Kartoffelsuppe mit Würzer

Der Zufall führte einen sommerlichen Saufwein und eine robuste Resteverwertung auf meinem Esstisch zusammen. Dass es einen rundum passenden Begleiter der gemeinen Kartoffelsuppe gäbe – darüber hatte ich mir bisher keine Gedanken gemacht. Bis ein junger, rheinhessicher Würzer eines ebensolchen Winzers dieser Tage in meine Hände geriet und beides sich zusammenfügte, dass es eine rechte Freude war. Aber der Reihe nach.

Wolfgang Janss in Xanten

Wolfgang Janss in Xanten

Wolfgang Janss vom Rheinterassenhof in Guntersblum – das ich bisher nur seiner Keller wegen kannte und natürlich durch Besuche bei Johann Schnell – ging mir irgendwann in’s soziale Netz, er bloggt unter mysilvaner.net. Nach Facebook-Freundschaft und Nichterkennen beim Mann mit Hut bot sich am letzten Wochenende die Gelegenheit des realen Händeschüttelns. Er missionierte drei Tage im wenig weinaffinen, wunderschön-antiken Xanten – und ich schwang mich sonntags in den Sattel, überwand 50 Kilometer und kehrte mit Sonnenbrand und der ersten Flasche 2010er Würzer, die bisher unters Trinkervolk geriet, heim. Genauso barbarisch, wie unsere Gegend vor der Beglückung durch die Römer war, fühlte ich mich, denn aus dieser Rebsorte gewonnene Flüssigkeiten hatte ich überhaupt noch nicht im Glas.

Da in mir aber schon der Probeschluck am Stand – genauso übrigens wie der neue Silvaner –  Neugier weckte, legte ich die noch mit einem Blankoetikett versehene Bouteille kühl und wartete auf die passende Gelegenheit. Es spielte mir meine andere Feierabendbeschäftigung – die vogelwilde Gärtnerei samt Ackerexperiment – in die nunmehr rauen Hände. Ich hatte noch mehlige Biokartoffeln (Aula) vom letzten Jahr zum Keimen und Pflanzen im Keller (kein Mensch braucht explizite Pflanzkartoffeln), allerdings war in den letzten Wochen der tapfere Landmann mit mir durchgegangen und es war kein Platz mehr auf der Scholle. So dass die bisher kaum gesprossenen Erdäpfel eine gute Grundlage bildeten für eine sämige Suppe.

Dazu ein Teil Zwiebeln  kleinschneiden und im großen Topf mit Butter glasig dünsten. Fünf Teile gewürfelte Kartoffeln hinzu und mit Gemüsebrühe doppelt bedecken. Weichkochen. Im letzten Drittel der Garzeit würzen mit Meersalz (viel), schwarzem Pfeffer, wenig Majoran. Zwei Möhren in Scheiben schneiden und auch in Butter dünsten, mit einem Löffel Honig karamelisieren und wenig Wasser angießen. Einen Zweig Thymian dazu. In einem dritten Topf eine Tasse Milch erhitzen. Vor der Vereinigung dieser drei Komponenten die Kartoffeln nach Gusto stampfen. Dann alles verrühren und dicke Bockwürste (alternativ: Blutwursttaler) von Bauten einlegen und ohne Hitze ziehen lassen.

Kartoffelsuppe mit Wurst (Foto: phew)

Kartoffelsuppe mit Wurst (Foto: phew)

Düsseldorfer Senf gibt dem Ganzen Schmackes.  Der Wein auch. Das Klischee dazu wäre: Würziger Sommerwein mit Muskatnote. Übrigens die letzte Rebsorte jenseits des Klassiker-Kreises, die Wolfgang Janss noch an- und ausbaut. Er mag diese florale Wuchtbrumme, die entweder betört oder abstößt, und erträgt manch Spott von Kollegen stoisch. Ich fand auch schnell einen Zugang zu dem Tropfen. Malt er doch hübsche Blüten an das erdige Essen. Feine, leichte Speisen würden im Sturm von oberflächlicher Vehemenz umkommen. Doch ist der Würzer klar und rein dazu, fast ohne Nachhall, aber anschmiegsam an die Thymian- und Majoranaromen des Essens.


