Aprikosenallerlei
Veröffentlicht: Juli 27, 2011 Abgelegt unter: Kulinarik, Musik, Niederrhein, Wein | Tags: apricot rail, aprikosen, aprikosenkuchen, la part desangle, pineau des charentes, st. töniser obsthof 3 KommentareKann man Obst hören? Wie tanze ich zu süßen Sachen? Und überhaupt: Ist Musik zum Essen nicht wie Malen nach Zahlen? Reichlich konstruiert? Nun, alle mit Ohren hören sich jetzt bitte diesen Song der australischen Hobbyhippies von Apricot Rail an und stimmen mir umgehend zu. Dieses Glockenspielinferno, ein herrlicher Sommerflow der Instrumentalpopper aus Perth, dringt in jedes noch so verhärtete Herz. Und hinterlässt einen Nachgeschmack, evoziert Aprikosen. Bestimmt.
Damit dies ein herrlicher Vierfachpost wird, der in die Kategorien Musik, Kulinarik, Wein und Niederrhein passt, komme ich ohne große Umschweife zum Mundgefühl. Schlimmes Wort, ich weiß, inflationär ausgespien von Menschen, die auch von Texturen reden und schreiben. Besonders amüsant war meine erste Begegnung mit einem hiesigen Gastrokritikaster, der sich der englischen Variante bediente und selbstredend nicht in der Lage war, speichelarm ein „th“ auszusprechen. Mausfeeling, tut mir leid, ich schreib das jetzt hin – und lache wie ich es auch einstmals tat. Herr D. aus M. mag mich nicht seitdem.
Ach ja: Ich buk Aprikosenblechkuchen, aus einem Sahneteig, mit Eier-Mandelguss und regionalen Früchten. Schmeckt herrlich, besonders ohne die empfohlenen Amarettini und den Likör. Kauen und Schlucken wandelt sich dann in selbstvergessenes Schmatzen, so herrlich saftig-weich ist der Genuss. Die Wasseraktivität im Mund ist hoch, um es doch noch professionell verkostend auszudrücken.
Dass es am Niederrhein nicht nur gelbe Möhren oder Zuckerrüben gibt, sondern seit kurzem auch ertragreiche Aprikosenplantagen, erradelte ich zufällig und lud mir gleich ein paar Kilo in die Satteltaschen. Der Hofladen des St.Töniser Obsthofs ist übrigens einer der exquisitesten, bestsortierten und am liebvollsten gestalteten im Landkreis. Ich habe auch einige Gläser Marmelade gekocht, die mir häufig als Aromalieferant für persische Experimente oder zur Füllung einer Stripkestaat dient.
Abschließend zum passenden Getränk, dem mir bisher völlig unbekannten Pineau des Charentes aus der Gegend um Cognac. Im eigentlichen Sinne handelt es sich gar nicht um einen Wein, sondern um eine Mischung aus Brand und unfermentiertem Traubenmost. In der Herkunftsregion, der Charente, wird er wohl meist als Aperitif genossen, ich halte ihn jedoch für einen nahezu perfekten Dessertwein. Besonders wenn es zum Nachtisch irgendetwas mit Aprikosen gibt. Denn der Dunkelgoldene von „La part Desangle“ beginnt mit einer Nase von gerösteten Mandeln und Rosenwasser, wird zu Obst im Mund und folgerichtig Marzipan im Abgang. So schließt sich der Kreis.
Silvanersonntag und Etikettenevolution oder Das dicke Ende kommt zum Schluss
Veröffentlicht: Juli 6, 2011 Abgelegt unter: Wein | Tags: Frühburgunder, Guntersblum, Hardtberg, jugenheim, Kreuzberg, rheinterassenhof, Riesling, siefersheim, silvaner, tesch, Udenheim, Ulrich Damerow, Unplugged, vdp, wagner-stempel, Wolfgang Janß 3 KommentareUdenheim ist ein perfekter Standort für das Basislager meiner Rheinhessenexpeditionen. Gelegen in einem Talkessel, der sich nach Osten zum Selztal hin öffnet und auf drei Seiten umgeben ist von pittoresken Weinbergen, deren bekannteste Lage gen Norden der Udenheimer Sonnenberg ist. Noch nie gehört? Nicht weiter verwunderlich, kaum ein Winzer hat es aus diesem Weiler je zu Weltruhm gebracht, ist das Ziel ihrer Hände Arbeit doch größtenteils stromlinienförmiges Massenprodukt. Idyllisch ist es dennoch – und von Ingelheim über Jugenheim und Saulheim bis nach Nierstein und Guntersblum liegen viele wichtige Weindestinationen in Fahrradfahrdistanz.

