Köln, an einem Samstagabend
Veröffentlicht: Januar 24, 2012 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Kulinarik | Tags: blogger, Köln, popup-restaurant, ulrepforte 14 KommentareZum dritten Male klitschnass, festgeregnet, vom Wind in einen dunklen Hauseingang getrieben, an einer lauten, südwestwärts laufenden Ausfallstraße, knapp außerhalb des pulsierenden Teils Kölns. Vor 200 Jahren waren hier nur Felder und Gärten, allenfalls Mitglieder der Töpferzunft gingen, jenseits der alten Stadtmauer, ihrem gefährlichen Handwerk nach. Daher rührt der Name des Tors im Wall, der heute auch die Bahnstation der Linien 15 und 16 ziert: Ulrepforte.
Schon seit Stunden lasse ich Wehmut und Wohlgefühl eine blutige Schlacht schlagen in meinem Bewusstsein. Das ist immer so, setze ich mehr als nur einen Fuß auf heiligen Grund. Dies urbane Dorf nimmt mich gefangen, seit ich ihm als Bewohner den Rücken kehrte vor wenigen Jahren und es mich trieb, raus auf’s Land. Köln ist ein Gefühl, singt bestimmt nicht nur der Karnevalist. Eine eigentliche Großstadt ist es nicht. Ich kenne jeden Winkel aller Gassen und die erschreckenden Antlitze der allermeisten Bausünden. Die kulinarischen Katastrophen und kulturelle Löcher. Die Agonie der hiesigen Popkultur stürzt mich geraden Wegs in eine tiefe Depression, feucht bis auf die Haut, den Schirm zerfetzt. Ich gehe weiter.
Überquere die Rolandstraße, rechts liegt der Volksgarten, lange Jahre habe ich kellnernd und kochend einen Steinwurf entfernt meinen Lebensunterhalt erschwitzt, eines Studiums wegen, das brotlos direkt zur Kunst der permanenten Neudefinition des eigenen Seins führte. Der Park dröhnt trommelnd in meiner Erinnerung, Spätsommerabende, bevölkert von Reißdorftrinkerhorden, halbhippiesk, schlechte Gesänge, dünne Gespräche, penetrantes Balzverhalten an jedem Lagerfeuer. Die sind jetzt alle in Berlin. Oder in Portland.
Zurückkehren an einen neuen Ort. Stadt ist als Organismus schneller als der Fluss, in den zweimal zu steigen unmöglich scheint, ist er doch niemals gleich. Doch neben aller Projektion, dem eigenen kleinen, subjektiven Blick, ist und bleibt Köln der Ort, wo eine ganz spezielle Sorte Mensch hängenbleibt, ein Leben lang. Um sich nach Tagen schon als Ureinwohner, die es so wohl gar nicht mehr gibt, zu fühlen. Als eingefleischte, aber lebensfrohe Kulturpessimisten, der Welt zugewandt. Offen und mit klarem Blick auf die Dinge – solange sie nicht nebelverhangen sind in der Bucht, die bis Aachen reicht. Ich bin Herzenskölner, vielleicht gerade weil ich die offiziellen Insignien dieses Stammes verabscheue: Karneval, Kölsch und den FC.
Die katholische Kirche hingegen mag ich manchmal, der Show wegen. Der Laden ist eine Verein gewordene Profilneurose. Ich baue mir gerade gedanklich eine Brücke zu der Tür, durch die ich gleich schreite. In ein Pop-up Restaurant, einen Supperclub, zu einem Guerilladinner. Die nächsten sechseinhalb Stunden werden zur neuerlichen Probe, ob ein Haufen SocialMedia-Verrückter, deren einzige Verbindung bisher im digitalen Ausleben der je eigenen Genusssucht bestand, mit ihrem Sendungsbewusstsein in natura zu egozentrisch-missionarischen Eiferen werden oder einfach: netten Menschen. Drei Blogger kochen und luden sich 30 Leute an den Tisch, in ein ehemaliges, bisweilen als Eventlocation genutztes Restaurant. Die Show beginnt.
