Dicke Bohnen
Veröffentlicht: Juni 28, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: Ackerbohne, Bohnen, Dicke Bohnen, Fava, Fladenbrot, Ful, Kreuzkümmel, Olivenöl, Speck, Tahin Hinterlasse einen KommentarFul ist einer der interessantesten Klassiker der an spannenden vegetarischen Gerichten wahrlich nicht armen arabischen Küche. Besonders in Nordafrika gehört das auch Foul Medammes genannte Gericht zum Standardrepertoir eines jeden oder jeder Kochkundigen. Getrocknete und dann über Nacht eingeweichte Favabohnen werden weich gekocht, gesalzen und teilweise püriert, mit Knoblauch und Kreuzkümmel aromatisiert, mit Olivenöl, Petersilie und Zitrone veredelt und schließlich mittels dünnem Fladenbrot als Besteckersatz verzehrt. Variationsmöglichkeiten durch den Einsatz von Koriandergrün oder Tahin, das zusätzliche Reichen von hartgekochten Eiern oder sauer eingelegtem Gemüse, sind quasi unbegrenzt – und wie bei kulinarischen Standards üblich, hat jede Küche ihr eigenes Geheimnis. Gesund und genussreich sind sie immer.
Nun sind Fava nichts anderes als das, was auch in hiesigen rheinischen Böden als Dicke Bohnen (oder Sau-, Puff-, Ackerbohne) angebaut und momentan auf Märkten und in Bauernläden feilgeboten wird. Wie auch auf die schon erwähnten gelben Bohnen freuten sich rheinische und westfälische Familien seit Generationen sommers auf die Ernte der Dicken Bohnen, die Gerüchten zufolge zusammen mit dem Speck am Busch wuchsen.
Wie ich darauf komme? Momentan befasse ich mich mit der Vorbereitung meiner ersten Genussveranstaltung (ich werde zu gegebener Zeit darüber berichten), die Vegetarisches mit Wein verbinden wird. Als Küchengruß schweben mir da Dips und Pasten vor, die aus diversen Landesküchen bekannt sind, aber zu dem Anlass mit hiesigen Zutaten zubereitet werden. Die dicken Bohnen werden sicherlich eine Rolle spielen.
Der Sinn des Internets…
Veröffentlicht: Juni 23, 2010 Abgelegt unter: Gedankenstrom, Kulinarik | Tags: Anonyme Köche, Backen, Brot, Ciabatta, esskultur, Internet, No-Knead-Bread 8 Kommentare… ist es, Glücksgefühle zu erzeugen. Darunter mach ich’s seit gestern nicht mehr! Warum auch sich mit weniger zufrieden geben?
Bisher war ich ja in den bisher bestimmt 15 Jahren mehr oder minder intensiver Nutzung dieses anfangs herrlich anarchischen Mediums stets in erster Linie Zweifler. Als ich vom Konsumenten zum Produzenten wurde, gab es die üblicherweise mit solchen Entwicklungen einhergehende Desillusionierung des vermeintlich Wissenden. Dann lange Abstinenz, kalter Entzug quasi. Und in den letzten Wochen nun ein langsames Herantasten, Wiederentdecken längst vergessener, quasi intuitiver Zugänge und Aneignungsformen. Endlich wieder: Neugier. Was daraus wird? Erst einmal dieser Blog. Und hoffentlich noch viele Momente wie der gestrige.
Intensives Sich-Verlieren in der Welt deutschsprachiger Foodblogs (Essenstagebücher ist tatsächlich kein angemessenes Adäquat für den leidigen Anglizismus.) trieb mich zwei Tage lang um. Viel Buntes, noch mehr Biederes, wenig Tiefgang. Bis ich dann auf „Anonyme Köche“ von Claudio Del Principe aus der Schweiz stieß. Offensichtlich ein Seelenverwandter, nur schon viel weiter auf dem Weg des absoluten Genusses. Wie auch immer, ich las dort von einer wahrlich wunderlichen Brotwerdung. „Das No Knead Bread ist das beste Brot, das jeder zuhause selber backen kann!“ Gut gebrüllt, Löwe. Dachte ich. Und las weiter, unter anderem bei der verlinkten Katharina Seiser von esskultur.at, die eine extrem detaillierte Anleitung bietet.