Paprika allüberall – nur nicht im Ruwertal

Nein, es wird noch einige Zeit keine Beweisbilder meiner gärtnerischen Stümperei geben. Zu unbedarft ist mein Tun, der Acker gleicht momentan eher einer Mondlandschaft. Inzwischen sind zwar Kartoffeln gesetzt, Zwiebeln gesteckt, gelbe Möhren gesät. Nur das Pflanzen (bis auf zwei Versuchstomaten) vermied ich noch. Bis heute dann einige Paprikasetzlinge in die Erde kamen. Nicht nur mein aktiver Sprachschatz hat sich in den letzten Wochen erheblich erweitert, meine Körperwahrnehmung ist eine andere geworden und die Zeit für kreative Produktivität tendiert gegen null.

Schreiben und Kochen war gestern, Gärtnern ist der neue Lifestylesport. Und doch gab es heute etwas zum Abendbrot: Gefüllte Paprika. Das lässt sich prima in den Ofen schieben – und dann ist wieder Zeit für…

Gefüllte Paprika

Gefüllte Paprika

Getrunken habe ich dazu eine Art Paprikasaft. Einen Negroamaro von Cantele aus Apulien. Eine gewisse Ahnung von Harmonie war vorhanden, doch dass es dann so perfekt passte, war wunderlich. Wundersam. Wundervoll.

Wundervollen Wein entdeckte ich auch am letzten Wochenende im wilden Ruwertal. Erst radelnd und die Waldracher Krone erklimmend Durst angeschwitzt – diesen dann mit erfrischenden Rieslingen ausgiebig gestillt. Mein Favorit im Glas: 09er Spätlese feinherb aus dem Kaseler Nies’chen. Ein Schluck mit Schmackes, etwas rau und wild, Säurespiel versus Honigaromatik. Ach ja: Ausgebaut von der Kaseler Winzergenossenschaft. Bei Anruf: Genuss!

WG Kasel: Rieslingfeuerwerk

WG Kasel: Rieslingfeuerwerk


Pfälzer Wein, sozialer Sonnenschein und alte Hüte

Im Pop-Pleistozän, damals, zu Beginn der 80er, als die Wucht von Punk bereits verblasste und Stil wieder wichtig wurde, sang eine kanadische Combo “we can act like we come from out of this world – leave the real one far behind”. Safety Dance hieß der Song, der ein Welthit wurde und die Kapelle Men without hats. New Wave war eine Epoche, die besonders in Deutschland bisweilen dadaistische Blüten trieb.

30 Jahre später verstopft mir der Track als Ohrwurm die Synapsen, sitze ich doch an einem heißen Frühlingssonntag auf einem kahlen Weinberg in der Rheinpfalz und sehe einen jungen Kerl aufgeregt vor mir herumhüpfen. Er hantiert mit Würsten, Vinyl und Wein. Die reale Welt ist in Form einer Zusammenrottung von Facebookjüngern über ihn hineingebrochen. Er nennt sich Mann mit Hut und noch bin ich mir nicht sicher, was er wirklich ist. Provinzpapa, Winzerstar, Marketinggeschöpf. Was ich weiß: Lukas Krauß ist 23 und hat mir in der letzten Stunde schon drei verschiedene Weiße ins Glas gegossen. Einer besser als der andere!

Vor ein paar Monaten las ich im Netz über den Jungen aus Lambsheim, der gleich mit seinem ersten Jahrgang die Fachwelt überzeugte und das Publikum derart begeisterte, dass er alsbald auf dem Trockenen lag. So schnell verkaufte sich sein Suchtmittel – bis er jetzt Teile des neuen Jahrgangs präsentieren kann. Es wird nicht lange dauern, dann ist er wieder ausverkauft. Die Menge 2010er ist überschaubar – und das Ergebnis grandios. In diesem Segment habe ich mir in den letzten Monaten beispielsweise keinen besseren, knackigeren Silvaner durch die Kehle rinnen lassen. Und ich habe einige entkorkt, als Teil meiner rheinhessischen Feldforschung.

Weinhappening auf Pfälzer Höhen

Weinhappening auf Pfälzer Höhen

Dutzende Jung-Connaisseure schlürfen sich samt Sonnenbrand in Freudentaumel – sie alle haben sich in Lukas’ sozialen Netzen verfangen. Er hat online geladen und wir alle strömen den Hügel hinan. Leicht hippiesk ist diese Improvinophilie, inzwischen dröhnen Zappa, Marley und die Scherben vom Plattenteller, Kinder (davon zweimal Winzernachwuchs) wetteifern schreiend mit den kläffenden Hunden um die akustische Hoheit. Dazu passt perfekt ein Schoppenwein: „chapeau krauß“ ist eine reichlich bunte, wahre Floraleskapade, lockerleichte und sonnenfrohe Weißweincuvée. Die Idealbesetzung für Säuremuffel und andere Blumkenkinder. (Obwohl die Analyse sogar einen Säuregehalt von 8,2 g/L ausweist, wie mir Lukas gerade mailt.)

