Hunger
Veröffentlicht: August 7, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Kulinarik, Musik | Tags: Bernadette la Hengst, Hamburg, Hunger, Konspirative KüchenKonzerte, Soulfood, Station 17 Hinterlasse einen KommentarDas Internet kann sinnvoll sein, glücklich machen, Euphorie-Bremsen lösen. Aber satt machen?
Zum Glück gibt es seit etwas länger als einem Jahr Abhilfe aus Hamburg: Konspirative Küchenkonzerte. Einmal monatlich im Regional-TV und zu jeder Zeit im Netz macht Marco Antonio Reyes Loredo Kunst im ganzheitlichsten Sinne. Kocht und bildet und unterhält sich und lässt unterhalten. Durch lustige Musikanten, die in der Kantine in Wilhelmsburg auftreten, wie z.B. Begemann, Stereo Total, schon wieder Station 17, Nils Koppruch und die weltbeste Bernadette la Hengst.
Habe ich jetzt weniger Hunger? Ich schrieb schon mal an andrer Stelle über die Bedeutung von Soulfood im Wortsinne. Wenn ich Frau la Hengst Hunger performen sehe und höre, habe ich den eigentlichen Nahrungszufuhrzwang glatt vergessen.
Salbeileber mit Paprikareis
Veröffentlicht: August 4, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Musik | Tags: Basilikum, LaBrassBanda, Leber, Paprika, Paprikareis, Reis, Salbei, Salbeileber 2 KommentareDazu passt: LaBrassBanda – znaxt.
Balkanesisches floss in meinen kulinarischen Hirnlappen, dieweil ich heute morgen über den Markt ging und beim Metzger Richard Hoff verweilte. Seine Frau bediente eine 89jährige Mitbürgerin, die eine Saure-Bohnen-Suppe plante. Unter Einbeziehung aller Umstehenden. Schlussendlich hatte sie Markknochen, eine Speckschwarte, geräucherten Speck, ein Schweineschwänzchen und Bratwurstbrät im Korb. Wäre gerne ihr Gast gewesen, mittags. Ich erstand Kalbsleber und Blutwurst.
Himmel un Ääd gibt es morgen, ich hatte noch zwei rote Paprikaschoten im Haus und den Garten voller Kräuter. Also kochte ich ordinären Langkornreis in Gemüsebrühe bissfest. Währenddessen befreite ich mittels eines Sparschälers die Schoten von ihrer Haut, entkernte sie und schnitt salmiakpastillengroße Stücke. Eine Schalotte und eine Knoblauchzehe fanden mit Hilfe von etwas Olivenöl und milder Hitze den Weg in ein besseres Leben. Paprika dazu, nach einer Minute Salz, Pfeffer, Chili und den Reis. Einen Löffel Ketchup vom Wochenende. Ein Schuss Spätburgunder von Arndt F. Werner und ein Haufen grob geschnittener Basilikum. Es gibt Reis, Baby.
Nun gibt es ja Puristen, die niemals Basilikum und Salbei auf einem Teller ein Stelldichein feiern lassen. Ich gehöre nicht dazu. So wurde die leider etwas unregelmäßig geschnittene Leber in einem Butter-Olivenöl-Gemisch von jeder Seite zwei Minuten recht kräftig gebraten, nach dem Wenden kamen reichlich Salbei und ein Spritzer vom guten Balsamico ins Spiel. Zusammen schmeckte das dann erdig und süßlich und durchdringend aromatisch. Von der Textur mal ganz zu schweigen…
BootBooHook oder Nicht schon wieder Hannover
Veröffentlicht: August 2, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Musik Hinterlasse einen KommentarDie weltbekannteste Stadt, in der noch niemand war. Bielefeld 2. So sexy wie die von der Leyen. Oder der Wulff. Jan Delay hat die City mit einem Halbsatz schon vor Jahren erledigt – hannoveranischer Rock’n’Roll. Ohrmuschelgänsehaut. Und nun dies: Reiselustig und musikbesessen habe ich ein Ticket gekauft. An die Leine. Zum BootBooHook.
Offensichtlich haben die lustigen Leute von Tapete-Records nun schon zum dritten Male daselbst ein Festival organsiert, zusammen mit dem Kulturzentrum Faust. Alles immer noch nicht erheblich, ich erwähne es nur, weil lauter Lieblingsbands spielen. Z.B. The Wedding Present The Notwist Superpunk Urlaub in Polen Bernd Begemann Die Sterne Hot Chip und: Station 17.