Als dann irgendwann spontaner Speichelfluss einsetzte, blieb nur der Weg in die Küche. Alles vorhanden, um ein ungeknetes Hefebrot zu backen. Also los: Den Teig angesetzt und 18 Stunden in Ruhe gelassen. Slowfood halt. Dann gefaltet, wieder weggestellt und schließlich im gusseisernen Bräter 40 Minuten gebacken. Als ich den Deckel lüftete, erwartete mich bis zu diesem Moment zugegeben leicht Ungläubigen dies:
Ein wahres Weizenwunder. Ausgetopft noch viel schöner – und nach einer Stunde des Rastens ein einzigartig einfacher Genuss. Mit einem Strich Butter obenauf war schon der erste Biss die Bestätigung, dass das Internet nicht nur Medienfalle und Zeitfresser ist, sondern eben auch das Netz der Guten und des Leckeren.
Buttercremetorte, altmodisch
Veröffentlicht: Juni 21, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik | Tags: Biskuit, Bocuse, Butter, Buttercreme, Buttercremetorte, Eier, Eischnee, Pudding, Vanille 4 KommentareHeute ist Familienfest. Glücklicherweise existieren wenige Traditionen in unserer Sippe, deren Einhaltung gemeinhin meist nur Widerwillen auslöst. Jedoch werden einige mehr oder minder obskure kulinarische Relikte gepflegt, wenn feierlich getafelt wird. Soleier-Ess-Wettbewerbe zu Ostern, Heringssalat mit Bockwürsten als Weihnachtsdelikatesse und eben als Backkunstklassiker die Buttercremetorte sommers.
Weder zeitgemäß noch leicht verdaulich ist sie in ihrer ursprünglich unverfälschten Form weitestgehend vom bundesdeutschen Süßspeisenplan verschwunden. Als altgedienter Bewahrer von vom Aussterben bedrohter Arten dokumentiere ich hier also die Genese meines Lieblingsbackwerks. Zwei Tage sollten schon eingeplant werden, um ein auch nur annähernd befriedigendes Ergebnis zu erreichen. An Tag 1 wird das Grundgerüst geschaffen, ein Biscuitboden. Etymologisch spannend ist ja, dass „bis coctus“ im Lateinischen doppelt gebacken bedeutet und also ursprünglich das meinte, was wir heute als Zwieback kennen. Erst im Laufe der Zeit wurde daraus das luftigleichte Eiergebäck, wie wir es nun benötigen.
Wie immer ist die Frische und die Qualität der Zutaten ausschlaggebend. Am besten also vier nestwarme Eier trennen, zu den Eigelben reichlich vanillisierten Zucker geben und ausdauernd cremig rühren. Der Herr Bocuse behauptet im „La cuisine du marché“ bei den Empfehlungen zur Zubereitung des „Biscuit de Savoie“, dass sich das Volumen unbedingt verdreifachen müsse. Das hat den Vorteil, das man sich das Fitnesstraining spart. Auf jeden Fall ist wichtig, dass sich die Zuckerkristalle völlig aufgelöst haben. Dann aus dem Weißen festesten Schnee schlagen. Mit einer Prise Salz und einem Schwung Zucker verfeinern. Ungefähr 150 g Mehl in die Creme sieben (Sicherheitsfanatiker geben auch noch etwas Backpulver hinzu, was wiederum Menschen wie den erwähnten französischen Meister um den Verstand brächte) und mit der Hälfte des Eischnees wenige Augenblicke verrühren. Die andere Hälfte feinfühlig unterheben und alles in eine 26-cm-Springform füllen und bei 180° 25 Minuten backen. Wiederum sollte sich beim Ändern des Aggregatzustand das Volumen verdreifachen. Aus der Form lösen und sich auf den nächsten Sonnenaufgang freuen.
Ist der erlebt, wird Pudding gekocht. Natürlich nicht solcher vom Dr. aus Bielefeld, sondern handgemacht. Benötigt wird ein knapper Liter Milch und ein halbes Dutzend Eigelbe, Zucker, Stärke und das Mark einer Vanilleschote. Während die Milch erhitzt wird, die restlichen Ingredienzien schaumig schlagen. Dann die Milch zugeben, gut verrühren und nochmals erhitzen. Fertig. Zur Weiterverwendung mit Folie abdecken und erkalten lassen. Währenddessen ein Paket beste Butter den entgegengesetzen Weg gehen, also Zimmertemperatur annehmen lassen. Beides, Butter und Pudding, muss notwendig gleich warm sein. Nun mit einem großen Schneebesen zuerst die Butter glatt und dann den Pudding nach und nach unterrühren. Dieser Schritt ist der Bedeutendste: Die Buttercreme kann bei zu großer Temperaturdifferenz gerinnen; Butter und Pudding müssen eine homogene Masse ergeben, ohne zu flüssig zu werden (was geschieht, wenn zuviel Elan eingesetzt wird).