Weinbauer in Aktion

Weinbauer in Aktion

Der zuvor gehegte, leise Verdacht, bei Herrn Krauß handele es sich schlicht um ein Consulting-Projekt oder die Kreatur einer Geisenheimer Bachelorarbeit im IWW-Rahmen, hat sich inzwischen genauso verflüchtigt wie die vom Lambsheimer Weinbauern angelegten Weinvorräte. Wir trinken zum Abschied „krauße schwarzer“, einen formidablen roten Verschnitt – und müssten eigentlich stilecht in die glutrote Abendsonne reiten, den Hut tief in’s Gesicht gezogen. Wir verlassen uns jedoch auf deutlich mehr Pferdestärken und einen durchschnittlich nüchternen Fahrer – nicht ohne den Kofferraum vollzuladen mit allerlei Preziosen und der Gewisskeit einer Wiederkehr.

Im Pop-Pleistozän, damals, zu Beginn der 80er, als die Wucht von Punk bereits verblasste und Stil wieder wichtig wurde, sang eine kanadische Combo “we can act like we come from out of this world – leave the real one far behind”. Safety Dance hieß der Song, der ein Welthit wurde und die Kapelle Men without hats. New wave wurde die Epoche genannt.

 

30 Jahre später verstopft mir der Track als Ohrwurm die Synapsen, sitze ich doch an einem heißen Frühlingssonntag auf einem kahlen Weinberg in der Rheinpfalz und sehe einen jungen Kerl aufgeregt vor mir herumhüpfen. Er hantiert mit Würsten, Vinyl und Wein. Die reale Welt ist in Form einer Zusammenrottung von Facebookjüngern über ihn hineingebrochen. Er nennt sich Mann mit Hut und noch bin ich mir nicht sicher, was er wirklich ist. Provinzpapa, Winzerstar, Marketinggeschöpf. Was ich weiß: Lukas Krauß ist 23 und hat mir in der letzten Stunde schon drei verschiedene Weiße ins Glas gegossen. Einer besser als der andere!

 

Vor ein paar Monaten las ich im Netz über den Jungen aus Lambsheim, der gleich mit seinem ersten Jahrgang die Fachwelt überzeugte und das Publikum derart begeisterte, dass er schnell auf dem trockenen lag. So schnell verkaufte sich sein Suchtmittel – bis er jetzt den neuen Jahrgang präsentieren konnte. Es wird nicht lange dauern, dann ist er wieder ausverkauft. Die Menge 2010er ist überschaubar – und das Ergebnis grandios. In diesem Segment habe ich mir in den letzten Monaten beispielsweise keinen besseren Silvaner in den Schlund geschüttet. Und ich habe einige entkorkt, als Teil meiner rheinhessischen Feldforschung.

 

Dutzende Jung-Connaisseure schlürfen sich samt Sonnenbrand in Freudentaumel – sie alle haben sich in Lukas’ sozialen Netzen verfangen. Er hat online geladen und wir alle strömten den Hügel hinan. Leicht hippiesk ist diese Improvinophilie, inzwischen dröhnen Zappa und Marley vom Plattenteller, Kinder wetteifern schreiend mit den kläffenden Hunden um die akustische Hoheit. Dazu passt perfekt ein Schoppenwein: chapeau krauß ist mit reichlich Restzucker eine wahre Floraleskapade, lockerleichte und sonnenfrohe Weißweincuvée. Die Idealbesetzung für Säuremuffel und andere Blumkenkinder.

 

Der zuvor gehegte Verdacht, bei Lukas Krauß handele es sich schlicht um ein Consulting-Projekt oder die Kreatur einer Geisenheimer Bachelorarbeit im IWW-Rahmen, hat sich inzwischen genauso verflüchtigt wie die vom Lambsheimer Weinbauern angelegten Weinvorräte. Wir trinken zum Abschied krauße schwarzer – und müssten eigentlich stilecht in die glutrote Abendsonne reiten. Wir verlassen uns jedoch auf deutlich mehr Pferdestärken und einen durchschnittlich nüchternen Fahrer – nicht ohne den Kofferraum vollzuladen mit allerlei Preziosen und der Gewisskeit einer Wiederkehr.


