Salbeileber mit Paprikareis

Dazu passt: LaBrassBanda – znaxt.

Balkanesisches floss in meinen kulinarischen Hirnlappen, dieweil ich heute morgen über den Markt ging und beim Metzger Richard Hoff verweilte. Seine Frau bediente eine 89jährige Mitbürgerin, die eine Saure-Bohnen-Suppe plante. Unter Einbeziehung aller Umstehenden. Schlussendlich hatte sie Markknochen, eine Speckschwarte, geräucherten Speck, ein Schweineschwänzchen und Bratwurstbrät im Korb. Wäre gerne ihr Gast gewesen, mittags. Ich erstand Kalbsleber und Blutwurst.

Himmel un Ääd gibt es morgen, ich hatte noch zwei rote Paprikaschoten im Haus und den Garten voller Kräuter. Also kochte ich ordinären Langkornreis in Gemüsebrühe bissfest. Währenddessen befreite ich mittels eines Sparschälers die Schoten von ihrer Haut, entkernte sie und schnitt salmiakpastillengroße Stücke. Eine Schalotte und eine Knoblauchzehe fanden mit Hilfe von etwas Olivenöl und milder Hitze den Weg in ein besseres Leben. Paprika dazu, nach einer Minute Salz, Pfeffer, Chili und den Reis. Einen Löffel Ketchup vom Wochenende. Ein Schuss Spätburgunder von Arndt F. Werner und ein Haufen grob geschnittener Basilikum. Es gibt Reis, Baby.

Salbeileber mit Paprikareis

Salbeileber mit Paprikareis

Nun gibt es ja Puristen, die niemals Basilikum und Salbei auf einem Teller ein Stelldichein feiern lassen. Ich gehöre nicht dazu. So wurde die leider etwas unregelmäßig geschnittene Leber in einem Butter-Olivenöl-Gemisch von jeder Seite zwei Minuten recht kräftig gebraten, nach dem Wenden kamen reichlich Salbei und ein Spritzer vom guten Balsamico ins Spiel. Zusammen schmeckte das dann erdig und süßlich und durchdringend aromatisch. Von der Textur mal ganz zu schweigen…


Gegrilltes mit eigenem Ketchup

Klingt profan, ist aber einfach und gut. Nur dass dabei nicht Fleischiges oder Meerestiere im Mittelpunkt standen (obwohl Lachssteaks und frische Lammbratwurst vom Stautenhof über der Holzkohlenglut garten), sondern ein Tribut an die anwesenden Julian und Celina. Wenn Kinder Unbekanntes aufgetischt bekommen, auch wenn es spektakulär auf dem Grill raucht und brutzelt, brauchen sie als Entscheidungshilfe etwas bewährt Leckeres. Ketchup als Katalysator quasi. Eigentlich ist die rote Pampe so gar nicht meins, doch wagte ich eine Improvisation mit Tomate. Und die ging so:

Eine Schalotte feinstgeschnitten mit etwas Olivenöl bei milder Hitze in die Kasserolle geben, mit frischem Knoblauch ebenso verfahren. Mit weißem Balsamico und Riesling benetzen – aber erst, wenn der Topfinhalt weich ist, denn nun stoppt der Garprozess abrupt – und Flüssigkeit verdampfen lassen. Dann zwei Teelöffel Honig, einige zerkleinerte getrocknete Tomaten und eine Flasche (lt. Etikett 690 g) passierte Biotomaten hinzugeben und um die Hälfte reduzieren. Für den Feinschliff wenige schwarze Pfefferkörner in der beschichteten Pfanne erhitzen und dann mit grobem Meersalz mörsern und nach Gusto würzen. Eventuell noch etwas Cayenne zugeben. Den Herd auf Null fahren, den fast fertigen Ketchup aber auf der Platte belassen, denn nun wird mit einem Lorbeerblatt und ein bis zwei Zweigen Thymian aromatisiert. Wenn das Ganze abgekühlt ist, die Kräuter entfernen. Perfekt in Konsistenz, Farbe und Geschmack steht die Entscheidung fest: Nie wieder einen Cent verdient die H. J. Heinz Company an mir.