Nun das Finale: Den Biscuit ganz sanft zweimal teilen. Nun auf die Unterseite ordentlich Creme verteilen, mit der nächsten Scheibe bedecken und solches wiederholen. Obenauf großzügig Buttercreme, glattstreichen und evtentuell mittels Einsatz eines Spritzbeutels ornamentell kreativ werden. Wer Schnickschnack braucht, spart ihn sich dennoch. Wenn’s gar nicht anders geht, sei es erlaubt, Gelee von schwarzen Johannisbeeren auf die Böden zu streichen, aber sparsam. Butter und Vanillearomen sollen dominant bleiben.
Phở im Thang Long
Veröffentlicht: Juni 19, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: Frühlingsrollen, Hanoi, Nem, Pho, Thang Long, Viersen, Vietnam, vietnamesich Ein KommentarDie erste Phở meines Lebens war auch die bisher beste. Spätabends vietnamesischen Boden betreten, das Taxi vom Flughafen brachte Unphew ins Zentrum von Ha Noi. Der Hunger war groß, doch die Dunkelheit ebenso. Kein urbanes Flirren, vielmehr subtropisch schwere Stille, mit schweren Gerüchen. Eine letzte Garküche fand sich schließlich unweit vom Guesthouse, Dampf entwich einem großen Topf auf der Gasflamme. Dieses erste Streetfood war alles, was nötig war, um Ankunft zu signalisieren und ein großartiges Da-Sein zu manifestieren: Die technische Überforderung zu Beginn (Was stellt man an mit einer großen Suppenschüssel und Stäbchen?), die aromatische Verwirrung, das erste wohlig-warme Gefühl (selbst europäischer Hühnerbrühe wurde in der Großmuttergeneration ja Heilwirkung zugesprochen), schließlich locker-leichte Sättigung samt Lust auf Mehr.
Die klassische Phở gà (Hühnersuppe) hat tatsächlich viel Ähnlichkeit mit der mitteleuropäischen Zubereitung, nur die Aromen differieren naturgemäß. Ingwer und Fischsauce werden schon bei der Erstellung der Brühe verwendet, beim Servieren gelangt noch ein bunter Strauß an grünen Kräutern (hauptsächlich Koriander und Húng láng, geschmacklich zwischen Minze und Thaibasilikum angesiedelt) in die Schüssel.
Neben den Sommer- und Frühlingsrollen (Nem) ist die Phở sicherlich DAS (nord-)vietnamesische Nationalgericht. Selten findet sich hierzulande ein Gastronomiebetrieb, der eine gleichermaßen frische wie geschmacklich stimmige Zubereitung zu bieten weiß. Meist bleibt’s bei beliebigem Euro-Asia-Trash.

Vietnamesische Frühlingsrollen in Ha Noi
Umso verwunderter war ich nach dem heutigen Markteinkauf. Mit Freunden hatten wir uns im Thang Long verabredet, Asia-Markt und Imbiss in einem. Gerüchten zufolge böten die vietnamesischen Besitzer Samstags 5-6 landestypische Gerichte zum ansonsten üblichen China-Thai-Mischmasch. Und tatsächlich: Das leicht provisorisch-billige Interieur mit Hang zum Kitsch atmet südostasiatischen Charme. Und die frischen Sommerrollen (gỏi cuốn) sind leider nicht zum Selber-Basteln, aber richtig lecker. Die Suppe jedoch offenbart schon beim Betreten der Räumlichkeiten olfaktorische Dominanz. Stilsicher serviert, mit Limettenschnitzen und frischen Chilis auf einem Extra-Teller, entpuppt sie sich zwar als das Gegenteil des Vegetarierparadieses (böse Zungen bemühten als Analogon zum deutschen Quer-durch-den-Garten ein Quer-durch den Schlachthof), hält aber geschmacklich Einiges. Absolut empfehlenswert für alle, die das Motto „Alles bleibt anders“ ernst nehmen und auch mal nach einem Augen-zu-und-durch etwas Neues, Gutes erwarten.
