osteuropäischer Hochzeitskapelle und rotweinabhängigen Neopunks. Immerhin dies haben sie mit den Herren vom Niederrhein gemeinsam: M. walking feierten im letzen Jahr ein vielbeachtetes Live-Comeback und haben für den Herbst gar ein neues Album angedroht. Short-Distance-Psycho-Folk revisited, um es mal kryptisch auszudrücken. Zu einer Feier auf dem Friedhof wird es allemal reichen. Oder einer heiligen Nacht mit Rosemarie.
Dazu mache ich eine Flasche von Anthony Robert Hammond aus Oestrich-Winkel im Rheingau auf, eine 2009er Mini-Rosamunde. Rock’n’Roll-Wein, Spätburgunder-Rose, etwas plüschig im Geschmack, optisch einzigartig.