Ketchup

Ketchup

Der Erfolg war durchschlagend. Selbst die gesunden Sachen wie das dieses Mal mit dem Abrieb einer Zitrone veredelte Tzatziki, der Bauernsalat oder die Vollkorndinkel-Variante des No-Knead-Breads mundeten offensichtlich. Für den Freundeskreis gab’s Champagner und Schumacher dazu. Ein schöner Tag.

Dazu passt: Katharina Franck – Das finde ich schön


Steaks, Bier und Zigaretten…

… lautet der Titel eines uralten Songs vom Achim Reichel. Eigentlich nicht weiter erwähnenswert, nicht besonders gut, das Musikstück. Aber die Stimme des Hamburgers (der im Übrigen vor Jahren schon den ultimativen Ölkatastrophen-Soundtrack veröffentlicht hat) habe ich immer wieder dann im Ohr, wenn ich ein gutes Stück Rumpsteak vom einem hoffentlich glücklich gestorbenen Rind in den Mund bekomme.

Letzteres liegt zumindest im Bereich des Möglichen, gut gelebt hat das Angus, von dessen Roastbeef (Rumpsteaks werden in der Regel ja vom Ende dieses Tierteils geschnitten) ich einige Bisse kostete letzten Sonntag, erwiesenermaßen. Und auch die Küche des Hauses Berger in Viersen-Dornbusch erwies wieder einmal, dass sie zuverlässig gut mit Fleisch allerbester Qualität umgehen kann. Die feine Marmorierung samt samtiger Fetteinschlüsse kam klassisch-ländlich auf den Teller: scharf angebraten, kurz knapp vor medium gegart, Ruhezeit gegönnt, mit wenigen Aromaten bedacht – und leicht karamelligen Röstzwiebeln auf dem Teller arrangiert. Die Bratkartoffeln dazu waren auch frisch und perfekt und doch eigentlich überfüssig. Der bunte Gartensalat bildete einen ausreichenden Kontrapunkt.

Da wir zu viert am Tisch saßen, gab es auch noch Folgendes: Gesottenes von der Ochsenbrust mit Meerettisch-Lauch-Sauce, einen Burgunderbraten mit frischen Pfifferlingen (beides natürlich von den hauseigenen Angus-Rindern), verschiedene Suppen. Letztere waren so, wie ein familiäres Sonntag-Mittagessen es verlangt. Oldstyle, but perfect! Zum Beispiel die Rinderkraftbrühe mit Flädle war schon fast eine Essenz der Brühe. Umso verwunderlicher, dass bei einem solchen Ausgangsmaterial die Saucen samt und sonders drastisch abfielen.

Bier gab es dazu, weil es warm war und Durst die Gemüter drückte. Zigaretten nicht – tagsüber nie.

www.haus-berger-viersen.de


Fisch und Fleisch, ganz banal

Im Zeit-Bog nachgesalzen, der inhaltlich qualitativ ja bekanntermaßen großen Schwankungen unterworfen ist und dem mitunter einfach etwas Feuer fehlt, schrieb der Mittermeier aus Rothenburg ob der Tauber gestern einen kurzen Gedankenstrom über wilden und gezüchteten Fisch und Vergleichbares aus der Fleischwirtschaft. Eigentlich fast nur Banalität wohnte seinem Resümee eine zeitlose Wahrheit ist: Schein und Sein sind nicht nur in der Philosophie zwei unterschiedlich ausgelatschte Paar Schuhe.

Er macht das am Beispiel „Fische aus Aquakultur vs. Wildfang“ fest. In der Edelgastronomie verkaufe sich fast nur letzteres, wohingegen beim Fleisch ganz klar die Zucht dem wilden Tier vorgezogen würde. Bigott schimpft er so manche Gourmets.
Wie gesagt, reichlich banal. Hier am Niederrhein, in der absoluten Frischfisch-Diaspora, dafür aber mit reichlich netten und guten Jägern gesegnet, wird sowieso gegessen, was auf den Tisch kommt. Und das ist leider viel zu selten von wettergegerbten Normannen handgeangelter Wolfsbarsch aus dem Atlantik.


