Rheinisches Sandwich mit Mutter
Veröffentlicht: September 3, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: Gouda, Halve Hahn, Mutter, Niederrheinische Kaffeetafel, Rheinisches Sandwich, Rosinenbrot, Schwarzbrot 5 KommentareNeben dem bekannten Kölner 50%-Sandwich – dem Halve Hahn – existiert hier am Niederrhein (und selbstredend in den angrenzenden Provinzen) eine vortreffliche Variante des belegten Brot-Doppeldeckers:
Selbstgebackenes Rosinenbrot, Butter, Gouda, Schwarzbrot. Kein allfälliger Snack, sondern fester Bestandteil der Niederrheinischen Kaffeetafel. Traditionell steht die Verbindung von Süßem mit Herzhaftem oder Saurig-Schönem im Zentrum hiesiger Küchenkreativität. Dies lässt sich schon durch den Kochbuchklassiker“Neue Kölner Köchinn“ aus dem Jahre 1840 belegen, den die Sächsische Landesbibliothek dankenswerterweise digitalisiert und online zugänglich gemacht hat.
Dazu höre ich – zunehmend begeistert – das neue Mutter-Album „Trinken Singen Schießen“. Denn merke: Die Jungen hassen die Alten. Bis die Jungen die Alten sind. Immerda und in Ewigkeit.
Cà bung mit Guro von Germeten
Veröffentlicht: September 1, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Musik, Weltweit | Tags: AI Phoenix, Bunzel, Guro von Germeten, Linie-Aquavit, Oslo, tofu, unphew, Vietnam Hinterlasse einen KommentarHeute freue ich mich auf Cà bung – Auberginensuppe mit Tofu. Mein Dank gilt jetzt schon Bunzel und Ihrem tollen Blog. Das Stöbern darin lässt stets meine Vietnam-Erinnerungen in Nase und am Gaumen kräuterfrisch zurückkehren. Übrigens: Noch in diesem Monat geht der 2008 entstandene Food-Reiseblog „UNPHEW in Südostasien“ als Archivversion wieder online.
Neben Vietnam ist Norwegen noch so ein Lieblingsland. Eher nicht kulinarisch, vielmehr emotional musikalisch. Seit zehn Jahren nunmehr gilt „Quiet Is the New Loud„. Und beinahe ebenso lang sind die ebenfalls aus Bergen stammenden AI Phoenix Lieblingsband. Doch jetzt kommt da eine offensichtlich klassisch Gesangs-Geschulte und Akkordeon spielende Polkaqueen aus Oslo daher und mixt Trübsal-Blasen mit Bohème, Stil mit großen Gefühlen. Guro von Germeten spielt die Musik dieses Tages und ich trinke zimmerwarmen Linie-Aquavit dazu.
Erdmöbel, Krokus, Inselwein
Veröffentlicht: August 29, 2010 Abgelegt unter: Musik | Tags: Burt Bacharach, Erdmöbel, Inselwein, Köln, Krokus Hinterlasse einen Kommentar„Altes Gasthaus Love“ ist mein bisheriges Lieblingsalbum von Erdmöbel. Eine weitere Folge der Serie „Kulinarik mit Musik“ ist dieser Beitrag also. Oder eigentlich nur ein kurzer Hinweis. Denn die Wahlkölner veröffentlichen am 17. September ihr neues Album Krokus, auf welches ich hier gerne und die Band selber mit einem Clip hinweist.
Noch einmal Burt Bacharach – „Nah bei Dir“ ist eine idealtypische Neuinterpretation von Erdmöbel und passt perfekt zu Inselwein.
Xiao Nan Gua Chao Fan Qie
Veröffentlicht: August 25, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik | Tags: China, Coeur de Pirate, Ho Fu-Lung, Julien Dore, Ketchup, Tomaten, Umbrella, Zucchini Hinterlasse einen KommentarWas nichts anderes heißt als „Zucchini mit Tomaten“. Da dieselben ja momentan Hoch-Zeit feiern, aber zumeist standardisiert mediterran zubereitet werden, suchte ich eine Alternative und fand sie bei Ho Fu-Lung. Dessen 1993 im Berner Hallwag-Verlag erschienenes Werk „Aus Chinas Küchen“ ist bis heute mein liebstes Asia-Kochbuch.
An dieser Stelle starten Puristen gerne mal die Authentizitäts-Debatte – Hos Rezepte sind bestimmt europäisiert. Wer jedoch den Geruch von tausendjährigen Eiern oder die Vorliebe für Knorpel und Gekröse leidvoll erfahren hat, aber solcherlei nicht zu liebsten Sinnenfreuden zählt – muss dennoch nicht auf einen lehrreichen Zugang zu Chinas Küchen verzichten. Das heute nachgekochte Gemüsegericht ist zugegebenermaßen untypisch simpel, dennoch äußerst passend zum frischen Lieblingsbrot.
