Cà bung mit Guro von Germeten

Heute freue ich mich auf Cà bung – Auberginensuppe mit Tofu. Mein Dank gilt jetzt schon Bunzel und Ihrem tollen Blog. Das Stöbern darin lässt stets meine Vietnam-Erinnerungen in Nase und am Gaumen kräuterfrisch zurückkehren. Übrigens: Noch in diesem Monat geht der 2008 entstandene Food-Reiseblog „UNPHEW in Südostasien“ als Archivversion wieder online.

Neben Vietnam ist Norwegen noch so ein Lieblingsland. Eher nicht kulinarisch, vielmehr emotional musikalisch. Seit zehn Jahren nunmehr gilt „Quiet Is the New Loud„. Und beinahe ebenso lang sind die ebenfalls aus Bergen stammenden AI Phoenix Lieblingsband. Doch jetzt kommt da eine offensichtlich klassisch Gesangs-Geschulte und Akkordeon spielende Polkaqueen aus Oslo daher und mixt Trübsal-Blasen mit Bohème, Stil mit großen Gefühlen. Guro von Germeten spielt die Musik dieses Tages und ich trinke zimmerwarmen Linie-Aquavit dazu.


Folklore, Provinz und Studentenkultur

Mehr oder minder zufällig stand ich am Sonntag vor einer Bühne in Kezmarok, die dort im Rahmen des alljährlichen Festival Európske ľudové, des „European Folk and Crafts Festival“, in der Innenstadt, direkt neben dem imposanten Rathaus, errichtet worden war. Trotz infernalischer Temperaturen und unchristlicher Uhrzeit zog mich eine Folkgruppe aus Serbien mit ihrem Sound irgendwo zwischen Klezmer und Balkan-Brass in ihren Bann.
Die Gruppe ABRAŚEVIĆ aus Cacak klingt wie das Boban Markovic Orkestar ohne Blechbläser. Nur die seltsamen Tanzeinlagen waren zuviel für das wenige, das immer mehr ist.

Ein paar Worte zum einige Kilometer entfernten Spisska Bela seien hier auch noch erlaubt. Zuzanas Heimat war unser Tor zur Tatra, Basislager und Offenbarungsort zugleich. Soviel nur: Familienfeste in einer goralischen Sippe beginnen früh am Tag und enden irgendwann. Dazwischen gibt es alles, was Leib und Seele zusammen hält. Wen es  dorthin verschlägt und wem die slowakische Sprache erst einmal als eine unüberwindliche Barriere erscheint, der lenke seine Wege erst einmal in die Pension G direkt gegenüber der Kirche.

Die Metropole der Ostslowakei ist hingegen Košice. Neben vielfältigen kulturellen Aspekten – unter anderem ist die gleichermaßen pitoreske wie urbane Altstadt sehr sehr hübsch – bietet ein buntes Studentenleben Ablenkung dem, der einmal genug hat von Natur und Ethnologie. Ultimativer Ausgehtipp: der Bernard Club in der Alzbetina.


9 Uhr abends

Unbaendige Lebensfreude ist ein listig Ding, geht sie doch oft einher mit planerischer Unstetigkeit. Wer jedoch satt werden will, abends in der Slowakei, der achte gut auf den Chronometer. Zumindest in laendlichen Gebieten schliessen die Gasthaeuser ihre Kuechen zuverlaessig um 21 Uhr. Nur die schon abfaellig erwaehnten, einheimischen Pizzabaecker bieten da hin und wieder zweifelhafte Abhilfe.

Bier ist ebenfalls nahrhaft, gut, es fliesst auch zu spaeterer Stunde reichlich. Genauso wie die hiesigen haerteren Getraenke. Goral Vodka (ob Goralisch nun einzig eine Regionalsprache entlang der polnisch-slowakischen Grenze ist oder tatsaechlich Goralen eine Ethnie sind, bedarf noch einer weitergehenden Recherche), Borovička, Spiš original slivka (dazu faellt mir just ein durchgeknallter Musiktipp ein).