Asia-Markt und -Imbiss Thang Long
Hohlstr. 40
41747 Viersen
Samstags 11 – 17.00 Uhr Vietnamesische Spezialitäten
Basale Kulinarik: Die Kartoffel
Veröffentlicht: Juni 2, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: Butter, Gloria, Hollandse Nieuwe, Kartoffel, Kartoffeln, Meersalz, Schniedershof, Stautenhof, Thymian, Venlo Ein KommentarEnde Mai, Anfang Juni: Zeit für die ersten Frühkartoffeln dieses Jahres am Niederrhein. Zwei Wochen später als gewöhnlich, der kühlen Witterung geschuldet. Wie bei vielen anderen Dingen, die ob ihrer langen Tradition der Küchen-Verwendung über die Jahrhunderte hinweg unweigerlich bisweilen bizarren Trends unterworfen wurden, bin ich beim Erdapfel ein Liebhaber des puren Produkts. Wobei die Bezeichnung „Produkt“ für ein gewachsenes Lebensmittel eigentlich ein unsinnlicher Sprachmissbrauch ist, doch dazu später einmal mehr.
Auch bei der Kartoffel existieren Heerscharen an Sorten, die in Form, Farbe, Konsistenz und Geschmack variieren. Ohne allzu viele gastrosophische Binsenweisheiten zu bemühen, sind bei der Frühkartoffel für mich drei Dinge wichtig: 1. Möglichst biologisch angebaut sollte die Knolle werden; 2. Ihre Kocheigenschaft und Beschaffenheit (fest bis mehlig) muss dem späteren Verwendungszweck dienlich sein; 3. Geschmackliche Überzeugungskraft. Bauer Gütges hat Gloria im Angebot, vier mittelgroße Exemplare harren nun der Zubereitung. Diese Sorte ist weit verbreitet, sowohl in der konventionellen Landwirtschaft wie auch bei Biobauern (z.B. auf dem Stautenhof in Anrath oder dem Schniedershof in Wachtendonk).
Für den vollen Kartoffel-Geschmack gehe ich folgendermaßen vor: Unter fließendem Wasser mit der Bürste die Knollen gründlich schrubben. Mit wenig Wasser und reichlich Salz garen (Obacht, da frische Frühkartoffeln mehr Wasser beinhalten, ist die Garzeit deutlich kürzer als bei den nun schon überlagerten alten Exemplaren). Eher etwas zu fest als zu weich soll das Ergebnis sein, dann halbieren. Inzwischen in einer kleinen Pfanne ein großes Stück Butter aufschäumen, Meersalz und schwarzen Pfeffer mörsern und hinzugeben. Ebenfalls eine angedrückte, frische Knoblauchzehe und einen Zweig Thymian, der gerade zu blühen beginnt. Nun die Kartoffeln ein bis zwei Minuten darin schwenken – fertig.
Da ich noch etwas in Venlo zu erledigen hatte, gibt es zur Aroma-Kartoffel zwei zart schmelzende Hollandse Nieuwe – ebenfalls die ersten der Saison. Keep it simple – and delicious!
Deutsch Angus
Veröffentlicht: Mai 22, 2010 Abgelegt unter: Kulinarik, Niederrhein | Tags: Angus, Angusrind, Dornbusch, Haus Berger, Rind, Rumpsteak Ein KommentarMit dem Rad und mit Vollgas ueber die niederrheinischen Hügel, und nach einer Kuppe trete ich voll in die Eisen. Denn auf einer Weide irgendwo zwischen Grefrath, Dornbusch und Hinsbeck steht plötzlich eine Herde schwarzer Rinder vor mir. Nicht die üblichen schwarzweißen oder buntgefleckten, sondern deutsche Angus. Und fast gleichzeitig, noch bevor ich das betreffende Schild entdecke, denke ich an das Hotel/Restaurant Haus Berger in Dornbusch. Beim letzten Einkehrversuch leider geschlossen las ich doch zu meinem Erstaunen, dass sie eigene Rinder züchten, ebensolche Angus. Sozusagen kulinarische Produktqualität at its best.
Nach dieser Entdeckung ist die nächstwoechentliche Gaumen-Herausforderung klar, es wird Rumpsteak geben. Von feinfaserigem, bestmarmoriertem Angusrind.




