Türk-Festival in Grefrath
Veröffentlicht: November 22, 2012 Abgelegt unter: Musik, Niederrhein | Tags: family 5, furiosef, Grefrath, jansen, markus türk, the dorf Hinterlasse einen KommentarWer Markus Türk nicht kennt: Ich habe ein paar Videos ausgegraben. Überall ist der beste niederrheinische Bläser dabei.
Und ich bin Samstag mit allen in Grefrath. Weitere Infos hier.
Wo kaufe ich was warum? Produkte aus Liedberg und Umgebung
Veröffentlicht: November 15, 2012 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: korschenbroich, liedberg 5 KommentareKürzlich berichtete Stevan Paul vom Projekt Zweimeilenladen in Hamburg: Drei Wochen lang wird in einem PopUp-Store alles angeboten, was in St. Pauli an interessanten Produkten hergestellt wird. „Dazu gehören Kaffee und Schokolade genauso wie Kleidung und Accessoires, Kartenspiele und Elektronik genauso wie Räucherfisch und Tomatensamen.“ Entstanden aus einer Onlinesammlung ist dies ein tolles Praxisbeispiel für das immer unterstützenswerte Konzept „support your local scene“.
Nun fehlt mir momentan jegliche Ressource, ähnliches am neuen Wohnort realiter auszuprobieren. Allein: Begeisterung und Lust sind da. So kanalisiere ich beides kurzfristig, indem ich zusätzlich Astrids Idee eines Einkaufsführers, der sich aus den Erfahrungen erfahrener Foodblogger speist, aufgreife und meine Erfahrungen der letzten vier Monate dokumentiere. Wo kaufe ich was warum? Mein Zirkelschlag um Liedberg beträgt nicht zwei Meilen, sondern ergibt sich womöglich aus meiner Radfahrkondition. Here we go:
Feinkost Muth
Bei Familie Muth im größeren Nachbardorf Glehn (ca. 2.000 Einwohner) kaufe ich Fisch von hervorragender Qualität und mache daraus nicht nur Matjesburger. Alles Selbstgeräucherte ist besonders empfehlenswert, stammen die Tiere doch aus eigner, nachhaltiger Zucht.
Fleischerei Erkes
Udo Erkes, ebenfalls aus Glehn, macht nicht nur die beste Leberwurst meiner Welt, sondern hat auch keine Probleme mit den lieben Tierchen: er hält sich eine eigene Herde Schwäbisch-Hällischer Landschweine. Wenn Fleisch, dann dieses.
Biobauernhof Essers
Oder aber Geflügel von Haus Neuenhoven. Ich bin auf die Gans gespannt, die noch auf der Weide am Kommer Bach lebt und bald auf unserem Tisch landen wird. Ansonsten sind das: Oldschool-Biobauern mit alternativer Lebenskultur. Die pflanzen Gemüse von Artischocken über Kohl bis hin zu Zucchini und bieten außerdem ein Bioladenvollsortiment.
Ulis Backstübchen
Schon mal Ziegenmilchstuten gegessen? Ich auch nicht. Aber Uli Schneider kann auch sonst einiges und backt in Steinhausen unser Brot. Ich bin schon gespannt auf den Holzkohleofenbrotbackkurs.
Brauerei Bolten
Altbier, uralt. Erspart zwar nicht die Fahrt zum Winzer. Ist aber von großem Vorteil, in der Nähe einer solch jahrhundertealten Tradition zu wohnen.
Irmgard’s Bauernladen
Ich ess Blumen, denn Tiere tun mir leid. Bisweilen zumindest – und dann pflücke ich auf Irmgards Acker.
Hoeren-Hof
Hier wird fortan Olivenöl gekauft. Für zehn Euro kommt ein halber Liter toskanisches Öl von Oliven der Sorte Moraiolo in die Flasche – und in unsere Küche. Kräftig, scharf, mit Schmackes.
Ziegenhof Nilgen-Schmitz
Das beste zum Schluss: Ebenfalls an unserem Hausbach, im Nachbardorf Rubbelrath, wird Ziegenkäse gekauft. Besonders der Weichkäse ist unerhört formidabel. Und vorzüglicher Ziegenschinken wird dort feilgeboten. Blumen nicht.
Außerdem überlässt uns Oma Eicker regelmäßig eine Hand voll Eier von ihren lieben Hühnern. Das soll ich aber eigentlich niemandem verraten. Vor ein paar Tagen schrieb ich übrigens von paradiesischen Zuständen. Was das kulinarische Angebot betrifft, könnte es kaum besser sein. Dennoch ist diese Liste natürlich: tbc.
Elysium
Veröffentlicht: November 7, 2012 Abgelegt unter: Gedankenstrom | Tags: arkadien, elysium, paradies, Poison 2 KommentareParadiesische Zustände herrschen dort, wo ich jeden Tag erwache, wo ich koche und trinke, schreibe, genieße und liebe, seit Wochen, Monaten. Dies nur, weil Karu gefragt hat.
