Cà bung mit Guro von Germeten
Veröffentlicht: September 1, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Musik, Weltweit | Tags: AI Phoenix, Bunzel, Guro von Germeten, Linie-Aquavit, Oslo, tofu, unphew, Vietnam Hinterlasse einen KommentarHeute freue ich mich auf Cà bung – Auberginensuppe mit Tofu. Mein Dank gilt jetzt schon Bunzel und Ihrem tollen Blog. Das Stöbern darin lässt stets meine Vietnam-Erinnerungen in Nase und am Gaumen kräuterfrisch zurückkehren. Übrigens: Noch in diesem Monat geht der 2008 entstandene Food-Reiseblog „UNPHEW in Südostasien“ als Archivversion wieder online.
Neben Vietnam ist Norwegen noch so ein Lieblingsland. Eher nicht kulinarisch, vielmehr emotional musikalisch. Seit zehn Jahren nunmehr gilt „Quiet Is the New Loud„. Und beinahe ebenso lang sind die ebenfalls aus Bergen stammenden AI Phoenix Lieblingsband. Doch jetzt kommt da eine offensichtlich klassisch Gesangs-Geschulte und Akkordeon spielende Polkaqueen aus Oslo daher und mixt Trübsal-Blasen mit Bohème, Stil mit großen Gefühlen. Guro von Germeten spielt die Musik dieses Tages und ich trinke zimmerwarmen Linie-Aquavit dazu.
Erdmöbel, Krokus, Inselwein
Veröffentlicht: August 29, 2010 Abgelegt unter: Musik | Tags: Burt Bacharach, Erdmöbel, Inselwein, Köln, Krokus Hinterlasse einen Kommentar„Altes Gasthaus Love“ ist mein bisheriges Lieblingsalbum von Erdmöbel. Eine weitere Folge der Serie „Kulinarik mit Musik“ ist dieser Beitrag also. Oder eigentlich nur ein kurzer Hinweis. Denn die Wahlkölner veröffentlichen am 17. September ihr neues Album Krokus, auf welches ich hier gerne und die Band selber mit einem Clip hinweist.
Noch einmal Burt Bacharach – „Nah bei Dir“ ist eine idealtypische Neuinterpretation von Erdmöbel und passt perfekt zu Inselwein.
Roter roter Wein; kulinarischer Sprachterror
Veröffentlicht: August 23, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Musik, Wein | Tags: Frühburgunder, Red wine, Rudolf Fauth, Spätburgunder, Tony Tribe, UB40, Udenheim Hinterlasse einen KommentarEin Song, ursprünglich vom unsäglichen Neil Diamond geschrieben und zur Gitarre gesungen, der unendlich oft interpretiert wurde, um dann schließlich in den 80ern durch die UB40-Performance auf dem Free-Mandela-Festival in London für immer in mein popkulturelles Langzeitgedächtnis gebrannt zu werden: Red red wine. Knarziger, handfester, sperriger und dennoch mit mehr Tiefgang ist dagegen die Version des Jamaikaners Tony Tribe aus dem Jahre 1969. Quasi der Frühburgunder unter den Coverversionen.
Komme darauf, weil ich gestern einen 2007 Frühburgunder Spätlese trocken vom Udenheimer Winzer Rudolf Fauth getrunken habe, drei Sterne und Barrique ohne Ende, angenehm inspirierender Duft direkt nach dem Entkorken – dann jedoch akute Brustschwäche im Mund. Schade, hatte mir viel erhofft von diesem weithin unbekannten Rheinhessen, doch eventuell war ich einfach nur zu früh. Habe eine weitere Flasche in den Keller gelegt und werde in 2-3 Jahren nochmals nachschmecken.
Dennoch war ich beschwingt, der Musik sei Dank. Möchte diese Stimmung nutzen, um eine kleine Serie zu beginnen. Meine werten Leser teilhaben lassen an Fundstücken sprachbarbarischer Art. Gerade im kulinarischen Bereich tummeln sich allerhand Menschen mit dem Drang, ihre pseudotiefschürfenden Erkenntnisse und küchenphilosophischen Glücksbotschaften auf unsäglich unterirdische Art und Weise zu verschriftlichen. Weinbeschreibungen bilden da nur die Spitze des Wortterrors. Erstes Beispiel gefällig?
