Caponata mit Süßwein
Veröffentlicht: August 30, 2013 Abgelegt unter: Kulinarik, Wein | Tags: 7, Caponata, sizilien 4 KommentareDer Bloggerfreund hatte eine Flasche da- und mich relativ ratlos zurückgelassen. Der Veranstaltung, die mir hätte Aufklärung anheim werden lassen, konnte ich leider nicht beiwohnen. Also selber rangetrunken an diesen süßen, roten, französischen Schaumwein. Kirschkram, Gamay mit flüchtiger Kohlensäure (Le 7, Domaine du Fontenay, Cote Roanaise, Methode ancestral). Verändert sich im Glas bei jedem Grad Temperaturanstieg. Zu einem gewissen Zeitpunkt hatte ich gar Rosinen in der Nase – und eine Idee, was dazu zu kochen sei. Sowie eine Erinnerung…
an ein Trinkerlebnis auf Sizilien, irgendein gespritetes Kaugummiwasser, dass aber perfekt passte zum süßen Couscous. Mein Inselgenussfavorit ist jedoch die Caponata. In die häufig auch Rosinen gelangen – ich mag aber ebenso die Variante mit Kapern. Und ließ mich zudem inspirieren von einer Idee Nino Grazianos, der auf dem fast fertigen Gemüse mit Garnelenschwänzen gefüllte Brassenrollen gart. Hier: Mit Thunfischloin gefüllter Kohlfisch.
Es schmeckte deutlich besser, als das Foto vermuten lässt (Fotografieren ist dieser Tage eh nicht meine Kernkompetenz – von der Banh-Mi-Schlacht existiert kein einziger Bildbeweis, sorry Stevan.). Auch wenn der Garpunkt um circa eine Minute überschritten war, tat das dem Aromakomplex keinen Abbruch. Gerade das in den Fisch eingezogene Süßsaueraroma der Caponata und die damit einhergehende Saftigkeit waren toll und die 7 dazu ein Treffer.
Übrigens geht diese Caponata so: Zwiebel in Olivenöl angehen lassen, gewürfelte Stange Sellerie, geschälte Aubergine, rote Paprika dazu und mit etwas Zucker karamelisieren lassen. Pinienkerne, Salzkapern und schwarze Oliven dazu, mit Weißweinessig ablöschen und Flüssigkeit verkochen lassen. Ein paar Tropfen Orangenöl sind fakultativ.
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Auf die passende Weinmusik weist mich Torsten gerade hin – daher sei Route Nationale 7 der Honeymoon Killers hier noch nachträglich eingebunden:
Suppli und so
Veröffentlicht: November 26, 2012 Abgelegt unter: Kulinarik, Musik | Tags: arancini, sizilien, suppli, The Jon Spencer Blues Explosion Ein KommentarDer Tag begann mit Niederlagen: Höllische Halsschmerzen als Folge des Samstagsauftritts in bitterböser Kirchenkälte. Dazu Dinge im Kühlschrank, die von unerfüllten Träumen zeugen. Stundenlanger Stau vor Köln. Da helfen nur warme Gedanken und Hardcore aus dem automobilen Beschallungssystem. Pissed Jeans mit Bathroom Laughter zum Beispiel. Oder ist das schon Noise? Relativ ruhig war mein Küchenwochende, wie gesagt. Es kam nur zu Erbsenreis und Nachfahren. Nicht zu den Hirngespinsten von gekochtem Brot und Cozze und Grünkohl. Dafür: Frühstücksbrötchen nach Vincent Klink und ein Sturmlauf. Das erwähnte Markus-Türk-Festival in Grefrath mit einer grandiosen Jansenshow. (Glückwunsch nachträglich!) Alzheimerprophylaxe. Und Hans-Martin sonntagmorgens um 5.

Was da fettbäckt, nennt der Sizilianer Arancini. Ich aß sie erstmals in den herrlich dunklen Gassen von Palermo. Das fiel mir dieser Tage wieder ein, als Heike Fotos schickte von dort. Fettgebackenes wird rheinländisch wahlweise karnevalesk oder adventlich konnotiert. Wozu mir wiederum das neue Projekt von Sufjan Stevens einfällt: Silver&Gold (kompletter Albumstream) ist die zweite Weihnachtsbox des Freakfolkgroßmeisters und mit 58 bizarren Stücken – Coverversionen von Weihnachtsliedchen genauso wie absurd harfige Eigenkompositionen – gleichsam oppulent wie aus der Zeit gefallen.

Wo wir schon bei der Ironie des Alltags sind: Ich rettete am Freitagabend den Blumenkastenestragon vorm Erfrieren und gab reichlich davon ins improvisierte risi bisi. Der Erbsreis gewann dadurch an Farbe und Geschmack – jedoch auch an Eindimensionalität. Andere Aromen verloren schlicht den Kräuterkampf. Doch die Suppli (so heißen die frittierten Reisbällchen in Rom), gehüllt in Pankopanade, waren großartig. Mit Ziegenkäsekern und in krosser Hülle war der Risottoschmelz verführerisch verlockend.

Schlussendlich habe ich mich entschieden, weder fäkalen Krach noch festliches Hipsterhippietum hier ausgiebiger zu verbloggen, sondern das neue Werk des Altmeisters der psychedelischen Garage. Weil Jon Spencer anfang Dezember für drei Gigs nach Zürich, Berlin und Köln kommt und der alte Blueszerstörer nun auch schon seit 20 Jahren Bühnen in Schutt und Asche legt. Sein aktuelles Album mehr ist als nur ein weiteres Stück in einer beispiellosen Diskographie: „Meat+Bone“ ist nicht nur altbewährte Rockrumpelkammer mit Lust an Minimaldekonstruktion.
The Jon Spencer Blues Explosion kann inzwischen – besser: will das auch! – als Band rgelrecht tight agieren. Auf den Punkt. Hochenergetisch selbstverständlich. Nicht mehr nur Exzess. In Würde altern als Kontrapunkt zu Rockopapositionen? Vielleicht. Vor allem aber macht das richtig Spaß. Montagmorgens im Stau auf der Autobahn und auch auf der heimischen Tanzfläche.