Zum Schluss noch ein Lesetipp fuer Reisende im „Neuen Europa“:
Irena Brezná
Die Sammlerin der Seelen
Unterwegs in meinem Europa

Ach ja, wo ich doch eben die Verbindung zwischen Hardstuff-Drinking und Tanzbeinschwingen hergestellt habe, kann ich mir einen Verweis auf das „The Tequila Mockingbird Orchestra“ nicht verkneifen. Here you go.


Welterbe in der Slowakei

Die UNESCO unterscheidet ja gemeinhin zwischen Natur- und Kultur-Welterbestaetten. Die Liste umfasst 890 Orte in 148 Ländern. Acht davon befinden sich in der Slowakei, fuenf habe ich mehr oder weniger zufaellig mit jeweils wenigen Minuten meiner Anwesenheit beehrt.
Allgemein ist ein ziemlich unpraetentioeser, ja fast beilaeufiger Umgang der Slowaken mit ihrem Welterbe festzustellen. Der Status wird kaum beworben, mancher Ort ist tatsaechlich schwer zu finden. Kaum zu glauben fuer westeuropaeische Marketingopfer, wo jeder noch so kleine und manchmal gar nicht mal so alte Stein so lange umgedreht wird, bis seine „antike Geschichte“ werbewirksam ins Bewusstsein der Menschen gepresst wird. Wieviel Tamtam wird um Bruecken in Dresden oder Buerotuerme in Koeln gemacht, weil die Gefahr droht, dadurch einen geldwerten Vorteil zu verlieren?

Slowaken sind pragmatisch und erst einmal gerne unter sich. Daran ist nichts verwerflich. Im Gegenteil – ich mag diesen bisweilen vollzogenen Rueckzug von der grossen Buehne. Das minimiert immerhin Stress.

Also: Das schoene Staedtechen Bardejov mit seiner mittelalterlichen Altstadt und seinem Marktensemble  aus der Renaissance ist ganz schoen beschaulich. Aber nicht unspannend: In den Cafes am Rand des Marktplatzes lassen sich viele Tage verbringen mit Schauen und der Beobachtung des Zeitfortschritts. Auch habe ich dort meinen besten Espresso in der Slowakei getrunken.

Der Marktplatz von Bardejov

Der Marktplatz von Bardejov

Levoča punktet ebenfalls mit einer perfekt erhaltenen Altstadt aus mittelalterlicher Zeit. Zusammen mit dem Werk eines Bildhauers aus dem 16. Jahrhundert gefaellt auch dieses Staedtchen der UNESCO – es war wohl auch eine Menge religioeser Unsinn im Spiel.

Spissky Hrad – was so viel heisst wie „Zipser Burg“, ich spare mir uebrigens ansonsten die leider allueberall zu lesenden deutschen Namen der slowakischen Orte, kein Mensch verwendet sie hier – wirkt wie ein Leuchtturm. Angeblich handelt es sich um die groesste Burganlage Mitteleuropas. Die Festung ragt reichlich imposant aus einer Ebene hinaus. Die naechste Stadt ist Spišská Nová Ves. Das ganze Ding ist leider eine ziemliche Ruine und bei heissem Wetter ein prima Backofen fuer die Besucher.

Holzkirchen in der Slowakei ist der Titel, unter dem acht Kirchen im slowakischen Teil der Karpaten im Norden und Osten des Landes von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurden.“ So beschreibt es wikipedia. Acht so genannte Gotteshaeuser unterschiedlichster Konfessionen gehoeren dazu, unter anderem die tatsaechlich beeindruckende Artikularkirche in Kežmarok. Wo man im uebrigen prima Eis essen oder in der Penzion Jakub vorzueglich speisen kann.

Schliesslich war heute ein Besuch in der Dobšinská ľadová jaskyňa, der groessten Eishoehle der Welt, angesagt. Bei ueber 30 Grad Aussentemperatur eine huebsche Abkuehlung, eine gigantisch beeindruckende Untergrund-Impression. Die Rueckfahrt durch das slowakische Paradies jedoch war eigentlich noch weit spannender.

Nichts war geplant, kein Erbe bewusst angetreten. Doch ganz beilaeufig haben auch solche Orte deutlich zum besseren Verstaendnis dieses doch sehr besonderen Landes beigetragen.


