Suppli und so
Veröffentlicht: November 26, 2012 Abgelegt unter: Kulinarik, Musik | Tags: arancini, sizilien, suppli, The Jon Spencer Blues Explosion Ein KommentarDer Tag begann mit Niederlagen: Höllische Halsschmerzen als Folge des Samstagsauftritts in bitterböser Kirchenkälte. Dazu Dinge im Kühlschrank, die von unerfüllten Träumen zeugen. Stundenlanger Stau vor Köln. Da helfen nur warme Gedanken und Hardcore aus dem automobilen Beschallungssystem. Pissed Jeans mit Bathroom Laughter zum Beispiel. Oder ist das schon Noise? Relativ ruhig war mein Küchenwochende, wie gesagt. Es kam nur zu Erbsenreis und Nachfahren. Nicht zu den Hirngespinsten von gekochtem Brot und Cozze und Grünkohl. Dafür: Frühstücksbrötchen nach Vincent Klink und ein Sturmlauf. Das erwähnte Markus-Türk-Festival in Grefrath mit einer grandiosen Jansenshow. (Glückwunsch nachträglich!) Alzheimerprophylaxe. Und Hans-Martin sonntagmorgens um 5.

Was da fettbäckt, nennt der Sizilianer Arancini. Ich aß sie erstmals in den herrlich dunklen Gassen von Palermo. Das fiel mir dieser Tage wieder ein, als Heike Fotos schickte von dort. Fettgebackenes wird rheinländisch wahlweise karnevalesk oder adventlich konnotiert. Wozu mir wiederum das neue Projekt von Sufjan Stevens einfällt: Silver&Gold (kompletter Albumstream) ist die zweite Weihnachtsbox des Freakfolkgroßmeisters und mit 58 bizarren Stücken – Coverversionen von Weihnachtsliedchen genauso wie absurd harfige Eigenkompositionen – gleichsam oppulent wie aus der Zeit gefallen.

Wo wir schon bei der Ironie des Alltags sind: Ich rettete am Freitagabend den Blumenkastenestragon vorm Erfrieren und gab reichlich davon ins improvisierte risi bisi. Der Erbsreis gewann dadurch an Farbe und Geschmack – jedoch auch an Eindimensionalität. Andere Aromen verloren schlicht den Kräuterkampf. Doch die Suppli (so heißen die frittierten Reisbällchen in Rom), gehüllt in Pankopanade, waren großartig. Mit Ziegenkäsekern und in krosser Hülle war der Risottoschmelz verführerisch verlockend.

Schlussendlich habe ich mich entschieden, weder fäkalen Krach noch festliches Hipsterhippietum hier ausgiebiger zu verbloggen, sondern das neue Werk des Altmeisters der psychedelischen Garage. Weil Jon Spencer anfang Dezember für drei Gigs nach Zürich, Berlin und Köln kommt und der alte Blueszerstörer nun auch schon seit 20 Jahren Bühnen in Schutt und Asche legt. Sein aktuelles Album mehr ist als nur ein weiteres Stück in einer beispiellosen Diskographie: „Meat+Bone“ ist nicht nur altbewährte Rockrumpelkammer mit Lust an Minimaldekonstruktion.
The Jon Spencer Blues Explosion kann inzwischen – besser: will das auch! – als Band rgelrecht tight agieren. Auf den Punkt. Hochenergetisch selbstverständlich. Nicht mehr nur Exzess. In Würde altern als Kontrapunkt zu Rockopapositionen? Vielleicht. Vor allem aber macht das richtig Spaß. Montagmorgens im Stau auf der Autobahn und auch auf der heimischen Tanzfläche.
Wo kaufe ich was warum? Produkte aus Liedberg und Umgebung
Veröffentlicht: November 15, 2012 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: korschenbroich, liedberg 5 KommentareKürzlich berichtete Stevan Paul vom Projekt Zweimeilenladen in Hamburg: Drei Wochen lang wird in einem PopUp-Store alles angeboten, was in St. Pauli an interessanten Produkten hergestellt wird. „Dazu gehören Kaffee und Schokolade genauso wie Kleidung und Accessoires, Kartenspiele und Elektronik genauso wie Räucherfisch und Tomatensamen.“ Entstanden aus einer Onlinesammlung ist dies ein tolles Praxisbeispiel für das immer unterstützenswerte Konzept „support your local scene“.
