Haus Toerschen, Brombeeren
Veröffentlicht: September 4, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: Brombeeren, Dilkrath, Filet, Haus Toerschen, Rumpsteak, Schwalmtal Hinterlasse einen KommentarGestern mit dem Rad nach Dilkrath, zum Essen verabredet in einer der letzten tatsächlichen Bauernkneipen am Niederrhein. Die übliche sichere Bank, wenn der Wirt wahrscheinlich noch die Namen der Rinder kennt, die er verwurstet oder aber anbietet als:
Rumpsteak. Mit Bratkartoffeln und reichlich Salat. Drei mal bestellt – und der entschuldigende Einwand der Bedienung (die hernach auch selber kochte und also wohl die Chefin war): Leider habe sie momentan nur Filet. Aber das schmecke als Steak ja auch ganz passabel. Stille Begeisterung. Also: Radler, kommst Du ins Schwalmtal, halte am Haus Toerschen. Denn sie wissen nicht, was sie tun. Und obsiegen dennoch.
Übrigens auf dem Weg an einem riesigen Brombeergestrüpp vorbeigekommen, das ich dann heute plünderte. Was daraus wird, berichte ich morgen
Rheinisches Sandwich mit Mutter
Veröffentlicht: September 3, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: Gouda, Halve Hahn, Mutter, Niederrheinische Kaffeetafel, Rheinisches Sandwich, Rosinenbrot, Schwarzbrot 5 KommentareNeben dem bekannten Kölner 50%-Sandwich – dem Halve Hahn – existiert hier am Niederrhein (und selbstredend in den angrenzenden Provinzen) eine vortreffliche Variante des belegten Brot-Doppeldeckers:
Selbstgebackenes Rosinenbrot, Butter, Gouda, Schwarzbrot. Kein allfälliger Snack, sondern fester Bestandteil der Niederrheinischen Kaffeetafel. Traditionell steht die Verbindung von Süßem mit Herzhaftem oder Saurig-Schönem im Zentrum hiesiger Küchenkreativität. Dies lässt sich schon durch den Kochbuchklassiker“Neue Kölner Köchinn“ aus dem Jahre 1840 belegen, den die Sächsische Landesbibliothek dankenswerterweise digitalisiert und online zugänglich gemacht hat.
Dazu höre ich – zunehmend begeistert – das neue Mutter-Album „Trinken Singen Schießen“. Denn merke: Die Jungen hassen die Alten. Bis die Jungen die Alten sind. Immerda und in Ewigkeit.
Fallobst und Flöns
Veröffentlicht: August 9, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: Äpfel, Blutwurst, Fallobst, Fink, Flöns, Himmel un Ääd, Kartoffelpüree, Kompott 4 KommentareNach den unzählig-überflüssigen Regentagen liegt der Garten voller Äpfel. Zwar nicht völlig ausgereift, aber durchaus aromatisch. Mit etwas zuviel Säure noch, also Kompott. („Shuffle und Kompott“ von der letzten Fink-Platte „Haiku Ambulanz“ passt dazu selbstredend.) Kartoffeln und Zwiebeln liegen im Keller, Blutwurst noch in des Fleischers Auslage.
Zwei Töpfe, zwei Pfannen. Kartoffeln und Äpfel schälen, mit wenig Salz und etwas mehr Zucker und jeweils Wasser garen und zu Pürree (unter Beigabe von Milch, Muskat und Butter) und Kompott (mit nichts weiter) verarbeiten. Zwiebeln karamellig braten. Die Blutwurst halbieren, mehlieren (muss leider sein) fast kross werden lassen.
Anrichten.
Eigentlich ein Blitzrezept, um mal bei den meteorologisch-religiösen Metaphern zu bleiben. Sündhaft heftig. Genießen und später etwas Sport. Vielleicht.
Steaks, Bier und Zigaretten…
Veröffentlicht: Juli 28, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: Angus, Berger, Bier, Burgunderbraten, Dornbusch, Meerettich, Ochsenbrust, Rumpsteak, Steaks, Viersen, Zigaretten Hinterlasse einen Kommentar… lautet der Titel eines uralten Songs vom Achim Reichel. Eigentlich nicht weiter erwähnenswert, nicht besonders gut, das Musikstück. Aber die Stimme des Hamburgers (der im Übrigen vor Jahren schon den ultimativen Ölkatastrophen-Soundtrack veröffentlicht hat) habe ich immer wieder dann im Ohr, wenn ich ein gutes Stück Rumpsteak vom einem hoffentlich glücklich gestorbenen Rind in den Mund bekomme.
