Ein Tag in den Pieninen
Veröffentlicht: Juli 11, 2010 Abgelegt unter: Weltweit | Tags: Dunajec, Pieninen, Tatra, Veľká Lesná, Červený Klástor Hinterlasse einen KommentarJan ist Jaeger. Unter anderem ist er auch erst 20 Jahre alt und der Cousin von Zuzana, unserer Tueroeffnerin in die urspruengliche Welt der Slowaken. Wir treffen ihn und seine Familie in deren Heimatdorf, Veľká Lesná, 494 Einwohner, am Rande des Pieninen-Nationalparks und fernab jeglicher Touristenstroeme gelegen (die hier uebrigens ansonsten recht zahlreich sind, um entweder eine Flossfahrt auf dem wildromantischen, polnisch-slowakischen Grenzfluss Dunajec zu machen oder das beruehmte Červený Klástor zu besuchen). Es war naturschoen, anstrengend, rustikallecker.
Die Flinte ueber der Schulter zeigte Jan uns sein Revier, zwischen 500 und 800 Meter Hoehe wanderten wir ueber Huegel, Bergruecken und schliesslich auf eine Almwiese. Dort ging es in die Beeren (wohl Heidelbeeren) und als Bonus gab es ein perfektes Tatra-Panorama obenauf. An einem Bachlauf kamen wir zurueck ins Dorf, wo zwangslaeufig geistige Getraenke und allerlei Spezereien auf uns warteten. Die hausgemachte Wildwurst ist mir jetzt noch geschmacklich praesent.
Riesling und Andyho Warhola
Veröffentlicht: Juli 10, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Wein, Weltweit | Tags: Andy Warhol, Medzilaborce, Orechova, Rizling Rýnsky, Ruthenen, Tibava Hinterlasse einen KommentarDas Leben ist bunt, Gott sei Dank. Wanderer, kommst Du in den hintersten Winkel Europas, lass Dich ueberraschen von Unerwartetem, Schoenem, Gutem, Kunst und Wein. Ersteres offenbart sich in Medzilaborce, wo findige Ureinwohner vom Stamme der Ruthenen einen riesigen, postsozialistischen Betonkasten in die Einoede gesetzt haben, um einen der ihren zu ehren. Gut, Mister Warhol ist nun eigentlich in Pittsburgh, Pennsylvania, geboren und hat das Land seiner Vaeter nie gesehen – was die Sache leicht bizarr macht – und war wohl kaum jemand, der im Leben und in der Kunst viel auf Traditionen gehalten haette, aber das ist den Menschen hier schlicht egal. 15.000 Kulturtouristen lockt der Name des weltberuehmtesten Popartisten Jahr fuer Jahr an diesen Ort. Das Gebotene ist wenig tiefschuerfend, auch nicht kuenstlerisch erhellend, aber zumindest witzig bis absurd. Kongenial setzt dies uebrigens der Dokumentarfilm Absolut Warhola aus dem Jahre 2001 in Szene.
Rizling Rýnsky ist die andere Entdeckung in der Ostslowakei. Zwar wird die Traube im gesamten Land angebaut, doch in der Gegend von Sobrance, in der lustigen Weinfabrik Pivnica Tibava s.r.o. kommt er besonders gelungen in die Flasche. Ansonsten eher industriell gepraegt, bietet die Gegend mit den Orten Tibava und Orechova zwei fast schon anmutige Weindoerfer. Zu einer intensiven Degustation aller 18 verschiedenen angebotenen und natuerlich auch gekauften Weine ist es noch nicht gekommen. Ein entsprechender Bericht folgt.
Kulinarische Reisenotizen Slowakei, Teil 1
Veröffentlicht: Juli 7, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Kulinarik, Weltweit | Tags: Bier, Bryndza, Fisch, Forelle, Halusky, Karpfen, Kohl, palačinka, Pirohy, Pizza, Slowakei, slowakisch, Suppen, Tatra, Wurst Hinterlasse einen KommentarMit reichlich Erfahrung gesegnet im Umgang mit der osteuropaeischen Kuechenwelt, erstaunen manche Phaenomene dennoch stets aufs Neue. Die Absenz von frisch zubereiteten Gemuesen aller Art auf beinahe saemtlichen Speisekarten – Kohl in vielerlei Variationen einmal ausgenommen – ist nur eine Spielart der curiosa culinaria. Dressing und Salat sind zwei Dinge, die nicht unbedingt zueinander gehoeren. Kuemmel ist hingegen allgegenwaertig. Kellnerinnen waeren in Deutschland haeufig vom Verbot von Kinderarbeit betroffen, wobei „Arbeit“ in den meisten Faellen ein Euphemismus ist. Geschirr scheint in der slowakischen Gastronomie Mangelware zu sein, wird es doch, kaum ist das Besteck abgelegt, dem Gast regelrecht entrissen. Teure Restaurants sind eine Garantie dafuer, dass man mehr Geld bezahlt – ansonsten haben Preise keinerlei Aussagekraft ueber Qualitaet und etwaige Opulenz der Speisen.