Ein Tag in den Pieninen

Jan ist Jaeger. Unter anderem ist er auch erst 20 Jahre alt und der Cousin von Zuzana, unserer Tueroeffnerin in die urspruengliche Welt der Slowaken. Wir treffen ihn und seine Familie in deren Heimatdorf, Veľká Lesná, 494 Einwohner, am Rande des Pieninen-Nationalparks und fernab jeglicher Touristenstroeme gelegen (die hier uebrigens ansonsten recht zahlreich sind, um entweder eine Flossfahrt auf dem wildromantischen, polnisch-slowakischen Grenzfluss Dunajec zu machen oder das beruehmte Červený Klástor zu besuchen). Es war naturschoen, anstrengend, rustikallecker.

Die Flinte ueber der Schulter zeigte Jan uns sein Revier, zwischen 500 und 800 Meter Hoehe wanderten wir ueber Huegel, Bergruecken und schliesslich auf eine Almwiese. Dort ging es in die Beeren (wohl Heidelbeeren) und als Bonus gab es ein perfektes Tatra-Panorama obenauf. An einem Bachlauf kamen wir zurueck ins Dorf, wo zwangslaeufig geistige Getraenke und allerlei Spezereien auf uns warteten. Die hausgemachte Wildwurst ist mir jetzt noch geschmacklich praesent.

Mit Jan in den Pieninen

Mit Jan in den Pieninen

Pieninen-Blick

Pieninen-Blick

Durch Wald und Flur

Durch Wald und Flur

Tatra-Blick

Tatra-Blick


Riesling und Andyho Warhola

Das Leben ist bunt, Gott sei Dank. Wanderer, kommst Du in den hintersten Winkel Europas, lass Dich ueberraschen von Unerwartetem, Schoenem, Gutem, Kunst und Wein. Ersteres offenbart sich in Medzilaborce, wo findige Ureinwohner vom Stamme der Ruthenen einen riesigen, postsozialistischen Betonkasten in die Einoede gesetzt haben, um einen der ihren zu ehren. Gut, Mister Warhol ist nun eigentlich in Pittsburgh, Pennsylvania, geboren und hat das Land seiner Vaeter nie gesehen – was die Sache leicht bizarr macht – und war wohl kaum jemand, der im Leben und in der Kunst viel auf Traditionen gehalten haette, aber das ist den Menschen hier schlicht egal. 15.000 Kulturtouristen lockt der Name des weltberuehmtesten Popartisten Jahr fuer Jahr an diesen Ort. Das Gebotene ist wenig tiefschuerfend, auch nicht kuenstlerisch erhellend, aber zumindest witzig bis absurd. Kongenial setzt dies uebrigens der Dokumentarfilm Absolut Warhola aus dem Jahre 2001 in Szene.

Rizling Rýnsky ist die andere Entdeckung in der Ostslowakei. Zwar wird die Traube im gesamten Land angebaut, doch in der Gegend von Sobrance, in der lustigen Weinfabrik Pivnica Tibava s.r.o. kommt er besonders gelungen in die Flasche. Ansonsten eher industriell gepraegt, bietet die Gegend mit den Orten Tibava und Orechova zwei fast schon anmutige Weindoerfer. Zu einer intensiven Degustation aller 18 verschiedenen angebotenen und natuerlich auch gekauften Weine ist es noch nicht gekommen. Ein entsprechender Bericht folgt.

Die Pivnica Tibava

Die Pivnica Tibava


Kulinarische Reisenotizen Slowakei, Teil 1

Mit reichlich Erfahrung gesegnet im Umgang mit der osteuropaeischen Kuechenwelt, erstaunen manche Phaenomene dennoch stets aufs Neue. Die Absenz von frisch zubereiteten Gemuesen aller Art auf beinahe saemtlichen Speisekarten – Kohl in vielerlei Variationen einmal ausgenommen – ist nur eine Spielart der curiosa culinaria. Dressing und Salat sind zwei Dinge, die nicht unbedingt zueinander gehoeren. Kuemmel ist hingegen allgegenwaertig. Kellnerinnen waeren in Deutschland haeufig vom Verbot von Kinderarbeit betroffen, wobei „Arbeit“ in den meisten Faellen ein Euphemismus ist. Geschirr scheint in der slowakischen Gastronomie Mangelware zu sein, wird es doch, kaum ist das Besteck abgelegt, dem Gast regelrecht entrissen. Teure Restaurants sind eine Garantie dafuer, dass man mehr Geld bezahlt – ansonsten haben Preise keinerlei Aussagekraft ueber Qualitaet und etwaige Opulenz der Speisen.