Letzteres liegt zumindest im Bereich des Möglichen, gut gelebt hat das Angus, von dessen Roastbeef (Rumpsteaks werden in der Regel ja vom Ende dieses Tierteils geschnitten) ich einige Bisse kostete letzten Sonntag, erwiesenermaßen. Und auch die Küche des Hauses Berger in Viersen-Dornbusch erwies wieder einmal, dass sie zuverlässig gut mit Fleisch allerbester Qualität umgehen kann. Die feine Marmorierung samt samtiger Fetteinschlüsse kam klassisch-ländlich auf den Teller: scharf angebraten, kurz knapp vor medium gegart, Ruhezeit gegönnt, mit wenigen Aromaten bedacht – und leicht karamelligen Röstzwiebeln auf dem Teller arrangiert. Die Bratkartoffeln dazu waren auch frisch und perfekt und doch eigentlich überfüssig. Der bunte Gartensalat bildete einen ausreichenden Kontrapunkt.
Da wir zu viert am Tisch saßen, gab es auch noch Folgendes: Gesottenes von der Ochsenbrust mit Meerettisch-Lauch-Sauce, einen Burgunderbraten mit frischen Pfifferlingen (beides natürlich von den hauseigenen Angus-Rindern), verschiedene Suppen. Letztere waren so, wie ein familiäres Sonntag-Mittagessen es verlangt. Oldstyle, but perfect! Zum Beispiel die Rinderkraftbrühe mit Flädle war schon fast eine Essenz der Brühe. Umso verwunderlicher, dass bei einem solchen Ausgangsmaterial die Saucen samt und sonders drastisch abfielen.
Bier gab es dazu, weil es warm war und Durst die Gemüter drückte. Zigaretten nicht – tagsüber nie.
Eier mit Speck
Veröffentlicht: Juli 1, 2010 Abgelegt unter: Musik, Niederrhein | Tags: Beatlesons, Eier mit Speck, Freaky Fukin Weirdoz, The Pineapple Thief, Viersen Hinterlasse einen KommentarIch schriebe doch über Popkultur und lecker Essen, komme aus Viersen – warum sich denn auf meinem Blog noch kein Wort über Eier mit Speck finde? Fragte ein Bekannter kürzlich. Ein entfernter Bekannter zugegebenermaßen. Sonst hätte er gewusst, dass die einzige Maßgabe für meine Veröffentlichungen hier ist: Es muss mir Spaß machen! Nie wieder redaktioneller Zwang, keine ökonomische Schere im Kopf.
Hätte er dies gewusst, wunderte er sich nicht über die bisherige Absenz des gar nicht mal so unbedeutenden Musikfestivals in meiner Heimatstadt. Es bietet schlicht kaum musikalische Qualität. Zudem bekomme ich beim Titel schon leichte Magenkrämpfe und einen imginären Nachgeschmack von warmem, abgestandenem Dosenbier. Nun habe ich mir dennoch die Mühe gemacht, das Lineup durchforstet, und sage und schreibe drei erwähnenswerte Bands (bei immerhin 25 insgesamt) gefunden, deren Erwähnung mir hier ein paar Worte wert ist. Allesamt treten am mittleren Festivaltag, Samstag, 24.07., auf.
Ersteinmal die Düsseldorfer folkigen Polkapunker von den Beatlesons. Perfekte Partyband das, Tanzbein animierend und mit der glamourösen Attitüde, als wären Whiskeytrinker auf Koks. Dann eine Combo aus München, die mir bestimmt schon 15 Jahre nicht mehr in die Ohren gekommen sind. Die Freaky Fukin Weirdoz sind die „Urväter des bunten Metal-Rap-Funk-Dub-Mixes“ (SZ), der um 1990 herum als „Crossover“ bekannt wurde. Klingt schlimmer, als es war. Und schließlich als kontemporäre Dreingabe noch die Progrocker von The Pineapple Thief. Deren kürzlich veröffentlichtes Album Someone here is missing gehört für mich zu den bisher besten des Jahres.
Kulinarisch gesehen reicht das jedoch höchstens für ein gelungenes Amuse-Bouche, während der Rest des Menues doch arg Conveniance-lastig ist und an Großküchen-Artistik erinnert.