Genug der boesen Worte: Die Perlen der slowakischen Kueche wollen einfach nur entdeckt werden. Wahrnehmung im Voruebergehen funktioniert nicht, auch der erste Biss ist oft genug nicht ausreichend fuer ein zielfuehrendes Urteil. Um den werten Lesern eine Vorstellung von der Preisgestaltung der hiesigen Gastronomie zu vermitteln, nun einige Beispiele: Um fuer einen halben Liter meist vorzueglichen Bieres Pilsener Brauart mehr als einen Euro zu bezahlen, muss man schon lange suchen. Einheimische Weine werden offen fuer ein bis zwei Euro das Glas, flaschenweise um die zehn Euro in meist ordentlicher Qualitaet kredenzt. Auch fuer Speisen gilt, ein ungefaehres Drittel des deutschen Preises anzunehmen. Dies wiederum ist auch gut so.
Was positiv im Gedaechtnis bleibt: Die Slowakei ist ein Suppenland. Ein recht gutes zudem. Die formidablen Klassiker sind Knoblauch- (cesnakova polievka) und Sauerkrautsuppen (kapustnica). Doch auch Fisch-, Bohnen-, Kartoffel- und Spinatsuppen wurden probiert und fuer gut befunden. Bei der Zubereitung dienen jeweils hausgemachte Bruehen – meist vom Huhn – als Grundlage und geschmacklich dominiert stets das Namen gebende Produkt. Das ist simpel, aber gut. Tatsaechlich werden fast ueberall, auch in einfachsten Spelunken, frische Produkte verwendet. Der aus der Heimat bekannte uebermaessige Einsatz von Convenience-Food scheint schlicht zu teuer zu sein. Leider fuehrt dies nicht immer zu einem besseren Ergebnis. Fleisch zum Beispiel ist meist jenseits des perfekten Garpunkts. Beilagen muessen – zwar nicht immer, was zu erkennen eigentlich nur Beherrschern der slowakischen Sprache moeglich ist – zusaetzlich geordert werden. Jedoch wird schlicht die gute alte sozialistische Tradition der monokausalen Saettigungsbeilage fortgefuehrt. Spass macht das selten.
Ein anderer Traditionsstrang sind die KuK-Mehlspeisen. Im suessen Sektor wird verlaesslich lecker gestrudelt und auch palačinka schmecken haeufig.
Herzhaft geht es bei pirohy zu. Besonders in der Tatra-Region sind sie eine Delikatesse. Dort werden die Piroggen aus Kartoffelteig zubereitet und haeufig mit Bryndza, einem Schafsfrischkaese, gefuellt. Serviert werden sie mit in Butter gebraeunten Zwiebeln und saurer Sahne. Aehnlich funktionieren die bryndzové halusky. Halusky sind eine Art Gnocchi.
Wie alle Osteuropaeer sind auch die Slowaken Wurstexperten. Immer viel zu fett, doch leider auch oft richtig lecker komme ich selten daran vorbei. Zum Glueck bieten als Ausgleich die unzaehligen Fluesse und Seen reichlich Fisch – von Forelle bis Karpfen – der immer dann gut schmeckt, wenn er frisch vom Grill kommt. Ein weiteres Negativum zum Schluss: Hierzulande ist in den letzten Jahren der Pizzaboom ausgebrochen. Kein Dorf ohne entsprechende Bude, kaum ein Restaurant ohne eine schlechtschmeckende Variation auf der Karte. Italiener gibt es naemlich kaum welche im Land der tausend Berge.
Weinregion Ostslowakei
Veröffentlicht: Juli 5, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Weltweit | Tags: Michalovce, Orechova, Slowakei, Tatra, Tibava, Wein Ein KommentarEine kurze Nachricht vom Fusse der Hohen Tatra. Waehrend der naechsten Tage gilt es, reichlich sorgfaeltig verborgene Perlen in der kulinarischen Wuestenei, die sich Slowakei nennt, zu finden. Die Gegend rund um das kleinste Hochgebirge Europas – direkt an der Grenze zu Polen – besticht in Kuechendingen in erster Linie durch schnoerkellose Wucht und grundgute Rustikalitaet. Um es nett auszudruecken. Fleisch ist ihr Gemuese. Man trinkt Bier. Und Schnaps.
Also flugs zurueck auf die Strasse und ostwaerts. In der Gegend rund um Michalovce erstreckt sich das ostslowakische Weinanbaugebiet. Tibava und Orechova sind die genauen Namen der angepeilten Destinationen. Ein Degustationsbericht folgt in Kuerze.
