BootBooHook oder Nicht schon wieder Hannover
Veröffentlicht: August 2, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Musik Hinterlasse einen KommentarDie weltbekannteste Stadt, in der noch niemand war. Bielefeld 2. So sexy wie die von der Leyen. Oder der Wulff. Jan Delay hat die City mit einem Halbsatz schon vor Jahren erledigt – hannoveranischer Rock’n’Roll. Ohrmuschelgänsehaut. Und nun dies: Reiselustig und musikbesessen habe ich ein Ticket gekauft. An die Leine. Zum BootBooHook.
Offensichtlich haben die lustigen Leute von Tapete-Records nun schon zum dritten Male daselbst ein Festival organsiert, zusammen mit dem Kulturzentrum Faust. Alles immer noch nicht erheblich, ich erwähne es nur, weil lauter Lieblingsbands spielen. Z.B. The Wedding Present The Notwist Superpunk Urlaub in Polen Bernd Begemann Die Sterne Hot Chip und: Station 17.
„Ohne Regen kein Regenbogen“ ist die aktuelle Single der Durchgeknallten aus Hamburch, mit fetten Broten. Zu hören im Audioplayer auf der Station-eigenen Zwischennetzseite. Dort sind momentan auch zwei Tracks im Medikamentendownload, für umme. Hin und weg.
Gegrilltes mit eigenem Ketchup
Veröffentlicht: August 2, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik | Tags: Alt, Champagner, Ketchup, Lammbratwurst, Schumacher, Stautenhof, Thymian, Tzatziki, Vollkorndinkel Hinterlasse einen KommentarKlingt profan, ist aber einfach und gut. Nur dass dabei nicht Fleischiges oder Meerestiere im Mittelpunkt standen (obwohl Lachssteaks und frische Lammbratwurst vom Stautenhof über der Holzkohlenglut garten), sondern ein Tribut an die anwesenden Julian und Celina. Wenn Kinder Unbekanntes aufgetischt bekommen, auch wenn es spektakulär auf dem Grill raucht und brutzelt, brauchen sie als Entscheidungshilfe etwas bewährt Leckeres. Ketchup als Katalysator quasi. Eigentlich ist die rote Pampe so gar nicht meins, doch wagte ich eine Improvisation mit Tomate. Und die ging so:
Eine Schalotte feinstgeschnitten mit etwas Olivenöl bei milder Hitze in die Kasserolle geben, mit frischem Knoblauch ebenso verfahren. Mit weißem Balsamico und Riesling benetzen – aber erst, wenn der Topfinhalt weich ist, denn nun stoppt der Garprozess abrupt – und Flüssigkeit verdampfen lassen. Dann zwei Teelöffel Honig, einige zerkleinerte getrocknete Tomaten und eine Flasche (lt. Etikett 690 g) passierte Biotomaten hinzugeben und um die Hälfte reduzieren. Für den Feinschliff wenige schwarze Pfefferkörner in der beschichteten Pfanne erhitzen und dann mit grobem Meersalz mörsern und nach Gusto würzen. Eventuell noch etwas Cayenne zugeben. Den Herd auf Null fahren, den fast fertigen Ketchup aber auf der Platte belassen, denn nun wird mit einem Lorbeerblatt und ein bis zwei Zweigen Thymian aromatisiert. Wenn das Ganze abgekühlt ist, die Kräuter entfernen. Perfekt in Konsistenz, Farbe und Geschmack steht die Entscheidung fest: Nie wieder einen Cent verdient die H. J. Heinz Company an mir.
Der Erfolg war durchschlagend. Selbst die gesunden Sachen wie das dieses Mal mit dem Abrieb einer Zitrone veredelte Tzatziki, der Bauernsalat oder die Vollkorndinkel-Variante des No-Knead-Breads mundeten offensichtlich. Für den Freundeskreis gab’s Champagner und Schumacher dazu. Ein schöner Tag.
Dazu passt: Katharina Franck – Das finde ich schön
Steaks, Bier und Zigaretten…
Veröffentlicht: Juli 28, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: Angus, Berger, Bier, Burgunderbraten, Dornbusch, Meerettich, Ochsenbrust, Rumpsteak, Steaks, Viersen, Zigaretten Hinterlasse einen Kommentar… lautet der Titel eines uralten Songs vom Achim Reichel. Eigentlich nicht weiter erwähnenswert, nicht besonders gut, das Musikstück. Aber die Stimme des Hamburgers (der im Übrigen vor Jahren schon den ultimativen Ölkatastrophen-Soundtrack veröffentlicht hat) habe ich immer wieder dann im Ohr, wenn ich ein gutes Stück Rumpsteak vom einem hoffentlich glücklich gestorbenen Rind in den Mund bekomme.
