Pflaumen, melancholisch

Hocherfreut und nachhaltig satt höre ich Sufjan Stevens „All delighted people“ und lasse mich hinwegtreiben in einen elegischen Tagtraum. Der an Pflaumen und Zimt und Hefeteig gemahnt – ein Nachgeschmack – und die Vorfreude steigert auf das neue Album „The age of adz„.

Mutters Pflaumenpfannkuchen sind der Auslöser für das träge Befinden, welches melancholische Verlustgefühle und Aromastaunen mit sich bringt. Es gibt ja Dinge zwischen Vorratskeller und Küche, die man niemals selber zubereiten würde, weil sie scheinbar einer längst vergessenen Entwicklungsstufe kulinarischer Intelligenz zu entstammen scheinen. Und dann reicht dennoch schon der vage Geruch, um jegliche hart erarbeitete Genussvernunft fahren zu lassen. Wieder Kind sein, Fettgebäck-Sucht, Zuckerschock. Und Ess-Wettbewerbe, die zu gewinnen Ehrensache war – und immer wieder ist.

Pflaumenpfannkuchen

Pflaumenpfannkuchen

Denn diese süßen Kleingebäcke werden selbstredend aus Hefeteig gearbeitet. Mit viel Hefe. Was die Lust beim Mahl mit einem gewissen Leiden danach verbindet. Jegliche theologisch-erotische Assoziation ist rein zufällig.
Ein Rezept existiert selbstredend nicht. Die Lust am Freihand-Kochen habe ich geerbt, zum Glück. Ich schätze einmal dies:

Sechs übermäßig gehäufte Löffel Weizenmehl mit etwas Zucker in eine Schüssel geben, in die Mitte eine Mulde für warme Milch und frische Hefe. Nach 20 Minuten verrühren, dann zwei Eier, etwas Joghurt und eine Prise Salz zugeben, wiederum gehen lassen. Dann sollte der Teig blasendurchwirkt und zähflüssig sein. Währenddessen ein gutes Kilogramm Pflaumen waschen und an der Fruchtnaht aufschneiden, entkernen. Schließlich in eine große, mittelheiße Pfanne vier kleine Kellen Teig geben (so ergibt dies ca. 16 Stück), mit Pflaumen belegen. Nach guter Bräunung wenden und nochmal halbsolang backen (zu lange = Zerfall; zu kurz = roh).

Aus der Pfanne auf den Teller, übermäßig zuckern (evtl. auch zimten) und direkt verspeisen. Wer die meisten schafft, hat gewonnen. Zumindest kurzfristig. Bis ein leichtes Unwohlsein sich einstellt.
Pflaumen offeriert momentan fast jeder Hofladen. Besonders empfehlenswert ist der Rouenhof, wo am Sonntag Streuobstwiesenfest ist.