Coq au Äbbelwoi

Ein Ausflug zu Freunden in die Wetterau, nach Büdingen.  Zwei herrliche Tage mit lieben Menschen – und reichlich Apfelwein. Denn im Ort hat der alte Nagel seine Kelterei. Der macht den siebenprozentigen, sauren Most in ganz besonders vorzüglicher Qualität. Auch einen formidablen Brand destilliert der Meister der stürmischen Gärung. Cidre und Calvados kommen mir nicht mehr in den Keller.

Bembel, Brenner und die Ahnung von Apfelbäumen

Bembel, Brenner und die Ahnung von Apfelbäumen

Um den Franzosen ein weiteres Schnippchen zu schlagen, haben wir folgerichtig ein Nationalgericht umgewidmet. Ein stattlicher Biohahn wurde mit Apfel, Zwiebel und Gewürzen gefüllt und sanft im Bräter gebräunt, Mirepoix sowie Knoblauch ergänzt und mit reichlich Stöffsche abgelöscht; Deckel drauf. Erst bei 140° eine halbe Stunde in den Ofen, hernach auf 80° geregelt und bis zur gewünschten Kerntemperatur gegart. Dann das Tier seziert und den Sud mit Salz, Pfeffer, Honig und Zitronenabrieb aromatisiert und leicht reduziert. Dazu Kartoffelstampf mit viel Olivenöl, grobem Meersalz und gehackten Oliven.

Apfelwein-Hahn mit Kartoffel-Olivenstampf

Apfelwein-Hahn mit Kartoffel-Olivenstampf

Jochen Distelmeyer ist ein schlauer Mensch, deutschsprachiger Diskurspopper und ehemals mit seiner kleinen Band Blumfeld nicht nur dem Direktorium der Hamburger- sondern auch dem einer führenden Baumschule zugehörig. Mit dem „Apfelmann“ lässt sich noch eine Menge zum Thema lernen.


Spundekäs, Silvaner und eine halbe Ziege oder Kulinarisches Kabarett

Heute abend Silvanerverkostung, meine Aufgabe: Eine Kleinigkeit zum Knabbern, Geschmacksneutralisieren und Kalorienspeichern kreieren. Zur Traube war die gedankliche Rheinhessen-Verknüpfung nicht beschwerlich und die Idee  „Spundekäs mit Brezeln“ ward geboren. Nur halt auf meine Art: Nicht aus langweiligem Quark und Frischkäse  von Schwarzbunten, sondern ebensolches von hiesigen Ziegen. Der Weg zu Konnen ist nicht weit – außer mit Milchprodukten fuhr ich mit einem halben Zicklein vom Hof. Doch davon in den nächsten Tagen mehr.

Bööscher Ziegenkäse

Bööscher Ziegenkäse

Spundekäs ist simpel: Zwei Teile Quark und einen Teil Frischkäse vermengen und mit etwas Meersalz ausdauernd cremig rühren. Dazu dann eine ordentliche Menge edelsüßes Paprikapulver von Szegedi und in feine Würfel geschnittene Schalotten, fertig.
Das säuerlich-kräftige Ziegenaroma gefällt mir ausgesprochen gut und wird den Wein gefällig begleiten.

Übrigens: Kulinarik und Kabarett passen nicht zusammen. Doch einige wenige Ausnahmen bestätigen diese Regel:
Der Diplom-Puppenspieler Rainald Grebe aus Frechen/Rheinland spielt bisweilen Klavier auf Bühnen, erzählt dazu und fabriziert landläufig Kleinkunst genanntes. Ziel seines Spottes sind neben den Ureinwohnern „Mitteldeutschlands“ in der Regel andere Mitleidende seiner (und meiner) Generation. Über unsere Eltern formuliert er treffend:
„Roher Fisch auf kaltem Reis mit Algen – tun die doch in den Müll!“

Dann gibt es da noch einen Dunkelhaarigen, der beiläufig zum Pianoforte schwadroniert. Er ist Siebenbürge aus Essen (sic!), besitzt einen Baseballschläger und heißt dazu noch Hagen. Rether.

Schließlich dieser Kanake aus Neuss, der so hübsch „Hitler“ sagt. Serdar Somuncu ist Hassprediger aus Leidenschaft.

Ansonsten ist mir Kabarett zu spießig.