Nun fehlt mir momentan jegliche Ressource, ähnliches am neuen Wohnort realiter auszuprobieren. Allein: Begeisterung und Lust sind da. So kanalisiere ich beides kurzfristig, indem ich zusätzlich Astrids Idee eines Einkaufsführers, der sich aus den Erfahrungen erfahrener Foodblogger speist, aufgreife und meine Erfahrungen der letzten vier Monate dokumentiere. Wo kaufe ich was warum? Mein Zirkelschlag um Liedberg beträgt nicht zwei Meilen, sondern ergibt sich womöglich aus meiner Radfahrkondition. Here we go:
Feinkost Muth
Bei Familie Muth im größeren Nachbardorf Glehn (ca. 2.000 Einwohner) kaufe ich Fisch von hervorragender Qualität und mache daraus nicht nur Matjesburger. Alles Selbstgeräucherte ist besonders empfehlenswert, stammen die Tiere doch aus eigner, nachhaltiger Zucht.
Fleischerei Erkes
Udo Erkes, ebenfalls aus Glehn, macht nicht nur die beste Leberwurst meiner Welt, sondern hat auch keine Probleme mit den lieben Tierchen: er hält sich eine eigene Herde Schwäbisch-Hällischer Landschweine. Wenn Fleisch, dann dieses.
Biobauernhof Essers
Oder aber Geflügel von Haus Neuenhoven. Ich bin auf die Gans gespannt, die noch auf der Weide am Kommer Bach lebt und bald auf unserem Tisch landen wird. Ansonsten sind das: Oldschool-Biobauern mit alternativer Lebenskultur. Die pflanzen Gemüse von Artischocken über Kohl bis hin zu Zucchini und bieten außerdem ein Bioladenvollsortiment.
Ulis Backstübchen
Schon mal Ziegenmilchstuten gegessen? Ich auch nicht. Aber Uli Schneider kann auch sonst einiges und backt in Steinhausen unser Brot. Ich bin schon gespannt auf den Holzkohleofenbrotbackkurs.
Brauerei Bolten
Altbier, uralt. Erspart zwar nicht die Fahrt zum Winzer. Ist aber von großem Vorteil, in der Nähe einer solch jahrhundertealten Tradition zu wohnen.
Irmgard’s Bauernladen
Ich ess Blumen, denn Tiere tun mir leid. Bisweilen zumindest – und dann pflücke ich auf Irmgards Acker.
Hoeren-Hof
Hier wird fortan Olivenöl gekauft. Für zehn Euro kommt ein halber Liter toskanisches Öl von Oliven der Sorte Moraiolo in die Flasche – und in unsere Küche. Kräftig, scharf, mit Schmackes.
Ziegenhof Nilgen-Schmitz
Das beste zum Schluss: Ebenfalls an unserem Hausbach, im Nachbardorf Rubbelrath, wird Ziegenkäse gekauft. Besonders der Weichkäse ist unerhört formidabel. Und vorzüglicher Ziegenschinken wird dort feilgeboten. Blumen nicht.
Außerdem überlässt uns Oma Eicker regelmäßig eine Hand voll Eier von ihren lieben Hühnern. Das soll ich aber eigentlich niemandem verraten. Vor ein paar Tagen schrieb ich übrigens von paradiesischen Zuständen. Was das kulinarische Angebot betrifft, könnte es kaum besser sein. Dennoch ist diese Liste natürlich: tbc.
Anti αντί
Veröffentlicht: Oktober 31, 2012 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Kulinarik, Musik | Tags: anti anti, auberginenrezepte, ecke schönhauser, yotam ottolenghi 5 KommentareJenseits aller generationenspezifischer Sozialisation und elitärer wie egalitärer Verfasstheit bin ich wohl ein neumalkluger Pseudnonkonformist. Oder schlicht anti anti.
In der alltäglichen Praxis manifestiert sich dieser Umstand oft in spontaner Ablehnung von erst einmal Allem, was nach Mode oder Mainstream riecht und schmeckt. Doch über’s Hören widerlege ich diesen Reflex regelmäßig, denn Pop ist per definitionem ein Massenphänomen und permanentes Dagegensein mit zunehmendem Alter keine sonderlich stilvolle Haltung. Außerdem macht es nicht nur klammheimlich Spaß, eine Welle zu surfen, die andere gar nicht mehr spüren, so seicht verläuft sie sich.