Letzteres liegt zumindest im Bereich des Möglichen, gut gelebt hat das Angus, von dessen Roastbeef (Rumpsteaks werden in der Regel ja vom Ende dieses Tierteils geschnitten) ich einige Bisse kostete letzten Sonntag, erwiesenermaßen. Und auch die Küche des Hauses Berger in Viersen-Dornbusch erwies wieder einmal, dass sie zuverlässig gut mit Fleisch allerbester Qualität umgehen kann. Die feine Marmorierung samt samtiger Fetteinschlüsse kam klassisch-ländlich auf den Teller: scharf angebraten, kurz knapp vor medium gegart, Ruhezeit gegönnt, mit wenigen Aromaten bedacht – und leicht karamelligen Röstzwiebeln auf dem Teller arrangiert. Die Bratkartoffeln dazu waren auch frisch und perfekt und doch eigentlich überfüssig. Der bunte Gartensalat bildete einen ausreichenden Kontrapunkt.
Da wir zu viert am Tisch saßen, gab es auch noch Folgendes: Gesottenes von der Ochsenbrust mit Meerettisch-Lauch-Sauce, einen Burgunderbraten mit frischen Pfifferlingen (beides natürlich von den hauseigenen Angus-Rindern), verschiedene Suppen. Letztere waren so, wie ein familiäres Sonntag-Mittagessen es verlangt. Oldstyle, but perfect! Zum Beispiel die Rinderkraftbrühe mit Flädle war schon fast eine Essenz der Brühe. Umso verwunderlicher, dass bei einem solchen Ausgangsmaterial die Saucen samt und sonders drastisch abfielen.
Bier gab es dazu, weil es warm war und Durst die Gemüter drückte. Zigaretten nicht – tagsüber nie.
Weinraute
Veröffentlicht: Juli 17, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik | Tags: Arrabiata, Bifteki, Bryndza, Bulette, Frikadelle, Rutin, Weinraute Hinterlasse einen KommentarZurück aus dem wilden Osten brauchten meine Geschmacksnerven heute eine deutliche Herausforderung. Seit Jahren wächst relativ unbekümmert Weinraute im Garten, wohl weil ich sie einmal gepflanzt und dann schlicht vergessen habe. Genau das richtige Kraut, um Kreativität und Lust anzustacheln, schmeckt sie doch in erster Linie bitter. Bisher habe ich sie nur unverarbeitet genascht, immer dann, wenn es einen penetranten Geschmack zu neutralisieren galt. Jedoch war da stets die Ahnung, dass neben den Bitterstoffen – dafür ist der Inhaltsstoff Rutin verantwortlich, Gernot Katzer beschreibt alles wichtige auf seinen Gewürzseiten – aromatisch einiges mehr geht.
Zwei verschiedene Ansätze habe ich verfolgt. Im ersten Versuch habe ich schlicht mein Standard-Rezept für eine Sugo all’Arrabiata mit der Zugabe einiger Rautenblätter kurz vor Ende der Garzeit veredelt. In der Annahme, dass dieser zornig-wilden Nudelsauce eine bittere Note gut zu Gesicht stünde – und tatsächlich, geschadet hat es nicht. Um ehrlich zu sein: Eine neue Geschmacksdimension tat sich auch nicht auf.
Daher nun umstandlos zur zweiten Idee: einer Art Bifteki deluxe. So kann es gehen: 200g schieres Rinderhack – hier mal ein Dank an Metzger Bauten für die über Jahre schon gebotene perfekte Qualität – veredeln mit: einem Anchovisfilet, einer mittelscharfen, halben roten Chili, einigen Kapern, einer Zehe Knoblauch. Alles grob hacken. Ein Ei und ein halbes, trockenes, geriebenes Brötchen samt etwas Tomatenmark, Honig, Petersilie sowie 10-15 Blättern Weinraute unter die Hackfleischmasse arbeiten, salzen, pfeffern. Eine halbe Stunde durchziehen lassen.