Weinraute

Zurück aus dem wilden Osten brauchten meine Geschmacksnerven heute eine deutliche Herausforderung. Seit Jahren wächst relativ unbekümmert Weinraute im Garten, wohl weil ich sie einmal gepflanzt und dann schlicht vergessen habe. Genau das richtige Kraut, um Kreativität und Lust anzustacheln, schmeckt sie doch in erster Linie bitter. Bisher habe ich sie nur unverarbeitet genascht, immer dann, wenn es einen penetranten Geschmack zu neutralisieren galt. Jedoch war da stets die Ahnung, dass neben den Bitterstoffen – dafür ist der Inhaltsstoff Rutin verantwortlich, Gernot Katzer beschreibt alles wichtige auf seinen Gewürzseiten – aromatisch einiges mehr geht.

Weinraute mit Rose

Weinraute mit Rose

Zwei verschiedene Ansätze habe ich verfolgt. Im ersten Versuch habe ich schlicht mein Standard-Rezept für eine Sugo all’Arrabiata mit der Zugabe einiger Rautenblätter kurz vor Ende der Garzeit veredelt. In der Annahme, dass dieser zornig-wilden Nudelsauce eine bittere Note gut zu Gesicht stünde – und tatsächlich, geschadet hat es nicht. Um ehrlich zu sein: Eine neue Geschmacksdimension tat sich auch nicht auf.
Daher nun umstandlos zur zweiten Idee: einer Art Bifteki deluxe. So kann es gehen: 200g schieres Rinderhack – hier mal ein Dank an Metzger Bauten für die über Jahre schon gebotene perfekte Qualität – veredeln mit: einem Anchovisfilet, einer mittelscharfen, halben roten Chili, einigen Kapern, einer Zehe Knoblauch. Alles grob hacken. Ein Ei und ein halbes, trockenes, geriebenes Brötchen samt etwas Tomatenmark, Honig, Petersilie sowie 10-15 Blättern Weinraute unter die Hackfleischmasse arbeiten, salzen, pfeffern. Eine halbe Stunde durchziehen lassen.

Dann nochmals Hand anlegen, zwei Fladen formen, darauf jeweils längs eine Linie Bryndza (oder anderen Schafs- oder Ziegenfrischkäse) und etwas geriebene Zitronenschale geben und die beiden Buletten verschließen. In eine beschichtete Pfanne wenig Olivenöl, eine Knoblauchzehe, eine Scheibe Ingwer und die andere Chilihälfte geben und auf mittlere Hitze bringen. Darin die Bifteki von jeder Seite circa drei Minuten braten. Aus der Pfanne nehmen und auch wenn es verführerisch duftet: Nach einer Ruheminute schmeckt’s umso besser, weil sich die Säfte und Aromen verteilen.

Bifteki, bratend

Bifteki, bratend

Pur genossen war das Ergebnis ein Erlebnis. Die Bitternote war gut eingebunden durch Schärfe, Süße und Säure der anderen Ingredienzien, machte die Frikadelle zu einem nachhaltigen Leckerbissen.

Bifteki, angeschnitten

Bifteki, angeschnitten


Kulinarische Reisenotizen Slowakei, Teil 1

Mit reichlich Erfahrung gesegnet im Umgang mit der osteuropaeischen Kuechenwelt, erstaunen manche Phaenomene dennoch stets aufs Neue. Die Absenz von frisch zubereiteten Gemuesen aller Art auf beinahe saemtlichen Speisekarten – Kohl in vielerlei Variationen einmal ausgenommen – ist nur eine Spielart der curiosa culinaria. Dressing und Salat sind zwei Dinge, die nicht unbedingt zueinander gehoeren. Kuemmel ist hingegen allgegenwaertig. Kellnerinnen waeren in Deutschland haeufig vom Verbot von Kinderarbeit betroffen, wobei „Arbeit“ in den meisten Faellen ein Euphemismus ist. Geschirr scheint in der slowakischen Gastronomie Mangelware zu sein, wird es doch, kaum ist das Besteck abgelegt, dem Gast regelrecht entrissen. Teure Restaurants sind eine Garantie dafuer, dass man mehr Geld bezahlt – ansonsten haben Preise keinerlei Aussagekraft ueber Qualitaet und etwaige Opulenz der Speisen.