Ich bin seit Kindertagen ein enthusiastischer Fan deutschsprachigen Liedguts und gesunder Gemüseküche. Mein erstes Openair-Konzert fand im Bochumer Ruhrstadion statt, ich war 13 und besang mit Herrn Grönemeyer Currywürste genauso inbrünstig wie ich Nina Hagen verehrte. Dass ich Westernhagen schon damals doof fand, beruhigt mich heute sehr. Zum Glück war die rumänische Wanderwarze nicht im Aufgebot der mit „Deutschrockfestival“ genügend gruselig titulierten Veranstaltung. Ich aß zum ersten Male Couscous und dachte, die Erde sei ein guter Ort zum Leben.
Alle meine Freunde fanden solcherlei doof. Sie waren Popper oder Waver oder Endzeitpunks und favorisierten mehrheitlich halbe Hähnchen. Später hab ich mit den Sternen das Tanzen gelernt und niemals vergessen, zu essen. Ich war immer offen für alles, nur manchmal zu früh und oft zu spät. Wär ich Autonarr, kaufte ich nur Jahreswagen. Zu lange dagegen sein, ist nämlich schlecht für die Libido. Wenn Säue durch Dörfer getrieben werden, höre ich das Quieken wohl. Reagiere aber erst einmal vegetarisch und schnappe mir den Ringelschwanz so gerade noch mit einem Hechtsprung in den Matsch.
Das Eigentliche: Vor ein paar Wochen habe ich mir ein Kochbuch gekauft. Weil behauptet wurde, darin stünde ein Rezept mit Soba, Mango, Aubergine, Koriander. Schon der Gedanke daran ließ mich durchdrehen. Nur: Weil ALLE dies Werk und seinen Schöpfer zu verehren schienen und sämtliche Foodblogfrauen mit entsprechender Nachkocherei beschäftigt waren, musste ich warten. Über ein Jahr. Ich kaufe selten noch Bücher, doch es wird wieder Winter und schon gewisse spanische Detektive wussten um die Heizkraft… – doch davon später einmal mehr.

Das Buch ist großartig. Die Auberginenrezepte genauso simpel wie genial. Der Einband ekelhaft. Doch da all dies schon hundertfach beschrieben wurde, will ich nur noch erwähnen, dass der Deutschrock lebt. Wahrscheinlich ist es Post-Deutschrock. Auf keinen Fall Punk oder Indie. Die Band kommt aus Berlin, macht herrliches Schweinegeschrammel mit hektischem Gesang fast ohne Botschaft und nennt sich Ecke Schönhauser. Auch hier ist das Cover eine ästhetische Zumutung und der Inhalt von Input anbetungswürdig. Kaufen, beides. Oder noch etwas warten, Großmutters Haushaltsbuch sortieren und alte Caterina-Valente-Platten hören. Das ist auch sehr schön.
Ohne Worte
Veröffentlicht: Oktober 22, 2012 Abgelegt unter: Kulinarik | Tags: blumenkohl, kürbis, mandelmus, Quitten, senfsauce, Steinpilze Ein KommentarZumindest: fast. Wegen akuter positiver Reizüberflutung und mangelnder Tagesfreizeit schreibe ich nicht, sondern drücke einfach ein paar Bilder in den Orbit. Hier wird gekocht. Jeden Tag. Dennoch.

blumenkohllasagne nach robert, kürbissuppe mit einlage, pilzpolenta, quittentorte, romaneskobarbenmandelmus, kochfisch auf senfsauce. oder so.