Einzig Natalie kenne ich schon, sie ist eine der drei Küchenkreativen heute, ich traf sie letzten Sommer bei Arthurs Tochter in Ingelheim. Ich sehe Glück und Stress zugleich in ihr Gesicht geschrieben, eine gute Mischung. Mit einem Glas zu süßen rosé Schaumweins stelle ich mich an die Seite und betrachte die Szenerie. Nach einer kurzen Phase überkritischer Distanz – wie konnte ich nur unter diese Horde pseudohipper Junggebliebener, die außer Essen und Trinken keine Lust mehr leben, geraten – werde ich ruhig und offen. Nehme einzelne Gesichter wahr, ein Lächeln hier, drei interessierte Sätze da. Erkenne: Leuchtende Augen. Spannung. Gleichgesinnte.
Dann in die Küche, um die beiden anderen kennenzulernen, zu begrüßen. Marco vom Marieneck. Dem ich die Hand kräftig schüttele. Und ihn sofort mag. Als letzten Marqueee. Der allem Anfang das Wort redet und den ich schon lange lese. Der etwas unwirsch wirkt. Der Druck ist spürbar. Ich bin begeistert: Keine Show, glasklare Gefühle. Der Eindruck wird sich dann bestätigen mit jedem Gang, der an unseren spannend besetzten Tisch gelangt. Klare Linie, kein Firlefanz, die Aromatik der einzelnen Grundprodukte wird herausgearbeitet und miteinander in Verbindung gebracht. Was genau es gab und welche Weine wir dazu tranken, hat Matze detailliert beschrieben.
Den ich mir im Übrigen genauso vorgestellt hatte, wie ich ihn nun, schräg gegenüber am Tisch, erlebe. Lexikalische Meinungsstärke. Mit ’ner Flasche Wein im Jutebeutel und immer einen Korkenzieher am Mann. Neben mir Christoph, den ich vom Vinocamp nur der Stimme nach kannte. Er redet so entspannt und zurückgelehnt über seine Weine, wie ich es selten erlebt habe in dieser eher von Dominanzverhalten geprägten Szene. Die Dame mir gegenüber bloggt über ein völlig anderes Thema, das gemeinsame Medium jedoch führt uns in ein spannendes Gespräch über Mechanismen und Wirkweisen der nicht-journalistischen Publikation.

Kölsches Stillleben: Leere Teller, Schwarzbrot, Kraut
Kerbelknollen sind meine kulinarische Entdeckung dieses stundenlangen Abendessens. Neben dem vin naturel, der in der Tasche war (Braucol, 2010, Domaine Plageolet). Menschen kennenzulernen, war wichtiger. Die Gewissheit zu haben, wieder zu Hause, beim Schreiben solcher Texte, dass da draußen ein Resonanzboden ist, der schwingt. Wie die Kölner Nacht, in die ich nach dem Verlassen dieser Stätte ganzheitlichen Leibeswohls tauche. Was ich an Köln besonders mag? Die dunklen Stunden. Die Abwesenheit von Gewalt und Härte, wie sie andere urbane Zonen atmen. Dass es ein Ort ist der ewigen Möglichkeit: Nichts muss, alles kann. Wie ein Versprechen, das nicht auf Einlösung drängt. Und so seiner Erfüllung reichlich nahe kommt – heute war so ein Abend.
Dreierlei von der Pinie
Veröffentlicht: Januar 19, 2012 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Kulinarik, Musik | Tags: fruttero & luccentini, in the pines, lead belly, pine, pinie, pinienhain, pinienkerne, pinoccate 6 Kommentare„Enigma in luogo di mare“ ist der Titel eines Buchs von Fruttero & Lucentini, dessen Lektüre für mich im Jahre 1993 die erste Begegnung mit dem Werk dieses besten literarischen Duos des letzten Jahrhunderts bedeutete. Niemand sonst beförderte das Genre des Kriminalromans mit ähnlicher Leichtigkeit in einen satirischen Surrealismus, verflocht die Zeitläufte mit Unendlichkeit, trauerte ohne Lamoryanz einer nobleren Epoche nach und war doch fest im Kampf für Erkenntnis im Geiste der Kunst. Bei dieser beiläufigen Analyse geht nicht der bildungsbürgerliche Italienromantiker mit mir durch. Des Italienischen war ich damals noch nicht mächtig, ich las das Buch in der deutschen Übersetzung: Das Geheimnis der Pineta.