Ein Spielplatz in Wien, musikalisch virtuell, Schnell

Christiane Rösinger als die große alte Dame des deutschsprachigen Befindleichkeitspop zu beschreiben, ist weder despektierlich noch lakonisch gedroschene Phrase, sondern ein Eindruck. Die zugegebenermaßen leicht sepiafarbene Formulierung ist das Ergebnis langjähriger Ergebenheit, des Mitleidens, des steten Wiedererkennens. Bei allem Geschwurbel imponiert immer schon der Mut zur Mädchen-Mitsingmelodie. Wie mit Britta auf dem 2006er Album „Das schöne Leben“ (ein 2008 erschienenes Buch heißt ebenso):

Nun erscheint in diesen Tagen nach über 20 Jahren Gruppenmusik (Lassie Singers, Britta) mit „Songs of L. and Hate“ endlich ein Soloalbum. Alle, wirklich alle Indie-Boys-and-Girls des bundesrepublikanischen Popfeuilletons überschlagen sich. Wigger, Volkmann, Eismann, Küppers. In Ermangelung eines Vorab-Rezensionsexemplars betrieb ich eine Online-Recherche und fand an Sound – so gut wie nichts. Eine stümperhaft gebaute, reine Text-Website. Doch keine Myspace-Promo-Maschine. Kein Youtube-Feuerwerk. Konsequentes Abblocken der Bloggosphäre. Find ich gut, Warten steigert die Vorfreude, ab Freitag das Werk dann beim Plattenhändler meines Vertrauens.

Was mich zum eigentlichen Anlass dieses Beitrags führt: Im Rahmen der Suchmaschinenergebnis-Gewichtung stieß ich auf ein mir bis dahin völlig unbekanntes Projekt aus Wien. Videobewehrte Schrammelpop-Aficionados sammeln durchreisende Musikanten ein, verbringen sie an ein Alltagssetting, nötigen die Künstler, akustisch aufzuspielen und sich dabei abfilmen zu lassen. Veröffentlicht werden die bisweilen großartigen Werke hernach auf playgrrround.com und bilden dort als Gesamtheit ein Kaleidoskop untergründiger Kultur-Boheme.

„music is never authentic“ ist ein Leitmotiv dieses Projekts.

Übrigens: Als Gegengewicht zum Rösingerschen Berliner Kulturprekariatspessimismus hier nun die Schweden von Bored Man Overboard mit „The Optimist“ auf playgrrround.com.

Ein Singlemalt-Whisky böte sich dazu als Getränk an. Doch dazu bin ich noch zu jung, ein entsprechender Bart ziert mich momentan auch nicht. Also nicht ganz unvermutet meine Weinempfehlung des Tages:
Einen 2008 Guntersblumer Eiserne Hand Spätburgunder von einem der ältesten deutschen Bio-Weingüter, Weingut Geheimrat Dr. Schnell. Ich habe Johann Schnell dieser Tage in Rheinhessen besucht und befürchte, ein weiteres Lieblingsweingut für mich entdeckt zu haben.


Tamaryn, banh xeo und grüner Silvaner

Der Soundtrack zum ersten Nachtfrost kommt idealerweise aus Kalifornien (All the leaves are brown, ya know?) , aus San Francisco sogar. Tamaryn nennt sich die eigentlich aus Neuseeland stammende Musikerin, deren aktuelles Album „The Waves“ sphärisch tröpfelt wie dereinst die Klänge der legendären Mazzy Star um Hope Sandoval.

Mexican Summer heißt übrigens das Label, welches für die Veröffentlichung verantwortlich zeichnet. Kein Witz. Dessen Heimat wiederum ist Brooklyn.

Im rheinhessischen Hügelland wurde ich also überrascht von Raureif und unterkühlten Extremitäten. Dreierlei (rethorisch geschult an Luthers Predigtlehre) Erste-Hilfe-Maßnahmen wurden eingeleitet:

  • Eine ausgiebige Weinbergswanderung durch eine Lage, die als Udenheimer Sonnenberg bekannt ist, und die schon ziemlich kahlgeschlagen ist. Nur einzelne Rieslingtrauben für Spätlesen oder natürlich Eiswein hängen noch an den Rebstöcken.
  • Antizyklisches Konsumverhalten: Bei Mengel-Eppelmann eine Kiste so genannten Sommerweins gekauft, 2009er grünen Silvaner.
  • Subtropisch schlemmen in Ha Noi. Stand schon lange auf meiner Besuchsliste. Aß vergleichbar gute banh xeo nur in der alten Kaiserstadt Hue.

 

banh xeo in Hue (Foto: phew)

banh xeo in Hue (Foto: phew)

 

Beim Vietnamesen trinke ich reflexartig stets Yasmin-Tee. Ansonsten: Tee nur, wenn Unbill dräut. Jugendherberge. Schweinegrippe. Regulär regulieren ausschließlich Wasser, Kaffee, Wein den Flüssigkeitshaushalt.