Belegtes Brot mit Fisch
Veröffentlicht: September 28, 2012 Abgelegt unter: Kulinarik | Tags: butterbrot, glehn, matjes, muth, schmetterlinge im bauch 3 KommentareDas Abendbrot ist die wichtigste Mahlzeit des Tages. Genau wie das Frühstück. Und das Mittagessen. Wo aber die Morgenmahlzeit relativ uniform und routiniert bereitet und genossen wird und der Mittagstisch sowohl in seiner Üppigkeit als auch in zeitlicher Verortung gewissen unwägbaren äußeren Einflüssen unterliegt, hat das kulinarische Tagesfinale im Utechtschen Leben stets eine Konstante: Es muss ein Genuss sein. Da spielt es überhaupt keine Rolle, ob ein üppiges Menu gekocht wird oder nur basales Brot auf den Tisch kommt. Hauptsache ist, dass die Qualität gut ist und der gesamte Prozess lustvoll vonstatten geht. Abendbrot ist Ausgleichssport. Wo andere Yoga machen, sich ihre Knie kaputt joggen oder in den Wald gehn, um Bäume anzubrüllen, ist mir der Abschluss des Tages Küchenkontemplation; Gute-Laune-Garant.
Ein Butterbrot wird abends eher selten geschmiert. Kommt es doch zur Stulle, wird zumindest am Belag gearbeitet und eine Sekunde mehr über die Anrichteweise nachgedacht. Ein Beispiel dafür ist der Matjesburger von gestern:

Im neuen Nachbardorf gibt es neben der bisher besten Leberwurst meiner Welt und einer kunterbunten Markthalle auch einen verlässlich guten Fischhändler. Bei Feinkost Muth in Glehn kaufte ich also Matjes von hervorragender Qualität. Auch alles Selbstgeräucherte ist sehr empfehlenswert, stammen die Tiere doch aus eigner, nachhaltiger Zucht.
Zum Fisch kommen rote Paprika und Zucchini, Schalotten, Petersilie, Rieslingessig und Rapsöl. Pfeffer und Salz. Dünne Scheiben vom Roggensauerteigbrot, in der Pfanne geröstet, dienen als Himmel und Erde. Dazu getrunken wurden Schmetterlinge im Bauch. Weil es passte, doppelt.
Pompöses aus Pop und Birnen
Veröffentlicht: September 18, 2012 Abgelegt unter: Kulinarik, Musik | Tags: birnengold, chefsache, jörg geiger, Portland, tu fawning 5 KommentarePompöser Pop aus Portland und badische Birnen hätte ich getitelt, wär ich Franke. Und frisch verliebter Alliterationsjunkie. So wird nur eine Sehnsuchtslatenz befriedigt – und dennoch wilder Schwärmerei Raum gegeben. Ich war leider nicht schon wieder an der amerikanischen Nordwestküste, sondern sonntäglich in der Kapitale rheinischer Hybris. Auf einer gleichermaßen überflüssigen wie lustigen Veranstaltung mit blödem Namen und ohne Zielgruppe. Weil es meinen Lieblingschampagner gab. Und die Aussicht auf das eine oder andere illustre Häppchen. Zudem Abendunterhaltung im Gebäude 9.
In der Stammkonzertlocation gaben sich Tu Fawning die Ehre. Geliebte Menschen prognostizierten mir eine Offenbarung. Ich wusste nicht viel zuvor, hatte wenig im Ohr – und war vom ersten Takt weg weg. Derartiger Mut zu musikalisch großer Geste bei gleichzeitiger instrumentalisierter Imperfektion, emotionale Vehemenz und permanentes Trommelfeuer. Dazu mutete die Hälfte des Quartetts optisch an wie New-Wave-Widergänger mit leicht faschistoidem Einschlag, die anderen wie Indiehippieklischees. So wirkte das dann auch akustisch. Nach drei Songs wollte ich gehen, weil die Wucht zu stark und der innere Resonanzkörper ausgefüllt war. Ich blieb und genoss fortan das Konzert des Jahres. Mindestens.
Auf der „Chefsache“ gab’s Pornosternchenkulinarik und haufenweise faltige Genussselbstdarsteller. Marginales, Mediokres und Überflüssiges. Und doch ein, zwei richtig gute Sachen zu trinken. Besonders in Geschmackserinnerung geblieben ist mir das Birnenallerlei von Jörg Geiger – von der Schwäbischen Alb und nicht aus Baden. Seine Champagner Bratbirne ist wohl das Flagschiff der Kollektion, mir jedoch war sein Birnengold explosiver Süßweinknaller. Solch Komplexität samt honiglichem Säurespiel hätte ich alkoholisiertem Fruchtsaft niemals zugetraut.

Alles andere verschweige ich. Sonst werde ich nicht mehr eingeladen. Aber dies noch: Braucht jemand bodenturnende Köche?