Alles ist Gold, was glänzt. Und doch hält das Leben immer eine Miserenoption parat. Der Mensch ist halt ein böses Tier. Davon und über das Liebesleid überhaupt sangen M. walking on the water auf Ihrem 1991er Album „Elysian“ das schöne Lied „Poison“:
Der Moment jedoch, in dem ich ein glücklicher Mann bin, vibriert von großer Beständigkeit. Ich brauche kein Jenseits für mein Arkadien.
Anti αντί
Veröffentlicht: Oktober 31, 2012 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Kulinarik, Musik | Tags: anti anti, auberginenrezepte, ecke schönhauser, yotam ottolenghi 5 KommentareJenseits aller generationenspezifischer Sozialisation und elitärer wie egalitärer Verfasstheit bin ich wohl ein neumalkluger Pseudnonkonformist. Oder schlicht anti anti.
In der alltäglichen Praxis manifestiert sich dieser Umstand oft in spontaner Ablehnung von erst einmal Allem, was nach Mode oder Mainstream riecht und schmeckt. Doch über’s Hören widerlege ich diesen Reflex regelmäßig, denn Pop ist per definitionem ein Massenphänomen und permanentes Dagegensein mit zunehmendem Alter keine sonderlich stilvolle Haltung. Außerdem macht es nicht nur klammheimlich Spaß, eine Welle zu surfen, die andere gar nicht mehr spüren, so seicht verläuft sie sich.
Ich bin seit Kindertagen ein enthusiastischer Fan deutschsprachigen Liedguts und gesunder Gemüseküche. Mein erstes Openair-Konzert fand im Bochumer Ruhrstadion statt, ich war 13 und besang mit Herrn Grönemeyer Currywürste genauso inbrünstig wie ich Nina Hagen verehrte. Dass ich Westernhagen schon damals doof fand, beruhigt mich heute sehr. Zum Glück war die rumänische Wanderwarze nicht im Aufgebot der mit „Deutschrockfestival“ genügend gruselig titulierten Veranstaltung. Ich aß zum ersten Male Couscous und dachte, die Erde sei ein guter Ort zum Leben.
Alle meine Freunde fanden solcherlei doof. Sie waren Popper oder Waver oder Endzeitpunks und favorisierten mehrheitlich halbe Hähnchen. Später hab ich mit den Sternen das Tanzen gelernt und niemals vergessen, zu essen. Ich war immer offen für alles, nur manchmal zu früh und oft zu spät. Wär ich Autonarr, kaufte ich nur Jahreswagen. Zu lange dagegen sein, ist nämlich schlecht für die Libido. Wenn Säue durch Dörfer getrieben werden, höre ich das Quieken wohl. Reagiere aber erst einmal vegetarisch und schnappe mir den Ringelschwanz so gerade noch mit einem Hechtsprung in den Matsch.
Das Eigentliche: Vor ein paar Wochen habe ich mir ein Kochbuch gekauft. Weil behauptet wurde, darin stünde ein Rezept mit Soba, Mango, Aubergine, Koriander. Schon der Gedanke daran ließ mich durchdrehen. Nur: Weil ALLE dies Werk und seinen Schöpfer zu verehren schienen und sämtliche Foodblogfrauen mit entsprechender Nachkocherei beschäftigt waren, musste ich warten. Über ein Jahr. Ich kaufe selten noch Bücher, doch es wird wieder Winter und schon gewisse spanische Detektive wussten um die Heizkraft… – doch davon später einmal mehr.

Das Buch ist großartig. Die Auberginenrezepte genauso simpel wie genial. Der Einband ekelhaft. Doch da all dies schon hundertfach beschrieben wurde, will ich nur noch erwähnen, dass der Deutschrock lebt. Wahrscheinlich ist es Post-Deutschrock. Auf keinen Fall Punk oder Indie. Die Band kommt aus Berlin, macht herrliches Schweinegeschrammel mit hektischem Gesang fast ohne Botschaft und nennt sich Ecke Schönhauser. Auch hier ist das Cover eine ästhetische Zumutung und der Inhalt von Input anbetungswürdig. Kaufen, beides. Oder noch etwas warten, Großmutters Haushaltsbuch sortieren und alte Caterina-Valente-Platten hören. Das ist auch sehr schön.
Ohne Worte
Veröffentlicht: Oktober 22, 2012 Abgelegt unter: Kulinarik | Tags: blumenkohl, kürbis, mandelmus, Quitten, senfsauce, Steinpilze Ein KommentarZumindest: fast. Wegen akuter positiver Reizüberflutung und mangelnder Tagesfreizeit schreibe ich nicht, sondern drücke einfach ein paar Bilder in den Orbit. Hier wird gekocht. Jeden Tag. Dennoch.

blumenkohllasagne nach robert, kürbissuppe mit einlage, pilzpolenta, quittentorte, romaneskobarbenmandelmus, kochfisch auf senfsauce. oder so.