Carlo Fruttero ist vor zwei Tagen gestorben, wird heute in Castiglione della Pescaia neben dem Grab von Italo Calvino beigesetzt. Lucentini brachte sich schon vor zehn Jahren um. Ich las in den 90ern ihr ganzes Werk, durch „Wie weit ist die Nacht“ (A che punto è la notte) habe ich mich dann schon im Original gekämpft, es wurde mir ihr liebstes Buch. Zu Ehren der beiden backe ich gleich eine Pinienkern-Tarte.
Auch musikalisch ist der Pinienhain ein Evergreen. „In the pines“ hat als Klagelied den Status eines amerikanischen Traditionals. Eine Interpretation dieses ursprünglich durch den großen Barden Lead Belly in den 1930er/40er Jahren bekannt gemachten Songs hörte ich im selben Jahr, in dem ich F & L kennenlernte. Nirvana zeichneten es unplugged für MTV in New York auf.
Hier einige Interpretationen – auch wenn der Titel variiert – der Ursprung bleibt derselbe:
Susheela Raman – Where did you sleep last night
Nirvana- Where Did You Sleep Last Night
Lead Belly – Where Did You Sleep Last Night?
My Own Private Alaska – Where Did You Sleep Last Night
Die Pinie gehört als Pflanzenart zur Gattung der Kiefern. Nun ist mir aber durchaus bewusst, dass der englische Begriff „pine“ im Deutschen häufig zwar mit Pinie übersetzt wird, aber eigentlich allgemein Kiefer meint. Wer beispielsweise mal in einem Wald riesiger Oregon pines stand, wird solch finsteren Ort nimmermehr mit einem lichten Pinienhain verwechseln.
Pinien (Pinus pinea) kommen nur an den nördlichen Gestaden des Mittelmeers vor – von dort stammen auch all die Kerne, die leidlich italianisierte Nordeuropäer inflationär über Salate schütten oder ins Pesto mörsern. Ich mag sie lieber im Backwerk und mache nun doch nicht die Tarte, sondern bewährt deliziöse Kekse: Pinoccate aus Umbrien.
Dazu löse ich 450 g Zucker in warmem, mit Limettenabrieb aromatisiertem Wasser (150 ml). Von 250 g Pinienkernen mahle ich die eine Hälfte fein und hacke die andere grob und gebe alles in den Sirup. Mit 100 g gesiebtem Weizenmehl wird daraus ein reichlich kompakter Teig.
1 cm dick auf Backpapier streichen/rollen. In Formen – traditionell Rauten – schneiden und trocknen lassen. Fertig – bis auf Bilder davon. Die folgen, vielleicht.
songoftheday: Was Ihr wollt!
Veröffentlicht: Januar 11, 2012 Abgelegt unter: Musik | Tags: Endlosmixtape, song of the day, songoftheday, tageslieder, tumblelog, tumblr Ein KommentarVor einigen Wochen habe ich meinem ursprünglich auf Facebook begonnenen Projekt – jeden Tag einen Song zu posten – eine eigene digitale Heimstatt gewidmet. songoftheday. funktioniert technisch prima als Tumbelog. Damit war ich einer von Hunderttausenden, die diese Infrastruktur zur schnellst wachsenden Plattform unter den (Micro-)Blogsystemen im Jahr 2011 gemacht haben.
Anstoß dazu gaben Freunde, die zwar meine Musiktipps mögen, aber eben nicht geschlossene soziale Netzwerke. Hätten bei mir selber nicht professionelle Notwendigkeiten Pate gestanden, wäre ich garantiert auch ein Facebook-Abstinenzler. Doch inzwischen bereitet der dortige „Freundeskreis“ durchaus Freude und eine Reihe mir heute wichtiger Menschen lernte ich so kennen. Doch dies nur am Rande. Eigentlich geht es hier und heute um die Frage, ob meine Tageslieder nicht ein zu nacktes Dasein fristen. Denn die Grundidee „Ein Tag, ein Song, keine Worte“ erscheint mir selber zwar nach wie vor charmant, schöpfe ich ja aus einem immer noch üppigen Informationsfundus aus vergangenen musikjournalistischen Tagen. Doch wie mir manch Feedback bedeutet, kann nicht jeder die bisweilen oberflächlich krude Mischung nachvollziehen oder gar zum Genuss werden lassen – so gänzlich erklärungslos.