„Ohne Regen kein Regenbogen“ ist die aktuelle Single der Durchgeknallten aus Hamburch, mit fetten Broten. Zu hören im Audioplayer auf der Station-eigenen Zwischennetzseite. Dort sind momentan auch zwei Tracks im Medikamentendownload, für umme. Hin und weg.
9 Uhr abends
Veröffentlicht: Juli 12, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Musik, Weltweit | Tags: Borovicka, Goral, Irena Brezná, Orkestar Slivovica, Slivka, Slowakei, The Tequila Mockingbird Orchestra, Vodka Hinterlasse einen KommentarUnbaendige Lebensfreude ist ein listig Ding, geht sie doch oft einher mit planerischer Unstetigkeit. Wer jedoch satt werden will, abends in der Slowakei, der achte gut auf den Chronometer. Zumindest in laendlichen Gebieten schliessen die Gasthaeuser ihre Kuechen zuverlaessig um 21 Uhr. Nur die schon abfaellig erwaehnten, einheimischen Pizzabaecker bieten da hin und wieder zweifelhafte Abhilfe.
Bier ist ebenfalls nahrhaft, gut, es fliesst auch zu spaeterer Stunde reichlich. Genauso wie die hiesigen haerteren Getraenke. Goral Vodka (ob Goralisch nun einzig eine Regionalsprache entlang der polnisch-slowakischen Grenze ist oder tatsaechlich Goralen eine Ethnie sind, bedarf noch einer weitergehenden Recherche), Borovička, Spiš original slivka (dazu faellt mir just ein durchgeknallter Musiktipp ein).
Zum Schluss noch ein Lesetipp fuer Reisende im „Neuen Europa“:
Irena Brezná
Die Sammlerin der Seelen
Unterwegs in meinem Europa
Ach ja, wo ich doch eben die Verbindung zwischen Hardstuff-Drinking und Tanzbeinschwingen hergestellt habe, kann ich mir einen Verweis auf das „The Tequila Mockingbird Orchestra“ nicht verkneifen. Here you go.
Eier mit Speck
Veröffentlicht: Juli 1, 2010 Abgelegt unter: Musik, Niederrhein | Tags: Beatlesons, Eier mit Speck, Freaky Fukin Weirdoz, The Pineapple Thief, Viersen Hinterlasse einen KommentarIch schriebe doch über Popkultur und lecker Essen, komme aus Viersen – warum sich denn auf meinem Blog noch kein Wort über Eier mit Speck finde? Fragte ein Bekannter kürzlich. Ein entfernter Bekannter zugegebenermaßen. Sonst hätte er gewusst, dass die einzige Maßgabe für meine Veröffentlichungen hier ist: Es muss mir Spaß machen! Nie wieder redaktioneller Zwang, keine ökonomische Schere im Kopf.
Hätte er dies gewusst, wunderte er sich nicht über die bisherige Absenz des gar nicht mal so unbedeutenden Musikfestivals in meiner Heimatstadt. Es bietet schlicht kaum musikalische Qualität. Zudem bekomme ich beim Titel schon leichte Magenkrämpfe und einen imginären Nachgeschmack von warmem, abgestandenem Dosenbier. Nun habe ich mir dennoch die Mühe gemacht, das Lineup durchforstet, und sage und schreibe drei erwähnenswerte Bands (bei immerhin 25 insgesamt) gefunden, deren Erwähnung mir hier ein paar Worte wert ist. Allesamt treten am mittleren Festivaltag, Samstag, 24.07., auf.
Ersteinmal die Düsseldorfer folkigen Polkapunker von den Beatlesons. Perfekte Partyband das, Tanzbein animierend und mit der glamourösen Attitüde, als wären Whiskeytrinker auf Koks. Dann eine Combo aus München, die mir bestimmt schon 15 Jahre nicht mehr in die Ohren gekommen sind. Die Freaky Fukin Weirdoz sind die „Urväter des bunten Metal-Rap-Funk-Dub-Mixes“ (SZ), der um 1990 herum als „Crossover“ bekannt wurde. Klingt schlimmer, als es war. Und schließlich als kontemporäre Dreingabe noch die Progrocker von The Pineapple Thief. Deren kürzlich veröffentlichtes Album Someone here is missing gehört für mich zu den bisher besten des Jahres.