Dicke Bohnen
Veröffentlicht: Juni 28, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: Ackerbohne, Bohnen, Dicke Bohnen, Fava, Fladenbrot, Ful, Kreuzkümmel, Olivenöl, Speck, Tahin Hinterlasse einen KommentarFul ist einer der interessantesten Klassiker der an spannenden vegetarischen Gerichten wahrlich nicht armen arabischen Küche. Besonders in Nordafrika gehört das auch Foul Medammes genannte Gericht zum Standardrepertoir eines jeden oder jeder Kochkundigen. Getrocknete und dann über Nacht eingeweichte Favabohnen werden weich gekocht, gesalzen und teilweise püriert, mit Knoblauch und Kreuzkümmel aromatisiert, mit Olivenöl, Petersilie und Zitrone veredelt und schließlich mittels dünnem Fladenbrot als Besteckersatz verzehrt. Variationsmöglichkeiten durch den Einsatz von Koriandergrün oder Tahin, das zusätzliche Reichen von hartgekochten Eiern oder sauer eingelegtem Gemüse, sind quasi unbegrenzt – und wie bei kulinarischen Standards üblich, hat jede Küche ihr eigenes Geheimnis. Gesund und genussreich sind sie immer.
Nun sind Fava nichts anderes als das, was auch in hiesigen rheinischen Böden als Dicke Bohnen (oder Sau-, Puff-, Ackerbohne) angebaut und momentan auf Märkten und in Bauernläden feilgeboten wird. Wie auch auf die schon erwähnten gelben Bohnen freuten sich rheinische und westfälische Familien seit Generationen sommers auf die Ernte der Dicken Bohnen, die Gerüchten zufolge zusammen mit dem Speck am Busch wuchsen.
Wie ich darauf komme? Momentan befasse ich mich mit der Vorbereitung meiner ersten Genussveranstaltung (ich werde zu gegebener Zeit darüber berichten), die Vegetarisches mit Wein verbinden wird. Als Küchengruß schweben mir da Dips und Pasten vor, die aus diversen Landesküchen bekannt sind, aber zu dem Anlass mit hiesigen Zutaten zubereitet werden. Die dicken Bohnen werden sicherlich eine Rolle spielen.
Wie oft musst Du vor die Wand laufen, bis der Himmel sich auftut?
Veröffentlicht: Juni 25, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Musik, Niederrhein | Tags: Bergbohnenkraut, Blumfeld, Brahms, Butter, Duisburg, Flowerpornoes, Gelbe Bohnen, Kartoffel, m walking on the water, Mahler, Niederrhein, Ruhrgebiet, Tom Liwa, Wachsbohnen Ein Kommentar2007 war kein gutes Jahr. Darin übrigens 2009 ganz ähnlich. Tatsächlich zuviel Wand, ganz selten Himmel. Eine musikalische Überraschung jedoch, etwas gänzlich unerwartetes Großes widerfuhr mir und allen, die in den 80/90ern ihr Herz an deutschsprachige Indie-Musik verloren hatten. Die Flowerpornoes waren wieder da, nach über 10 Jahren Funkstille, mit einem großartigen Album, das ums erwähnte Laufen und Auftun sich drehte. Rock’n’Roll für vegane Ex-Hippies mit ausgeprägtem Vaterkomplex. Oder eben Typen wie mich, die sich nie entscheiden können zwischen Brahms und Blumfeld, Mahler oder m.walking on the water. Übrigens: Alle hier erwähnten haben großartige Kinderlieder im Œuvre.
Und ganz besonders Tom Liwa aus Duisburg, Ruhrgebiet und Niederrhein. Der liebenswürdigste Kauz des hiesigen Popbusiness. Auch ohne die Flowerpornoes im besten Wortsinne ein großer Lieder-Macher. Wie ich überhaupt darauf komme, wirre Gedanken zu seltsamen musikalischen Topoi abzusondern? Bin mal wieder auf Toms Internet-Präsenz gelandet und habe erfreut festgestellt, dass er weiterhin die gute antikapitalistische Tradition des hintergedankenlosen Verschenkens aufrecht erhält. Drei Songs – darunter eben auch eine Kinderliedadaption – sind’s momentan. Anhören! Und wenn er mal in Eurer Nähe auftritt: Hingehen!
Übrigens: Als vor ein paar Jahren für manche musikschaffende Nachgewachsene aus New York (wie CocoRosie oder Animal Collective) die Schublade „Freakfolk“ erfunden wurde, dachte ich sofort, was wohl der Tom darüber denkt. Muss ich ihn mal fragen.
Und: Wenn ich mit Tom Liwa eine Farbe verbinde, dann gelb. Was mich wiederum zu einem Gang auf den Markt animiert (Okay, ich wäre sowieso gegangen.). Nachschauen, ob es endlich die ersten gelben Bohnen (Wachsbohnen) gibt. Jedes Jahr um diese Zeit die gleiche Vorfreude auf eine gleichermaßen einfache wie delikate Sache: Mit wenig gesalzenem Wasser dampfgaren. Dann in Butter und einigen Spitzen Bergbohnenkraut aus dem Garten schwenken. Mit einer neuen Kartoffel zusammen der perfekte mittägliche Imbiss.