Belegtes Brot mit Fisch
Veröffentlicht: September 28, 2012 Abgelegt unter: Kulinarik | Tags: butterbrot, glehn, matjes, muth, schmetterlinge im bauch 3 KommentareDas Abendbrot ist die wichtigste Mahlzeit des Tages. Genau wie das Frühstück. Und das Mittagessen. Wo aber die Morgenmahlzeit relativ uniform und routiniert bereitet und genossen wird und der Mittagstisch sowohl in seiner Üppigkeit als auch in zeitlicher Verortung gewissen unwägbaren äußeren Einflüssen unterliegt, hat das kulinarische Tagesfinale im Utechtschen Leben stets eine Konstante: Es muss ein Genuss sein. Da spielt es überhaupt keine Rolle, ob ein üppiges Menu gekocht wird oder nur basales Brot auf den Tisch kommt. Hauptsache ist, dass die Qualität gut ist und der gesamte Prozess lustvoll vonstatten geht. Abendbrot ist Ausgleichssport. Wo andere Yoga machen, sich ihre Knie kaputt joggen oder in den Wald gehn, um Bäume anzubrüllen, ist mir der Abschluss des Tages Küchenkontemplation; Gute-Laune-Garant.
Ein Butterbrot wird abends eher selten geschmiert. Kommt es doch zur Stulle, wird zumindest am Belag gearbeitet und eine Sekunde mehr über die Anrichteweise nachgedacht. Ein Beispiel dafür ist der Matjesburger von gestern:

Im neuen Nachbardorf gibt es neben der bisher besten Leberwurst meiner Welt und einer kunterbunten Markthalle auch einen verlässlich guten Fischhändler. Bei Feinkost Muth in Glehn kaufte ich also Matjes von hervorragender Qualität. Auch alles Selbstgeräucherte ist sehr empfehlenswert, stammen die Tiere doch aus eigner, nachhaltiger Zucht.
Zum Fisch kommen rote Paprika und Zucchini, Schalotten, Petersilie, Rieslingessig und Rapsöl. Pfeffer und Salz. Dünne Scheiben vom Roggensauerteigbrot, in der Pfanne geröstet, dienen als Himmel und Erde. Dazu getrunken wurden Schmetterlinge im Bauch. Weil es passte, doppelt.
Pompöses aus Pop und Birnen
Veröffentlicht: September 18, 2012 Abgelegt unter: Kulinarik, Musik | Tags: birnengold, chefsache, jörg geiger, Portland, tu fawning 5 KommentarePompöser Pop aus Portland und badische Birnen hätte ich getitelt, wär ich Franke. Und frisch verliebter Alliterationsjunkie. So wird nur eine Sehnsuchtslatenz befriedigt – und dennoch wilder Schwärmerei Raum gegeben. Ich war leider nicht schon wieder an der amerikanischen Nordwestküste, sondern sonntäglich in der Kapitale rheinischer Hybris. Auf einer gleichermaßen überflüssigen wie lustigen Veranstaltung mit blödem Namen und ohne Zielgruppe. Weil es meinen Lieblingschampagner gab. Und die Aussicht auf das eine oder andere illustre Häppchen. Zudem Abendunterhaltung im Gebäude 9.
In der Stammkonzertlocation gaben sich Tu Fawning die Ehre. Geliebte Menschen prognostizierten mir eine Offenbarung. Ich wusste nicht viel zuvor, hatte wenig im Ohr – und war vom ersten Takt weg weg. Derartiger Mut zu musikalisch großer Geste bei gleichzeitiger instrumentalisierter Imperfektion, emotionale Vehemenz und permanentes Trommelfeuer. Dazu mutete die Hälfte des Quartetts optisch an wie New-Wave-Widergänger mit leicht faschistoidem Einschlag, die anderen wie Indiehippieklischees. So wirkte das dann auch akustisch. Nach drei Songs wollte ich gehen, weil die Wucht zu stark und der innere Resonanzkörper ausgefüllt war. Ich blieb und genoss fortan das Konzert des Jahres. Mindestens.
Auf der „Chefsache“ gab’s Pornosternchenkulinarik und haufenweise faltige Genussselbstdarsteller. Marginales, Mediokres und Überflüssiges. Und doch ein, zwei richtig gute Sachen zu trinken. Besonders in Geschmackserinnerung geblieben ist mir das Birnenallerlei von Jörg Geiger – von der Schwäbischen Alb und nicht aus Baden. Seine Champagner Bratbirne ist wohl das Flagschiff der Kollektion, mir jedoch war sein Birnengold explosiver Süßweinknaller. Solch Komplexität samt honiglichem Säurespiel hätte ich alkoholisiertem Fruchtsaft niemals zugetraut.

Alles andere verschweige ich. Sonst werde ich nicht mehr eingeladen. Aber dies noch: Braucht jemand bodenturnende Köche?