Genug der boesen Worte: Die Perlen der slowakischen Kueche wollen einfach nur entdeckt werden. Wahrnehmung im Voruebergehen funktioniert nicht, auch der erste Biss ist oft genug nicht ausreichend fuer ein zielfuehrendes Urteil. Um den werten Lesern eine Vorstellung von der Preisgestaltung der hiesigen Gastronomie zu vermitteln, nun einige Beispiele: Um fuer einen halben Liter meist vorzueglichen Bieres Pilsener Brauart mehr als einen Euro zu bezahlen, muss man schon lange suchen. Einheimische Weine werden offen fuer ein bis zwei Euro das Glas, flaschenweise um die zehn Euro in meist ordentlicher Qualitaet kredenzt. Auch fuer Speisen gilt, ein ungefaehres Drittel des deutschen Preises anzunehmen. Dies wiederum ist auch gut so.

Was positiv im Gedaechtnis bleibt: Die Slowakei ist ein Suppenland. Ein recht gutes zudem. Die formidablen Klassiker sind Knoblauch- (cesnakova polievka) und Sauerkrautsuppen (kapustnica). Doch auch Fisch-, Bohnen-, Kartoffel- und Spinatsuppen wurden probiert und fuer gut befunden. Bei der Zubereitung dienen jeweils hausgemachte Bruehen – meist vom Huhn – als Grundlage und geschmacklich dominiert stets das Namen gebende Produkt. Das ist simpel, aber gut. Tatsaechlich werden fast ueberall, auch in einfachsten Spelunken, frische Produkte verwendet. Der aus der Heimat bekannte uebermaessige Einsatz von Convenience-Food scheint schlicht zu teuer zu sein. Leider fuehrt dies nicht immer zu einem besseren Ergebnis. Fleisch zum Beispiel ist meist jenseits des perfekten Garpunkts. Beilagen muessen – zwar nicht immer, was zu erkennen eigentlich nur Beherrschern der slowakischen Sprache moeglich ist – zusaetzlich geordert werden. Jedoch wird schlicht die gute alte sozialistische Tradition der monokausalen Saettigungsbeilage fortgefuehrt. Spass macht das selten.

Ein anderer Traditionsstrang sind die KuK-Mehlspeisen. Im suessen Sektor wird verlaesslich lecker gestrudelt und auch  palačinka schmecken haeufig.
Herzhaft geht es bei pirohy zu. Besonders in der Tatra-Region sind sie eine Delikatesse. Dort werden die Piroggen aus Kartoffelteig zubereitet und haeufig mit Bryndza, einem Schafsfrischkaese, gefuellt. Serviert werden sie mit in Butter gebraeunten Zwiebeln und saurer Sahne. Aehnlich funktionieren die bryndzové halusky. Halusky sind eine Art Gnocchi.

Wie alle Osteuropaeer sind auch die Slowaken Wurstexperten. Immer viel zu fett, doch leider auch oft richtig lecker komme ich selten daran vorbei. Zum Glueck bieten als Ausgleich die unzaehligen Fluesse und Seen reichlich Fisch – von Forelle bis Karpfen – der immer dann gut schmeckt, wenn er frisch vom Grill kommt. Ein weiteres Negativum zum Schluss: Hierzulande ist in den letzten Jahren der Pizzaboom ausgebrochen. Kein Dorf ohne entsprechende Bude, kaum ein Restaurant ohne eine schlechtschmeckende Variation auf der Karte. Italiener gibt es naemlich kaum welche im Land der tausend Berge.


Weinregion Ostslowakei

Eine kurze Nachricht vom Fusse der Hohen Tatra. Waehrend der naechsten Tage gilt es, reichlich sorgfaeltig verborgene Perlen in der kulinarischen Wuestenei, die sich Slowakei nennt, zu finden. Die Gegend rund um das kleinste Hochgebirge Europas – direkt an der Grenze zu Polen – besticht in Kuechendingen in erster Linie durch schnoerkellose Wucht und grundgute Rustikalitaet. Um es nett auszudruecken. Fleisch ist ihr Gemuese. Man trinkt Bier. Und Schnaps.

Also flugs zurueck auf die Strasse und ostwaerts. In der Gegend rund um Michalovce erstreckt sich das ostslowakische Weinanbaugebiet. Tibava und Orechova sind die genauen Namen der angepeilten Destinationen. Ein Degustationsbericht folgt in Kuerze.