„Dezente Töne von Unterholz. Am Gaumen fast fleischig. Ein Wein, den man essen möchte.“
Armer Spätburgunder aus Baden, dem hier derart ungehobelt der poetische Garaus gemacht wurde. Das tönende Gehölz, tollwütiger Fuchs trifft auf rohen Gaumen. Der dichte Dichter mit Schluckbeschwerden.
Fortsetzung folgt.
Musik-Theater mit Mini-Rosamunde
Veröffentlicht: August 19, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Musik, Wein | Tags: Anthony Robert Hammond, Botanica, Dortmund, Krefeld, m walking on the water, Mini-Rosamunde, Oestrich-Winkel, Wallfisch Hinterlasse einen KommentarEs gibt nichts schlimmeres als Musical – die Fortsetzung von Operette mit noch fieseren Mitteln. Doch Musik im Theater muss nicht automatisch Folter sein. Dies will das Schauspiel Dortmund am 26. September beweisen (und wird es auch) – wenn es nämlich seinen neuen musikalischen Leiter auf die Bühne stellt. Der Paul darf seine Band aus Manhattan mitbringen und sich seine Freunde Mike und Markus-Maria aus Krefeld einladen. Um an einem Abend dieses ganze seltsame Kulturhauptstadt-Ding in den Schatten zu stellen, avangardistisch an die Wand zu spielen. Meine Damen und Herren, es treten auf Paul Wallfisch und Botanica sowie M. walking on the water.
Botanica vs. the truth fish war meine Lieblingsplatte im Jahr 2005. Auch live funktioniert die Band als energiegeladener Zwitter zwischen osteuropäischer Hochzeitskapelle und rotweinabhängigen Neopunks. Immerhin dies haben sie mit den Herren vom Niederrhein gemeinsam: M. walking feierten im letzen Jahr ein vielbeachtetes Live-Comeback und haben für den Herbst gar ein neues Album angedroht. Short-Distance-Psycho-Folk revisited, um es mal kryptisch auszudrücken. Zu einer Feier auf dem Friedhof wird es allemal reichen. Oder einer heiligen Nacht mit Rosemarie.
Dazu mache ich eine Flasche von Anthony Robert Hammond aus Oestrich-Winkel im Rheingau auf, eine 2009er Mini-Rosamunde. Rock’n’Roll-Wein, Spätburgunder-Rose, etwas plüschig im Geschmack, optisch einzigartig.
Bacharach, Bastian
Veröffentlicht: August 18, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Musik, Wein | Tags: Alde Fritz, Bacharach, Bastian, Grüner Baum, Heyles'en Werth, Insel-Riesling, Orion, Posten, Riesling, Toni Jost, Wein, Wildschweinsülze Hinterlasse einen KommentarFangen wir mit der Musik an: Einer der letzten großen Songs, die der Mann mit dem übergroßen Easy-Listening-Stempel – Burt Bacharach – geschrieben hat, war „Walking Tall„, hier in einer superben Art und Weise interpretiert vom überaus liebenswerten Lyle Lovett.
Wer jedoch an Bacharach am Rhein denkt, hat klischeebehaftet in der Regel eher solch Absurdes wie James Last im Ohr. Zu tief sitzt die Ahnung von der Kegelclubhölle, die sich mit Mittelrhein-Romantik assoziiert. Natürlich nicht ganz unberechtigt sind solcherlei Reflexe; wer den Ort an einem verregneten Montag im August besucht, findet nichts als marodierende Rentnerbanden in den kopfsteinigen Gassen. Und doch hat hier – neben dem Top-Winzer Toni Jost und seinem Ausschank in der Oberstraße, seit über 500 Jahren ein Gebäude seinen Platz, dass alle Moden überdauert hat und dessen Besitzer, die Familie Bastian, einer über 300 jahre alten Weingut-Tradition verpflichtet sind.