Suchmaschinen freuten sich natürlich auch über Worte. Außerdem wäre dann die Möglichkeit gegeben, dem eigentlichen Sinn des Internetzes gerecht zu werden: eben dem Vernetzen (in diesem Fall: Links setzen). Mein Aufwand, der bisher in der Regel in einer halben morgendlichen Stunde besteht, erhöhte sich nur marginal. Doch was wollt Ihr? Eine Fortsetzung des nackten Pop-Eklektizismus oder aber auch noch Wissen vor Acht? Die Zusammensetzung dieses Endlosmixtapes wird allerdings bestehen bleiben: Zwei Drittel Neuerscheinungen, den Rest grabe ich aus meinem musikalischen Langzeitgedächtnis.
Halber Teller mit pochiertem Ochsenfilet
Veröffentlicht: Januar 9, 2012 Abgelegt unter: Kulinarik | Tags: alte villa ling, ochsenfleisch, pochieren, teigelkamp 6 KommentareZu viel ist nur die Hälfte wert! Zumindest kenne ich nur wenige Genüsse, deren Überfluss mir Labsal wäre. Und dennoch bin ich ein Mensch, dem im Alltag Theorie und Praxis oft herrlich auseinanderdriften. Auch wenn dem meisten Tun und Denken eine Reduktionsprämisse zu Grunde liegt, widerstrebt dem Kreativeuphoriker prozessuale Begrenzung. Das klingt akademischer, als es sich in der Realität niederschlägt. Nicht gemeint ist der Hang zum eigentlichen Exzess. Eher schon der Reflex, alles, was Interesse weckt, sofort zu wollen. Und natürlich das emotionale Wissen, dass zu brennen gut ist, zu verbleichen böse.
Übervolle Teller entstehen ja nicht nach Plan. Eher schon, weil zwei oder mehr Gänge zusammen wachsen, einer Mischung aus Gier und Faulheit geschuldet. Auf dem Foto zum Beispiel ist mindestens ein Element überzählig. Der ausgebackene Chicorée war eigentlich samt einem Joghurtdip als Entrée vorgesehen. Und der geschmorte Radicchio sollte ursprünglich zwischen Lasagneblättern verschwinden. Nur das pochierte Ochsenfilet und der Kräuterkram waren so gewollt. Geschmeckt hat alles für sich großartig, besonders nach dem Fleischgenuss bin ich mir sicher, dass im würzigen Sud Garziehen lassen mir eine Lieblingsmethode wird für feine Filets aller Art.
Ein Hagenbroicher Ochse war übrigens Garant für großartigen Geschmack. Häufig schon habe ich Teile davon auf Tellern von Thomas Teigelkamp in der Alten Villa Ling verspeist und war jedes Mal begeistert. Nun kenne ich die Quelle und werde kaum ein anderes Rindvieh mehr in meine Küche lassen.
Mashup
Veröffentlicht: Januar 7, 2012 Abgelegt unter: Kulinarik, Musik | Tags: Bastard-Pop, eintopf, Mashup, Samstag, Sola Plexus, Susanne Blech, Weingut Franzen, wok 2 KommentareSamstage sind dem Deutschen traditionell kulinarisches Durcheinander. Zur Geschichte der Nazi-Eintöpfe schrieb ich einst das Nötige, dennoch mag ich’s an diesen Tagen, die eher von logistischem Tun und Flurbereinigungsprojekten geprägt sind, schnell und in einem einzigen Kochgeschirr. Auf die musikalische Ebene verlagert spricht der Experte da gerne von Mashups oder gar Bastard-Pop. Genres, die bisweilen riesige Schrotthaufen generieren. Wenn’s gut geht, also die Gesangsspur des einen Artisten gekonnt mit den Beats eines anderen verwoben wurden, entsteht mehr als die Ursprünge vermochten. Seit Danger Mouse 2004 Jay-Z und die Beatles verheiratete und aus schwarz und weiß grau machte (The Grey Album), freue ich mich hin und wieder an gelungener DJ-Kunst. Sola Plexus, bekannt aus dem Susanne Blech Umfeld, hilft mir heute beim rhythmischen Kochen – zusammen mit Adele und Beenie Man. Triumph der Maschine, das neue Susanne Blech Album, erscheint übrigens in wenigen Tagen und wird mindestens lustig.