Disteldorniger Udenheimer Sonnenberg
Nach samstäglichen Rieslingeskapaden samt glücklich gestorbenem Federvieh war für den Tag des Herrn eine weitere Folge meiner niemals endenden Aktion „Auf der Suche nach dem perfekten Silvaner“ geplant. Die Rheinhessen deklarieren die Sorte ja gerne mal als quasi-autochthon für sich, erstmals an- und ausgebaut wurde der wohl aus dem östlichen römischen Reich stammende Wein hierzulande vor mehr als 350 Jahren in Franken. Allerdings befindet sich zwischen Mainz, Bingen und Worms die größte Rebfläche, auf ca. 2500 Hektar wird die Silvanerrebe gepflegt. In der gesamten Republik hat der Silvaner übrigens einen Anteil von 5 % an der Gesamtrebfläche (Rebflächenstatistik 2010).
Am vorgeblich oberen Ende der Qualitätsskala fing ich an, nach einem Frühstück ohne Kaffee und dem Zähneputzen so gut wie ohne Pasta. Der VDP hatte geladen und alle Jaguarfahrer der Landeshauptstadt waren in die Rheingoldhalle gekommen. Obwohl ich extra früh losgeradelt war, hingen schon reichlich Parfum- und Aftershaveschwaden in der ansonsten alkoholigen Luft im Foyer mit Rheinblick. Obwohl kein Verkostungsprofi, wollte ich die Sache ernst nehmen und trank mich zügig und mit Elan spuckend durch die angebotenen circa zehn Silvaner, immer auf der Flucht vor dem Nobelpöbel. Einige Enttäuschungen waren dabei, vor allem die gefühlten Stars boten wenig Bestechendes. Jedoch gab es auch einen Sieger meines Privatwettbewerbs: Den 2010er Siefersheimer von Wagner-Stempel. Sortentypisch grasige, klare und frische Noten mit einer dichten Tiefe kombiniert wie bei keinem anderen Wein. Wohl waren die Trauben extrem lange, bis in den Oktober hinein, an den Reben. Trotz Stückfasseinsatz und reichlich Alkoholgehalt – eigentlich mag ich’s eher jung und leicht und knackig – eine überzeugende Kredenz (wie übrigens die gesamte Kollektion).

VDP-Verkostung in Mainz
Was sonst noch bemerkenswert war unter den 2010ern aus Rheinhessen/Ahr/Nahe und den älteren Großen Gewächsen? Ich beschränkte mich darauf herauszufinden, welche Einstiegs-Rieslinge meinen Geschmack träfen – einfach gut in dieser Kategorie wieder einmal der Unplugged von Tesch. Zum Abschluss gönnte ich mir noch eine Runde Frühburgunder und blieb beim Weingut Kreuzberg von der Ahr hängen. Deren 2008er Hardtberg GG ist eine Wucht, Klassenbester mit großem Abstand.
Nach nachmittäglicher Erholungsphase stand für den Abend der lange schon geplante Besuch bei Wolfgang Janß auf der Rheinterasse in Guntersblum auf dem Kontrastrogramm. Bodenständige Weinbauernidylle mit Straußwirtschaft und Panoramablick. Da der Chef wie sehr oft auf einem norddeutschen Weinfest missionierte, setzte ich mich mit seinem Betriebsleiter Ulrich Damerow an den flaschenbefüllten Tisch. Den Geisenheimer hatte ich auf dem Vinocamp kennen und schätzen gelernt. Die Ergebnisse beider Arbeit waren nun im Glas – Silvaner von 2007 bis heute. Der aktuelle Jahrgang gefiel mir dabei deutlich am besten, der Frische wegen, der Prägnanz, des Rests an Säure. Und, ja, nicht zuletzt auch ob des re-designten Etiketts. Einfach gut.
Finale: Des Adepten Geisenheimprojekt, Dornfeldersekt, rose und brut. Die dicke grüne Pulle wurde in einer fröhlich wachsenden Tischgemeinschaft schnell zur Neige gebracht. Perfekte Sommerabendunterhaltung. Ein Tropfen wie die abschließende Heimfahrt in den prallen Sonnenuntergang: Blendend!