Der Erbhof „Zum grünen Baum“ ist eine aus der Zeit gefallene Weinstube. Gastronomische Orte, an denen ich mich traue, Schweinssülze zu essen, existieren nicht viele. Wenn sie dann noch vom Wildschwein kommt und begleitet wird von einem Glas vom Alde Fritz – also einem Riesling, der sich anfühlt wie der Biss in einen fast reifen Boskop-Apfel, säuerlich frisch und lebendig und leicht – weiß ich, wie Wohlbefinden sich anfühlt.
Perfektes Handwerk, ohne Schnickschnack. So schmecken fast alle Weine hier, seit Jahren. Orion und Posten, beides trockene Spätlesen, sind naturgemäß nicht ganz so scharf geschliffen wie der Fritz, gefälliger, voluminöser.
Lieblingswein jedoch ist ohne Frage das „Alleinstellungsmerkmal“ des Hauses: der Insel-Riesling. Zitat aus dem Hausprospekt: „Auf der im Rheinstrom liegenden Insel Heyles’en Werth, die sich seit 1797 im Besitz der Bastians befindet, gedeiht auf sandigem Löss ein nicht alltäglicher Riesling.“ Wohl wahr. Auch wenn ich ansonsten beim Riesling eher ein Fan „salziger Mineralität“ (lustiger Modebegriff der Weinwortverdreher) bin, wie Schiefer-, Kalk- und Quarzit-Böden es versprechen, gefällt mir diese feinherbe Löss-Variante außerordentlich. Ein eleganter Wein für Regentage, wie alle anderen getrunkenen aus dem Jahre 2008.
www.weingut-bastian-bacharach.de
Guacamole mit Musik
Veröffentlicht: August 12, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Musik | Tags: Avocado, Bloggen, Calexico, Guacamole, Howe Gelb, Mariachi, Seliger Hinterlasse einen KommentarManche Menschen bloggen, andere wiederum gehen in den Wald, lautstark. Dann gibt es da noch einen, der auf ziemlich einzigartige Weise seine wunde Seele offenbart: Berthold Seliger, ebenso umtriebiger wie aufrechter Chef der gleichnamigen Konzertagentur in Berlin, arbeitet sich im monatlichen Newsletter – neben der Promotion seiner Künstler naturgemäß – an der Welt ab. Ich lese das jetzt seit Jahren, bisweilen staunend, irritiert, immer jedoch mit der Gewissheit zurückbleibend, dass Lesen doch bildet.
Heute mache ich Guacamole und backe Brot dazu. Warum? Weil ich dem Newsletter-Hinweis auf eine Seite folgte, wo das Seliger-Zugpferd Calexico ein komplettes Konzert (Nürnberg 2009) als Stream und als kostenlosen Download offeriert. Nun bin ich kein Jünger der Americana-Religion, schon gar nicht des bei den Herren Convertino und Burns oft vorherrschenden Tex-Mex-Weichzeichners. Da ist mir Howe Gelb immer noch lieber. Doch natürlich sind Calexico eine der wenigen aus dem Lager der Guten, die es geschafft haben, wirtschaftlichen Erfolg nicht Authentizität konterkarrieren zu lassen. Und live stets eine Bank.
Also zwei vollreife Avocados gekauft, mit einer Schalotte und wenigen Knoblauzehen (letztere beide feinstgeschnitten) mit Hilfe einer Gabel vermengen. Saft und Abrieb einer halben Limette, Salz, Cayenne-Pfeffer und nach Laune Koriandergrün oder Minze unterrühren. Mit ein bis zwei Esslöffeln Vollmilch-Joghurt (shut up, Geschmackspolizei!) wird die Konsistenz geschmeidig und lässt das Ganze als Brotaufstrich besser haften.
Und die Mariachi-Trompeten und das Pferdegetrappel und der Wüstensound können kommen.