Adele vs Beenie Man – Feel Me Rolling In The Deep Boy (Sola Plexus)
Der eine Topf war mein Wok. Hinein kamen Reisnudeln, Chinakohl, Chili, Ingwer, Knoblauch, Fisch- und Sojasauce. Eier. Ein Gericht, das keine Asian-Fusion-Küche totglobalisiert bekommt. Einfach genial.
Dazu passte übrigens perfekt der Franzen-Riesling, den Lukas Krauß mir empfohlen hatte. Danke für den Tipp!
New Year’s Eve Investment Tip
Veröffentlicht: Dezember 31, 2011 Abgelegt unter: Weltweit | Tags: cheers, cyprus, larnaca, neujahr, new year's eve, prosit, silvester, sylvester 3 KommentareCheers folks!
Zygi
Veröffentlicht: Dezember 26, 2011 Abgelegt unter: Weltweit | Tags: Fisch, hafen, zygi, zypern 3 KommentareEine ganze Reihe kraftvoll schöner, am Stück gewachsener Orte sah ich in Zyperns Bergen beim heutigen Autowandern. Lageiea, Farmakas, Odou, Sykopetra. Dort wohnen Menschen, die an den Küsten ihr Geld verdienen als Motoren der touristischen Infrastruktur oder in der Fabrik. Wahrscheinlicher noch als Handlanger des globalisierten Großkapitals aus Russland oder dem Libanon in einem der grauen Büotürme von Lefkosia. Zypern ist Euro-Steueroase und Sprungbrett wirtschaftlich ambitionierter, mittelprächtiger Schurkenstaaten. Doch davon nicht mehr, keinerlei Ambition, diese Reportage zu schreiben über einen Riss im Fundament des windschiefen Freudenhauses Europa. So viel nur: Es lässt sich aushalten in den trutzigen Bergdörfern. Gediegen geht’s zu in wildromantischer Natur. Hermetisch auch – in keinem Kaff fand ich ein mich erwartendes Gastgewerbe. Nur Mauern, Wald und Wild, Orangen und Wein, Menschen nie, dafür steinschlaggesäumte, herrlich haarnadelige Serpentinen. Auf über 1000 Metern dann rief das Meer.
Eine verdammt lange Einleitung, um ein paar Worte über Zygi in die Blogosphäre abzusetzen. Ich erwähne diesen Namen, weil ich das Fischerkaff allen ans Herz lege, die je die Zwischenjahreszeit in glücklicher Klausur auf diesem Eiland verbringen. Irgendwann werdet auch Ihr essen müssen! Zwar könnte ich in meinem Landhausappartment kochen, tue es aber nicht. Ein Land in wenigen Stunden zu erkennen, ist das eine – die Erkundung vertrauenswürdiger Lebensmittelanbieter aber ist bisweilen eine Sache von Jahren.

Essen gehen ist anders, in fremden Ländern. Da spielt der Spaß an der Projektion eine große Rolle. In Zygi am Kai beispielsweise liegen etwa 20 Fischerboote, ähnlich viele Tavernen säumen die Küste. Ich habe noch niemals ein Wort gehört von Überfischung, Schleppnetzen oder Artensterben. Ich bin ganz Reiz-Reflex-Schema. Zum dritten Mal schon esse ich hier, in immer anderem Lokal, aber eigentlich stets dasselbe. Aktuell gegrillten Octopus. Mit einem richtig guten Weißen im Glas. Zuvor hatte ich frittierte ganze Fische, Meerbarben wohl. Auch unbekanntes Gekröse. Ganz einfach alles in der Zubereitung, ohne Fremdaromen. Mit Salat, der als einzige Extravaganz auch mal mit frischem Koriander gepimpt ist, und frittierten Kartoffeln. Wichtig: Das Meer in der Nase und im Blick. Dann am Gaumen. Im Magen. Die Füße ins Wasser halten, noch eine Zigarette zum Ouzo am Pier.
Der Zyniker verliert heute gegen das Klischee.