Forscher, Frauen und Franzosen: Vinocamp-Abschluss
Veröffentlicht: Juni 19, 2011 Abgelegt unter: Wein | Tags: #vcd11, Bordeaux, geisenheim, VinExpo, vinocamp 5 Kommentare
Damit eines klar ist: So großartig das erste deutsche Vinocamp (Twitter: #vcd11) auch war, im nächsten Jahr fahre ich nach Bordeaux. Auch wenn ich dazu mein kleines, feines, aber hochpersönliches, multithematisches Internettagebuch zum Weinblogger-Leitmedium umwidmen muss. Als Gewinner der Vinocamp-Verlosung berichtet nämlich aktuell der Kollege originalverkorkt von der VinExpo aus Frankreich, der Sponsor CIVB macht’s möglich. Wie im Übrigen auch Dank aller anderen Sponsoren durch deren großzügigstes Engagement das erste deutsche Wein-Barcamp erst zu einer fantastischen Veranstaltung werden konnte.

Der Campus-Manager erläutert das Campus-Management
Heute morgen erschienen erstaunlich viele Camper erstaunlich pünktlich wieder auf dem Campus. Wer feiern kann, kann auch Wein verkosten. Und drüber reden sowieso. Neben einer Beinahe-Liveschalte ins erwähnte Bordelais wurden Sessions angeboten zum Beispiel zu Themen wie Recht und Internet, Tannine und Frauen im WeinWeb. Letztere war besonders spannend, wir kümmerten uns mit drei Jungs um die Quote und sind sicher, dass die Diskussion fruchtbar fortgeführt wird.
Ein sauerstoffschockender Spaziergang über den Campus der Forschungsanstalt Geisenheim und quer durch alle Fachbereiche der Weinhochschule war mein persönliches Highlight. Noch nie was vom FACE-System gehört? Auch ich erfuhr erst vom Campus-Manager und Vinocamper Robert Lönarz vom free air carbon dioxide enrichment. Vieles andere übrigens auch: Absolut empfehlenswert eine solche Führung.
Zwischendurch wurde wieder getrunken oder verkostet. Und nach und nach kamen sich auch die letzten Socialising-Muffel reichlich nahe. Um schließlich wieder nach Hause zu fahren, in die digitale Emigration. Bis zum nächsten Jahr. (Diesem vierten Vinocamp-Beitrag folgt noch ein Fazit, bald.)
Winebank, Sessions, Rieslingdominanz
Veröffentlicht: Juni 19, 2011 Abgelegt unter: Wein | Tags: #vcd11, hattenheim, ress, rheingau, Riesling, vdp, vinocamp, winebank 3 KommentareSnobbismus 2.0. Auch das ist zu beobachten beim Vinocamp 2011 – und zwar auf der abendlichen Party in Hattenheim. Die Winebank ist ein genialer Ort zum Feiern, stylish ausgebauter, weit verwinkelter Gewölbekeller unterm Weingut Balthasar Ress. Ein Betrieb, bei dem schon lange nicht mehr der Wein allein im Fokus steht, mit allen Auswirkungen, die solcherlei Tun mit sich bringt. Eventlastig, szeneaffin, schlagzeilenträchtig. Pioniergeist auf Sylt, das Weinsortiment heißt Portfolio, und schließlich Schließfächer für Porschefahrer. Wo Menschen, die schon alles haben, ihre edlen Tropfen auf die Winebank tragen können.