Eier mit Speck
Veröffentlicht: Juli 1, 2010 Abgelegt unter: Musik, Niederrhein | Tags: Beatlesons, Eier mit Speck, Freaky Fukin Weirdoz, The Pineapple Thief, Viersen Hinterlasse einen KommentarIch schriebe doch über Popkultur und lecker Essen, komme aus Viersen – warum sich denn auf meinem Blog noch kein Wort über Eier mit Speck finde? Fragte ein Bekannter kürzlich. Ein entfernter Bekannter zugegebenermaßen. Sonst hätte er gewusst, dass die einzige Maßgabe für meine Veröffentlichungen hier ist: Es muss mir Spaß machen! Nie wieder redaktioneller Zwang, keine ökonomische Schere im Kopf.
Hätte er dies gewusst, wunderte er sich nicht über die bisherige Absenz des gar nicht mal so unbedeutenden Musikfestivals in meiner Heimatstadt. Es bietet schlicht kaum musikalische Qualität. Zudem bekomme ich beim Titel schon leichte Magenkrämpfe und einen imginären Nachgeschmack von warmem, abgestandenem Dosenbier. Nun habe ich mir dennoch die Mühe gemacht, das Lineup durchforstet, und sage und schreibe drei erwähnenswerte Bands (bei immerhin 25 insgesamt) gefunden, deren Erwähnung mir hier ein paar Worte wert ist. Allesamt treten am mittleren Festivaltag, Samstag, 24.07., auf.
Ersteinmal die Düsseldorfer folkigen Polkapunker von den Beatlesons. Perfekte Partyband das, Tanzbein animierend und mit der glamourösen Attitüde, als wären Whiskeytrinker auf Koks. Dann eine Combo aus München, die mir bestimmt schon 15 Jahre nicht mehr in die Ohren gekommen sind. Die Freaky Fukin Weirdoz sind die „Urväter des bunten Metal-Rap-Funk-Dub-Mixes“ (SZ), der um 1990 herum als „Crossover“ bekannt wurde. Klingt schlimmer, als es war. Und schließlich als kontemporäre Dreingabe noch die Progrocker von The Pineapple Thief. Deren kürzlich veröffentlichtes Album Someone here is missing gehört für mich zu den bisher besten des Jahres.
Kulinarisch gesehen reicht das jedoch höchstens für ein gelungenes Amuse-Bouche, während der Rest des Menues doch arg Conveniance-lastig ist und an Großküchen-Artistik erinnert.
Dicke Bohnen
Veröffentlicht: Juni 28, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: Ackerbohne, Bohnen, Dicke Bohnen, Fava, Fladenbrot, Ful, Kreuzkümmel, Olivenöl, Speck, Tahin Hinterlasse einen KommentarFul ist einer der interessantesten Klassiker der an spannenden vegetarischen Gerichten wahrlich nicht armen arabischen Küche. Besonders in Nordafrika gehört das auch Foul Medammes genannte Gericht zum Standardrepertoir eines jeden oder jeder Kochkundigen. Getrocknete und dann über Nacht eingeweichte Favabohnen werden weich gekocht, gesalzen und teilweise püriert, mit Knoblauch und Kreuzkümmel aromatisiert, mit Olivenöl, Petersilie und Zitrone veredelt und schließlich mittels dünnem Fladenbrot als Besteckersatz verzehrt. Variationsmöglichkeiten durch den Einsatz von Koriandergrün oder Tahin, das zusätzliche Reichen von hartgekochten Eiern oder sauer eingelegtem Gemüse, sind quasi unbegrenzt – und wie bei kulinarischen Standards üblich, hat jede Küche ihr eigenes Geheimnis. Gesund und genussreich sind sie immer.
Nun sind Fava nichts anderes als das, was auch in hiesigen rheinischen Böden als Dicke Bohnen (oder Sau-, Puff-, Ackerbohne) angebaut und momentan auf Märkten und in Bauernläden feilgeboten wird. Wie auch auf die schon erwähnten gelben Bohnen freuten sich rheinische und westfälische Familien seit Generationen sommers auf die Ernte der Dicken Bohnen, die Gerüchten zufolge zusammen mit dem Speck am Busch wuchsen.
Wie ich darauf komme? Momentan befasse ich mich mit der Vorbereitung meiner ersten Genussveranstaltung (ich werde zu gegebener Zeit darüber berichten), die Vegetarisches mit Wein verbinden wird. Als Küchengruß schweben mir da Dips und Pasten vor, die aus diversen Landesküchen bekannt sind, aber zu dem Anlass mit hiesigen Zutaten zubereitet werden. Die dicken Bohnen werden sicherlich eine Rolle spielen.