Ein dunkler Teller, urbane Verwerfungen und die Kinder der Sonne
Veröffentlicht: August 31, 2012 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Kulinarik, Musik | Tags: Köln, Quinoa, Rote Beet, Ziegenkäse 8 KommentareWär ich Profi oder Künstler gar, machte ich mich selbständig als Fotograf unscharfer Bilder und gäbe meinem Geschäft einen Namen wie Studio Braun. Dieser Gedanke verfing sich just im Netz meines kreativen Überflusses. Zu viel der Eindrücke, Überfluss an Erlebtem – kaum geeignete Ventile. Beginnen jedoch wollte ich mit der Stadt. Zu Kulinarik und Popkultur später mehr.
Die ersten Tage war Köln wie ein wiedergeborenes Wunder für mich. Jeden Mittag eine halbe Stunde durch alte Quartiere vergangener Heimat nachspüren, Relikte zu finden und neues Altes, all das glich positivster Reizüberflutung. Dort gibt es immer noch die besten Falafel im Rheinland, hier leuchtet der verborgene Hinterhof wie eh. Der Typ hinter der Plattenladentheke ist ein anderer, sein Griesgram blieb. Ich freute mich am Überangebot an Biosupermärkten und an der beschwingten Dynamik der Menschen. Eine Woche später schon dachte ich: Warum haben die alle Flipflops an den Füßen, ist Stil ein Fremdwort für die Horden alternativer Technikjunkies? An jeder Ecke in ehemaligen Ladenlokalen Café-Schimären, vollgestopft mit Sperrmüll und mit Butterbroten und Kaffeemilch als einzigem Angebot. Ach ja: Mit absurden Limonaden in Flaschen, in die eigentlich Bier gehört, versuchen sie sich gegenseitig auszustechen. Ich gestehe, ich trank auch schon eine Art Rhabarberpunsch. Nur in die eklig grüne Imbissbude, in der Biofastfood im Intensivstationdesign feilgeboten wird, setzte ich keinen Fuß bisher. Dann lieber noch einen Windbeutel mehr in der Konditorei Wahlen. Da ist nicht nur das Interieur seit 60 Jahren unverändert, die Kundschaft auch.
In den letzten Tagen habe ich mir die Frage, warum die alle Berlin spielen am Rhein und Globalisierung und Gentrifizierung aus ihren Seminaren ins Straßenbild tragen, einigermaßen beantwortet. Ich aß einen Burger auf der Kyffhäuser Straße, medioker aber protzige zehn Euro teuer, eine mir bekannte Stadtmagazinschreiberin schwebte rein und wollte „ein Foto und zwei, drei kleine Fragen“ machen und stellen den Pseudopunks an der Friteuse – ließ sich aber abschrecken vom WDR-Team, das schon hinter der Theke den Verkehr aufhielt. Die haben alle zu viel Vaihinger gelesen. Dessen Philosophie des „Als ob“ aber gründlich missverstanden. Halten sie für eine Anleitung zum Nachahmen abgelebter Trends. Die Suche nach dem Eigenen nie gelernt, Anstrengung immer als Leid empfunden. Kein Vermögen, Echtes zu erkennen. Den kleinen Kern immer vorzuziehen dem großen Tamtam? Der Mensch ist dumm und faul.
Einige wenige jedoch sind wahre Kinder der Sonne. Womit der Zirkel schwingt und ich Jaques Palminger of Studio Braun fame singen lasse:
„Fettuccini“ heißt das gerade erschiene Album der „Kings of Dubrock“ und ist tauglich nicht nur für den Tanzboden in der Klapse. Irre gute Popmusik.
Das dunkle Foto zeigt Dreierlei von der roten Beete. Müsst Ihr mir schon glauben, auch dass es vorzüglich schmeckte.

Gekocht und gefüllt mit Ziegenfrischkäse aus der neuen Nachbarschaft und gratiniert, als Chips und schließlich ein großartig roter Brei, auf dem ein Quinoabällchen sich bettet. Der Brei war das Beste, eher ein zu flüssiges Püree. Bestehend aus dem Inneren der Beete mit Rieslingessig und Spätburgunder, Kardamom und Sahne. Ein paar weitere Würzzutaten. Feine Improvisation.
Wie das ganze Leben. Jeden Tag.