Genug der boesen Worte: Die Perlen der slowakischen Kueche wollen einfach nur entdeckt werden. Wahrnehmung im Voruebergehen funktioniert nicht, auch der erste Biss ist oft genug nicht ausreichend fuer ein zielfuehrendes Urteil. Um den werten Lesern eine Vorstellung von der Preisgestaltung der hiesigen Gastronomie zu vermitteln, nun einige Beispiele: Um fuer einen halben Liter meist vorzueglichen Bieres Pilsener Brauart mehr als einen Euro zu bezahlen, muss man schon lange suchen. Einheimische Weine werden offen fuer ein bis zwei Euro das Glas, flaschenweise um die zehn Euro in meist ordentlicher Qualitaet kredenzt. Auch fuer Speisen gilt, ein ungefaehres Drittel des deutschen Preises anzunehmen. Dies wiederum ist auch gut so.

Was positiv im Gedaechtnis bleibt: Die Slowakei ist ein Suppenland. Ein recht gutes zudem. Die formidablen Klassiker sind Knoblauch- (cesnakova polievka) und Sauerkrautsuppen (kapustnica). Doch auch Fisch-, Bohnen-, Kartoffel- und Spinatsuppen wurden probiert und fuer gut befunden. Bei der Zubereitung dienen jeweils hausgemachte Bruehen – meist vom Huhn – als Grundlage und geschmacklich dominiert stets das Namen gebende Produkt. Das ist simpel, aber gut. Tatsaechlich werden fast ueberall, auch in einfachsten Spelunken, frische Produkte verwendet. Der aus der Heimat bekannte uebermaessige Einsatz von Convenience-Food scheint schlicht zu teuer zu sein. Leider fuehrt dies nicht immer zu einem besseren Ergebnis. Fleisch zum Beispiel ist meist jenseits des perfekten Garpunkts. Beilagen muessen – zwar nicht immer, was zu erkennen eigentlich nur Beherrschern der slowakischen Sprache moeglich ist – zusaetzlich geordert werden. Jedoch wird schlicht die gute alte sozialistische Tradition der monokausalen Saettigungsbeilage fortgefuehrt. Spass macht das selten.

Ein anderer Traditionsstrang sind die KuK-Mehlspeisen. Im suessen Sektor wird verlaesslich lecker gestrudelt und auch  palačinka schmecken haeufig.
Herzhaft geht es bei pirohy zu. Besonders in der Tatra-Region sind sie eine Delikatesse. Dort werden die Piroggen aus Kartoffelteig zubereitet und haeufig mit Bryndza, einem Schafsfrischkaese, gefuellt. Serviert werden sie mit in Butter gebraeunten Zwiebeln und saurer Sahne. Aehnlich funktionieren die bryndzové halusky. Halusky sind eine Art Gnocchi.

Wie alle Osteuropaeer sind auch die Slowaken Wurstexperten. Immer viel zu fett, doch leider auch oft richtig lecker komme ich selten daran vorbei. Zum Glueck bieten als Ausgleich die unzaehligen Fluesse und Seen reichlich Fisch – von Forelle bis Karpfen – der immer dann gut schmeckt, wenn er frisch vom Grill kommt. Ein weiteres Negativum zum Schluss: Hierzulande ist in den letzten Jahren der Pizzaboom ausgebrochen. Kein Dorf ohne entsprechende Bude, kaum ein Restaurant ohne eine schlechtschmeckende Variation auf der Karte. Italiener gibt es naemlich kaum welche im Land der tausend Berge.