Anmerkungen des Kochs: Statt fünf Esslöffel Öl reichen zwei. Der Ketchup war natürlich selbstgemacht. Zucker habe ich keinen verwendet. Pfeffer = Cayenne. Das Öl zum Abschmecken enstammt Walnüssen.
Dazu höre ich einen der schlimmsten Ohrwürmer der Popgeschichte, hier aber in äußerst charmanter Interpretation der gerade extrem gehypten Coeur de Pirate aka Béatrice Martin aus Montreal. Unterstützt von Julien Doré.
Roter roter Wein; kulinarischer Sprachterror
Veröffentlicht: August 23, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Musik, Wein | Tags: Frühburgunder, Red wine, Rudolf Fauth, Spätburgunder, Tony Tribe, UB40, Udenheim Hinterlasse einen KommentarEin Song, ursprünglich vom unsäglichen Neil Diamond geschrieben und zur Gitarre gesungen, der unendlich oft interpretiert wurde, um dann schließlich in den 80ern durch die UB40-Performance auf dem Free-Mandela-Festival in London für immer in mein popkulturelles Langzeitgedächtnis gebrannt zu werden: Red red wine. Knarziger, handfester, sperriger und dennoch mit mehr Tiefgang ist dagegen die Version des Jamaikaners Tony Tribe aus dem Jahre 1969. Quasi der Frühburgunder unter den Coverversionen.
Komme darauf, weil ich gestern einen 2007 Frühburgunder Spätlese trocken vom Udenheimer Winzer Rudolf Fauth getrunken habe, drei Sterne und Barrique ohne Ende, angenehm inspirierender Duft direkt nach dem Entkorken – dann jedoch akute Brustschwäche im Mund. Schade, hatte mir viel erhofft von diesem weithin unbekannten Rheinhessen, doch eventuell war ich einfach nur zu früh. Habe eine weitere Flasche in den Keller gelegt und werde in 2-3 Jahren nochmals nachschmecken.
Dennoch war ich beschwingt, der Musik sei Dank. Möchte diese Stimmung nutzen, um eine kleine Serie zu beginnen. Meine werten Leser teilhaben lassen an Fundstücken sprachbarbarischer Art. Gerade im kulinarischen Bereich tummeln sich allerhand Menschen mit dem Drang, ihre pseudotiefschürfenden Erkenntnisse und küchenphilosophischen Glücksbotschaften auf unsäglich unterirdische Art und Weise zu verschriftlichen. Weinbeschreibungen bilden da nur die Spitze des Wortterrors. Erstes Beispiel gefällig?
„Dezente Töne von Unterholz. Am Gaumen fast fleischig. Ein Wein, den man essen möchte.“
Armer Spätburgunder aus Baden, dem hier derart ungehobelt der poetische Garaus gemacht wurde. Das tönende Gehölz, tollwütiger Fuchs trifft auf rohen Gaumen. Der dichte Dichter mit Schluckbeschwerden.
Fortsetzung folgt.
Musik-Theater mit Mini-Rosamunde
Veröffentlicht: August 19, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Musik, Wein | Tags: Anthony Robert Hammond, Botanica, Dortmund, Krefeld, m walking on the water, Mini-Rosamunde, Oestrich-Winkel, Wallfisch Hinterlasse einen KommentarEs gibt nichts schlimmeres als Musical – die Fortsetzung von Operette mit noch fieseren Mitteln. Doch Musik im Theater muss nicht automatisch Folter sein. Dies will das Schauspiel Dortmund am 26. September beweisen (und wird es auch) – wenn es nämlich seinen neuen musikalischen Leiter auf die Bühne stellt. Der Paul darf seine Band aus Manhattan mitbringen und sich seine Freunde Mike und Markus-Maria aus Krefeld einladen. Um an einem Abend dieses ganze seltsame Kulturhauptstadt-Ding in den Schatten zu stellen, avangardistisch an die Wand zu spielen. Meine Damen und Herren, es treten auf Paul Wallfisch und Botanica sowie M. walking on the water.
Botanica vs. the truth fish war meine Lieblingsplatte im Jahr 2005. Auch live funktioniert die Band als energiegeladener Zwitter zwischen osteuropäischer Hochzeitskapelle und rotweinabhängigen Neopunks. Immerhin dies haben sie mit den Herren vom Niederrhein gemeinsam: M. walking feierten im letzen Jahr ein vielbeachtetes Live-Comeback und haben für den Herbst gar ein neues Album angedroht. Short-Distance-Psycho-Folk revisited, um es mal kryptisch auszudrücken. Zu einer Feier auf dem Friedhof wird es allemal reichen. Oder einer heiligen Nacht mit Rosemarie.
Dazu mache ich eine Flasche von Anthony Robert Hammond aus Oestrich-Winkel im Rheingau auf, eine 2009er Mini-Rosamunde. Rock’n’Roll-Wein, Spätburgunder-Rose, etwas plüschig im Geschmack, optisch einzigartig.