Vinocamp@Winebank
Was auch immer ich von dieser Geschäftsidee halte: Edel ist das Ambiente, schlüssig das Design, hochemotional das Setting. Die Vinocamper (Twitter: #vcd11) an diesem Ort: Das fühlte sich jedoch ein wenig so an, als wäre das CBGB’s in der Met reinkarniert. Dass die kredenzten Weine vom jungen VDP solide waren, jedoch nicht brilliant, und die Musik medioker, brachte keine Unwucht in diesen großartigen Abend. Denn die vielen kleinen Widersprüche, die Melange von rau und glatt, die mulipel konträren Sinneseindrücke fügten sich dann doch zum Ganzen.

Cordula Eich macht Werbung: Für ihr Buch und für Discounter-Weine
So war auch das samstägliche Restprogramm des Barcamps verlaufen. An weiteren spannenden, lehrreichen und teilweise sich im Vagen verlierenden Sessions partizipierte ich. Ob die Bedeutung von Discountern für Weinhandel und Käufer, die Auswertung von Social-Media-Kampagnen im WeinWeb (ein spannendes Forschungsprojekt der FH Geisenheim) oder das große Come-Together zum Thema Blogs und Medienrecht.

Ein Versuch zur Medienanalyse
Höhepunkt des Tages war jedoch das so genannte Social Tasting. Jeder der 110 Teilnehmer hatte zwei Weine mitgebracht, die dann höchst kommunikativ und dynamisch zusammen verkostet wurden. Wie so vieles in diesen Tagen im Rheingau war auch dies sehr Riesling-lastig. Was wenig überrascht, wenn man den Veranstaltungsort bedenkt; aber auch die gesamte Tendenz der deutschen Wein-Aktivitäten im Netz.

Nicht nur Arthurs Tochter probiert mit Hingabe
Vinocamp 2011: Auftakt deluxe
Veröffentlicht: Juni 18, 2011 Abgelegt unter: Wein | Tags: #vcd11, geisenheim, rheingau, Riesling, session, vinocamp 2 KommentareWeinWeb goes real world. Ausgerechnet im Rheingau, dem Hort überkommener Strukturen, etabliertester Betriebe, traditioneller Gediegenheit. Das Image, die Marke (um mal den Titel aufzugreifen der Session, in der ich gerade sitze) hat folgenden Kern: Qualität, Hochpreisigkeit, Weltwirkung, Riesling, Zielgruppe 50+.
Wir sind also auf dem campusgeisenheim und arbeiten am ersten deutschen Vinocamp (Twitter: #vcd11) . Dynamik und digitale Innovation zelebriert von Praktikern, Multiplikatoren, Idealisten. Initiativ war der ganze Haufen ein Feiervolk, gestern abend in der Sektkellerei Bardong.

Die Vinocamp-Organisatoren Thomas Lippert und Dirk Würtz, zusammen mit Sommelier Hendrik Thoma (v.r.n.l.)
Eine Afterworkparty als Kennenlern- und Hello-again-Marktplatz. Facebook ist das Leitmedium der digitalen Weingesellschaft. Ich habe vielen Winzern, Händlern und Netzaktivisten nun das erste Mal gegenübergestanden, Hände geschüttelt, erkennend gelacht und zögernd gezweifelt. Gute Gespräche geführt. Und tollen Geisenheimer Sekt getrunken im herrlichen Bardong-Park. Auch der Regen war nicht Wasser im Wein sondern eher Taufe dieses neugeborenen Babys.
Am frühen Morgen dann eigentlicher Anfang der Veranstaltung: Akkreditierung, Begrüßung, Vorstellungsrunde. Alle 110 Teilnehmer stellten dem Podium ihre Namen und Webidentitäten vor samt drei Tags, die sie charakterisieren. Das war spannend, witzig, erhellend. Ab 11 ging es in die Sessions, deren so viele spontan angeboten wurden, dass drei Räume über Stunden parallel bespielt werden können. Was der Medienagent beispielsweise gerade zum Thema Branding präsentiert, führt in eine lebhaft-kontroverse Diskussion. „Deutsche Etiketten sind hässlich“ ist die These. Allerlei Einwürfe zu den Themen Branding, Imagebildung, Markenführung und Produktdefinition beleben das Plenum. Bisweilen fehlt Struktur, Theoriefundament, aber die Divergenz der Ansichten franst nicht am Rande aus, lose Fäden bleiben zwar, lassen sich aber mit etwas gutem Willen verknüpfen.