Kulinarisch gesehen reicht das jedoch höchstens für ein gelungenes Amuse-Bouche, während der Rest des Menues doch arg Conveniance-lastig ist und an Großküchen-Artistik erinnert.
Wie oft musst Du vor die Wand laufen, bis der Himmel sich auftut?
Veröffentlicht: Juni 25, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Musik, Niederrhein | Tags: Bergbohnenkraut, Blumfeld, Brahms, Butter, Duisburg, Flowerpornoes, Gelbe Bohnen, Kartoffel, m walking on the water, Mahler, Niederrhein, Ruhrgebiet, Tom Liwa, Wachsbohnen Ein Kommentar2007 war kein gutes Jahr. Darin übrigens 2009 ganz ähnlich. Tatsächlich zuviel Wand, ganz selten Himmel. Eine musikalische Überraschung jedoch, etwas gänzlich unerwartetes Großes widerfuhr mir und allen, die in den 80/90ern ihr Herz an deutschsprachige Indie-Musik verloren hatten. Die Flowerpornoes waren wieder da, nach über 10 Jahren Funkstille, mit einem großartigen Album, das ums erwähnte Laufen und Auftun sich drehte. Rock’n’Roll für vegane Ex-Hippies mit ausgeprägtem Vaterkomplex. Oder eben Typen wie mich, die sich nie entscheiden können zwischen Brahms und Blumfeld, Mahler oder m.walking on the water. Übrigens: Alle hier erwähnten haben großartige Kinderlieder im Œuvre.
Und ganz besonders Tom Liwa aus Duisburg, Ruhrgebiet und Niederrhein. Der liebenswürdigste Kauz des hiesigen Popbusiness. Auch ohne die Flowerpornoes im besten Wortsinne ein großer Lieder-Macher. Wie ich überhaupt darauf komme, wirre Gedanken zu seltsamen musikalischen Topoi abzusondern? Bin mal wieder auf Toms Internet-Präsenz gelandet und habe erfreut festgestellt, dass er weiterhin die gute antikapitalistische Tradition des hintergedankenlosen Verschenkens aufrecht erhält. Drei Songs – darunter eben auch eine Kinderliedadaption – sind’s momentan. Anhören! Und wenn er mal in Eurer Nähe auftritt: Hingehen!
Übrigens: Als vor ein paar Jahren für manche musikschaffende Nachgewachsene aus New York (wie CocoRosie oder Animal Collective) die Schublade „Freakfolk“ erfunden wurde, dachte ich sofort, was wohl der Tom darüber denkt. Muss ich ihn mal fragen.
Und: Wenn ich mit Tom Liwa eine Farbe verbinde, dann gelb. Was mich wiederum zu einem Gang auf den Markt animiert (Okay, ich wäre sowieso gegangen.). Nachschauen, ob es endlich die ersten gelben Bohnen (Wachsbohnen) gibt. Jedes Jahr um diese Zeit die gleiche Vorfreude auf eine gleichermaßen einfache wie delikate Sache: Mit wenig gesalzenem Wasser dampfgaren. Dann in Butter und einigen Spitzen Bergbohnenkraut aus dem Garten schwenken. Mit einer neuen Kartoffel zusammen der perfekte mittägliche Imbiss.
Fickt das System
Veröffentlicht: Juni 23, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Musik | Tags: C/O POP, Hamburg, Köln, Stadtgarten, Sterne, System, Tanzbein Hinterlasse einen KommentarHeute morgen mit diesem lieblichen Lied im Ohr die Augen aufgeschlagen und gedacht: Werde ich auf die alten Tage wieder politisch? Doch ich wollte nur: Tanzen! Funktionierte 1992 extrem gut, lachend Tanzen ist vielleicht die gesundheitsförderndste Art der Kulturaneignung. War schon damals nicht sarkastisch gemeint, was der Frank Spilker samt Sternen sang. Warum rockt das heute – oder auch nur annähernd gutes, ähnliches Neues – nicht die Tanzflächen der Republik?
Justament beginnt in Köln die C/O POP, immer erfolgreichere Popkommunisten-Nachfolgerin. In deren Rahmen spielen die Himmelskörper aus Hamburg am Sonntag im Statdtgarten. Hingehen, Tanzbein schwingen, mitsingen:
„Nur kein Pathos, ratlos, harmlos, keinen Pathos.
Tote werfen keine Schatten, keine Parolen, keine Blöden wie die:
Fickt das System!“