Dann nochmals Hand anlegen, zwei Fladen formen, darauf jeweils längs eine Linie Bryndza (oder anderen Schafs- oder Ziegenfrischkäse) und etwas geriebene Zitronenschale geben und die beiden Buletten verschließen. In eine beschichtete Pfanne wenig Olivenöl, eine Knoblauchzehe, eine Scheibe Ingwer und die andere Chilihälfte geben und auf mittlere Hitze bringen. Darin die Bifteki von jeder Seite circa drei Minuten braten. Aus der Pfanne nehmen und auch wenn es verführerisch duftet: Nach einer Ruheminute schmeckt’s umso besser, weil sich die Säfte und Aromen verteilen.
Pur genossen war das Ergebnis ein Erlebnis. Die Bitternote war gut eingebunden durch Schärfe, Süße und Säure der anderen Ingredienzien, machte die Frikadelle zu einem nachhaltigen Leckerbissen.
Folklore, Provinz und Studentenkultur
Veröffentlicht: Juli 16, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Weltweit | Tags: Club Bernard, Kežmarok, Košice, Spisska Bela Hinterlasse einen KommentarMehr oder minder zufällig stand ich am Sonntag vor einer Bühne in Kezmarok, die dort im Rahmen des alljährlichen Festival Európske ľudové, des „European Folk and Crafts Festival“, in der Innenstadt, direkt neben dem imposanten Rathaus, errichtet worden war. Trotz infernalischer Temperaturen und unchristlicher Uhrzeit zog mich eine Folkgruppe aus Serbien mit ihrem Sound irgendwo zwischen Klezmer und Balkan-Brass in ihren Bann.
Die Gruppe ABRAŚEVIĆ aus Cacak klingt wie das Boban Markovic Orkestar ohne Blechbläser. Nur die seltsamen Tanzeinlagen waren zuviel für das wenige, das immer mehr ist.
Ein paar Worte zum einige Kilometer entfernten Spisska Bela seien hier auch noch erlaubt. Zuzanas Heimat war unser Tor zur Tatra, Basislager und Offenbarungsort zugleich. Soviel nur: Familienfeste in einer goralischen Sippe beginnen früh am Tag und enden irgendwann. Dazwischen gibt es alles, was Leib und Seele zusammen hält. Wen es dorthin verschlägt und wem die slowakische Sprache erst einmal als eine unüberwindliche Barriere erscheint, der lenke seine Wege erst einmal in die Pension G direkt gegenüber der Kirche.
Die Metropole der Ostslowakei ist hingegen Košice. Neben vielfältigen kulturellen Aspekten – unter anderem ist die gleichermaßen pitoreske wie urbane Altstadt sehr sehr hübsch – bietet ein buntes Studentenleben Ablenkung dem, der einmal genug hat von Natur und Ethnologie. Ultimativer Ausgehtipp: der Bernard Club in der Alzbetina.
9 Uhr abends
Veröffentlicht: Juli 12, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Musik, Weltweit | Tags: Borovicka, Goral, Irena Brezná, Orkestar Slivovica, Slivka, Slowakei, The Tequila Mockingbird Orchestra, Vodka Hinterlasse einen KommentarUnbaendige Lebensfreude ist ein listig Ding, geht sie doch oft einher mit planerischer Unstetigkeit. Wer jedoch satt werden will, abends in der Slowakei, der achte gut auf den Chronometer. Zumindest in laendlichen Gebieten schliessen die Gasthaeuser ihre Kuechen zuverlaessig um 21 Uhr. Nur die schon abfaellig erwaehnten, einheimischen Pizzabaecker bieten da hin und wieder zweifelhafte Abhilfe.
Bier ist ebenfalls nahrhaft, gut, es fliesst auch zu spaeterer Stunde reichlich. Genauso wie die hiesigen haerteren Getraenke. Goral Vodka (ob Goralisch nun einzig eine Regionalsprache entlang der polnisch-slowakischen Grenze ist oder tatsaechlich Goralen eine Ethnie sind, bedarf noch einer weitergehenden Recherche), Borovička, Spiš original slivka (dazu faellt mir just ein durchgeknallter Musiktipp ein).
Zum Schluss noch ein Lesetipp fuer Reisende im „Neuen Europa“:
Irena Brezná
Die Sammlerin der Seelen
Unterwegs in meinem Europa
Ach ja, wo ich doch eben die Verbindung zwischen Hardstuff-Drinking und Tanzbeinschwingen hergestellt habe, kann ich mir einen Verweis auf das „The Tequila Mockingbird Orchestra“ nicht verkneifen. Here you go.