Arbeit am Sessionboard
„Juristische und theoretische Grundlagen der Messwein-Problematik“ war übrigens meine erste Session überschrieben. Eine Orchideenveranstaltung, spannend, theorielastig. Warum die katholische Kirche ihren leitenden Angestellten meist hochqualitative Tropfen gönnt? „Jesus ist kein Gesöff“ war die Essenz kirchlicher Feldforschung. Bei der sozialen Weinprobe, die ab 16.00 Uhr stattfinden wird und zu der jeder Vinocamper zwei Weine der Wahl beigesteuert hat, bin ich auf den Messwein besonders gespannt. Hier ein exklusiver Blick durch’s Schlüsselloch.

Vorschau auf die Weine des Social Tastings
Werte Weindiebe, ehrbare Einbrecher, restliches Räubergesindel,
Veröffentlicht: Juni 17, 2011 Abgelegt unter: Wein | Tags: geisenheim, hattenheim, vinocamp 3 Kommentareab dem heutigen Abend bietet sich eine einzigartige Gelegenheit. Man liest ja immer häufiger davon, dass Web 2.0 und Social Media Euch zu Recherchezwecken dienen. Da postet Papa auf seine Facebookwall, dass er samt Luxusweib und verzogenen Blagen für die folgenden Wochen seine viel zu kleine Villa mit Rheinblick in – sagen wir mal – Kaiserswerth gegen die schnuckelige Masseria in Süditalien tauscht und wundert sich bei der Rückkehr, dass unerwartete Gäste sich Zugang verschafft und reichlich Unordnung gestiftet haben im Düsseldorfer Westen. Der Golffreund und Leiter des zuständigen Dezernats der Kriminalpolizei spricht schlicht von Dummheit.
Wenn Ihr, Hallodris und Halunkenpack, nun vinophil und webaffin seid und am Wochenende noch nichts vorhabt, bietet sich ein wahrer Kairos, eine einzigartige Gelegenheit, ähnlich selten wie die Blutmond genannte Mondfinsternis dieser Tage. Wir sind nämlich alle weg – und zwar hier:
Wenn Ihr also ein wenig im Weinweb stöbert, habt Ihr schnell eine hübsche Liste von 106 Leuten mit potentiell gut gefüllten Weinklimaschränken zusammen. Tage der offenen Keller, sozusagen. Wir sind alle zu finden auf Blogs wie diesem, in führenden Microbloggingsystemen und sozialen Netzwerken. Dank grunddeutscher Impressumspflicht und anderweitig gelagerter Zeigefreudigkeit dürfte der Rest kein Problem für Profis wie Euch sein. Was mich persönlich angeht – ein wenig Platz in den Regalen käme mir sogar sehr entgegen, werde ich Sonntag abends sicherlich nicht mit leerem Kofferraum zurückkehren. Vielleicht könntet Ihr im Gegenzug bitte kurz die Tomaten gießen und nachschauen, ob ich auch wirklich den Herd ausgeschaltet habe?
Ach ja, ich sprach vom Kairos, vom Momentum, den es so kein zweites Mal geben wird. Warum, wird das Vinocamp in Geisenheim eine Eintagsfliege? Keineswegs. Aber ich zumindest werde zukünftig gut gesichert sein gegen Avancen Euresgleichen. Denn ich bin mir sicher, dass meine edlen Tropfen bald ausgelagert werden, nach Hattenheim, in die Winebank. Wenn ich denn Fach 145 gewinne. Bestimmt.
PS
Wer am kommenden Wochenende in fremden Kellern oder sonstwo erfahren möchte, was so passiert auf einem Barcamp zum Thema Wein, wird hier bestens bedient werden. Mein kleines Internettagebuch wird dann zum Eventblog!
Sauerampfer, Spargel, Zander und Grosser Durst
Veröffentlicht: Juni 14, 2011 Abgelegt unter: Kulinarik, Wein | Tags: andreas durst, großer Durst, rauke, Riesling, Sauerampfer, Spargel, Zander 9 KommentareDer erste und letzte Sauerampfer vom eigenen Acker, der allerletzte Spargel, mal wieder Zander und endlich Grosser Durst. Dies wäre die Headline, extended. Beim Schreiben dieser Worte verwirren Lustsplitter die Sinne, derart tief hat sich die gestrige Küchenimprovisation ins sensorische Kurzzeitgedächtnis gebrannt. What you see is what you get:

Zitruszander auf Spargelragout mit Sauerampfernocke
Im Ragout von Spargelscheiben bringt Rahm die Bindung und Riesling die Brücke zur zweiten Komponente: Dem Sauerampfer. Mit einem kompletten Kahlschlag kam ich den Blattläusen und anderem Getier zuvor, was zur Folge hatte, dass das reichlich Vorhandene dreierlei Verwendung in einem Gericht finden musste. Feingehacktes wurde mit dem Spargel geschmort – Muskat und Meersalz waren hierbei die einzig zulässigen Gewürze – und einige Streifen für den sauren Biss geschnitten. Aromatischer Höhepunkt war aber die buttrige Paste, der zwecks Farbvertiefung und geschmacklicher Lustverzögerung die gleiche Menge Rauke beigemengt war.

Grosser Durst 2009
Jedoch entsprang dies weniger einem spontanen Geniestreich, als vielmehr der Umkehrung des Prinzips „Wein zum Essen“. Das kam so: Im Rahmen digitalkulinarischer Feldforschung stolperte ich vor längerer Zeit schon unweigerlich über Andreas Durst. Der kam auf dem zweiten Bildungsweg zum Weinmachen und ist sozial gut vernetzt. Branding und PR sind bestechend klar und simpel und erfolgreich. So ist auch sein Riesling. Den hatte ich Tags zuvor zum vorletzten Spargel in klassischer Zubereitung, dieser Liaison ist jedoch keine große Zukunft beschieden.
Grosser Durst 2009 folgt dem Trend, getreu dem alten Werbermotto „weniger ist mehr“. Weder Obstgarten noch Blumenwiese; keine Wuchtbrumme. Aber auch kein Wein, der modisch korrekt mit „salzig“ treffend zu beschreiben wäre. Sehr reduziert – und doch wächst er mit jedem Schluck. Robust und leicht zugleich, die beiden Elemente Erde und Luft in gefälliger Verbindung.
Worte über Wein verlieren. Ein schwieriges Geschäft. Häufig führt dies zu einer Melange aus sensorischem Malen nach Zahlen und intellektueller Selbstbefriedigung. „Vor lauter unscharfen Adjektiven, Detail-Verweisen auf Produktionsverfahren und Insider-Geräuschen schmeckt man so wenig, dass aller Genuss einschließlich seiner klassischen Folgen und Strafen (wie Rausch oder Kater) längst ausgeschlossen ist.“ Doch Herr Durst warnt schon auf dem Etikett: Handle with care! Also konstatiere ich nur dies, was ich mit Gaumenerfahrung belegen kann: Der Durst ist kein reiner Spargelwein. Da kann das genauso königliche wie latent fade Gemüse nur verlieren. Doch in der Kombination mit Sauerampfer, Sahne und Fisch findet der Riesling einen kongenialen Counterpart. Und als Solitär funkelt er sowieso im Glas. Man muss nicht immer essen – trinken allein macht auch glücklich.
Nachtrag: Die passende Musik dazu machen die Glockenspiel-Popisten Cults mit Most Wanted:

